Nach diesem überraschend ereignisreichen Mittwoch folgt ein ereignisloser Donnerstag. Ich komme ziemlich gut mit meiner ersten Hausarbeit voran und habe sogar schon die ersten Paragrafen verfasst. Ziemlich zufrieden gönne ich mir einen lernfreien Abend.
Der Freitag beginnt entspannt und ich verwandle meine Stichpunkte in Fließtext. Meine Haustürklingel reißt mich aus meinem Gedankenstrom und ich mache mich irritiert und leicht verärgert auf den Weg zur Tür.
"Hey!" Ich werde fast von Lindas Enthusiasmus erschlagen, als sie ungefragt in meine Wohnung stürmt. Ich blinzle in den leeren Flur hinein und schließe dann die Tür. Linda hat es sich direkt auf meinem Bett bequem gemacht und ihr Grinsen strahlt heller als die Sonne draußen. Bei diesem Anblick wird mir klar, dass ich das Lernen auf heute Abend verschieben muss. Bevor ich etwas sagen kann, kommt mir Linda zuvor. "Rate mal, was gestern passiert ist?" "Deine Klausur gestern ist super gelaufen.", versuche ich mein Glück. "Ja das auch, aber das mein ich nicht." Geschlagen lasse ich mich auf meinen Stuhl fallen: "Na dann sag's mir. Du platzt ja fast." Linda lässt sich quiekend ins Bett fallen. Verschwörerisch versteckt sie ihren Mund hinter dem Kopfkissen. "Aaaah, ich sollte es nicht sagen.", jauchzt sie. Das letzte Mal, dass sie so drauf war, hat sie mir erzählt, dass sie einen Freund hat. Langsam werde ich wirklich neugierig. "Jetzt spuck es schon aus.", fordere ich sie auf. Giggelnd richtet sie sich auf. "Wir haben es gemacht.", triumphiert sie. Fragend sehe ich sie an. Prompt werde ich mit dem Kissen abgeworfen. "Man wo kommst du denn her? Wir hatten Sex!" "Wow", ist mein einziger Kommentar. "Du sagst es. Es war einfach Wow.", schwärmt sie. Ich schaffe es immer noch nicht, einen sinnvollen Beitrag zu dieser Unterhaltung beizutragen, deswegen redet Linda einfach weiter. "Wir sind nach der Klausur noch zu ihm. Er war so vernarrt in mich. Das hättest du mal sehen sollen Tim." Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht gerne dabei gewesen wäre, wenn Linda mit Leo rummacht. "Zuerst haben wir nur geknutscht, aber dann sind wir in seinem Zimmer gelandet und er hat mich einfach aufs Bett geworfen. Das war so heiß. Dann hat er." "Linda!", unterbreche ich sie schnell. "Was?", sie guckt mich verdutzt an. "So genau will ich das gar nicht wissen." "Ups. Tut mir leid.", Linda wird rot. "War es denn schön?", frage ich trotzdem nach. "O ja. Es war romantisch, wild und leidenschaftlich. Leo weiß, wie man das macht. Er hat." Ich presse mir schnell die Hände auf die Ohren. "Ist ja gut, ich sag ja nichts.", kichert sie. Ich bin ein wenig neidisch auf sie. "Also macht ihr das jetzt öfter?", frage ich zögerlich. Linda grinst in sich hinein. Diesen Blick kann man nur als ja deuten. "Tim. Ich sag es dir. Leo ist der Mann für mich." "Denkst du?" "Er ist hübsch. Nicht ganz so dumm und er ist lustig." "Hattet ihr eigentlich ein richtiges Date?", will ich wissen. Linda überlegt: "Nicht so richtig. Bis jetzt haben wir uns nur zum Lernen getroffen. Aber nach der Prüfungsphase lädt er mich sicherlich ein." In Lindas Welt sieht alles immer so rosig aus. "Willst du echt noch so lange warten." Schockiert sieht sie mich an: "Erst müssen wir uns auf die Prüfungen konzentrieren, dann kommt das Liebesleben. Ich hoffe doch, dass das auch deine Prioritäten sind. Du musst die Uni ernst nehmen, auch wenn du zwei Kerle am Start hast." Um sie zu beruhigen, deute ich nur auf den Bildschirm hinter mir. "Im Moment ist es eh nur einer von beiden. Den anderen hast du ja in der Mangel.", merke ich an. "Ist auch besser so. Merlin würde dich viel zu oft ablenken." "Musst du grade sagen.", stichle ich. "Hey.", ruft sie übertrieben empört, "ich bin die Ausnahme. Wir sind schließlich best friends forever und deswegen darf ich dich jederzeit ablenken. Schließlich ist es wichtig."
Wir können uns beide das Lachen nicht verkneifen. "Und jetzt bist du dran.", Linda setzt sich an die Bettkante und sieht mich auffordernd an. Es hat keinen Sinn ihr irgendwas zu verheimlichen, deswegen erzähle ich ihr, dass ich mich mit Merlin nach den Prüfungen treffe. Außerdem ist sie hellauf begeistert, als ich ihr erzähle, dass mich Hannes abgeholt hat. "Er ist so ein Gentleman. Tim du hast echt Glück." Theatralisch werfe ich meinen Kopf in den Nacken und lasse mich vom Stuhl rutschen. "Ich Glücklicher. Gleich zwei Herren wollen an meine Möhre. Doch ich kann mich nicht entscheiden und betrüge sie beide, ohne je einen besessen zu haben." Beim letzten Wort liege ich auf dem Fußboden. Lachend beugt sich Linda über mich: "Komm Casanova, wir kochen jetzt was."
Nachdem wir aus meinem Kühlschrank was Essbares geholt haben und es anschließend sogar in etwas Genießbares verwandelt haben, macht sich Linda auf den Weg und ich hab endlich wieder Ruhe. Der letzte Satz meines Textes endet abrupt und ich hab keine Ahnung mehr, was ich schreiben wollte. Ich hoffe das Linda jetzt nicht immer vor meiner Tür steht, wenn sie Sex hatte. Trotzdem beneide ich sie darum, dass es ihr so viel Spaß gemacht hat. Der letzte Satz wird komplett gelöscht und ich versuche ihn ein weiteres Mal zu formulieren.
DU LIEST GERADE
Von Kellner zu Kellner
RomanceTim hat einen dämlichen Wunsch, nämlich, dass sein Traummann eines Tages durch die Tür der Gaybar kommt, in der er kellnert. Eventuell könnt es ja Hannes sein, der in genau dieser Gaybar von einem Typen sitzen gelassen wird. Als Tim dann auch noch M...
