Am Sonntagabend starten Linda und ich einen Serienmarathon auf ihrer Couch. Wir hören nicht auf, bis die letzte Folge vorbei ist. Vielleicht war das ein Fehler, denn jetzt ist unser Schlafrhythmus komplett im Arsch. Irgendwann am Montagmittag schlurfe ich in ihr Badezimmer. Linda pennt noch oder zumindest hat sie sich noch nicht bemüht, das Bett zu verlassen. Ich spüle den faden Geschmack aus meinem Mund und reibe mir das Gesicht. Im Spiegel sehe ich auf dem Badewannenrand eine interessante Verpackung. Die Pappschachtel ist allerdings leer, es ist eine Enthaarungscreme. Neugierig lese ich den Text auf der Verpackungsseite. Es klopft an der Badezimmertür und ich lasse vor Schreck die Schachtel fallen. "Himmel nochmal hast du mich erschreckt.", sage ich beim Öffnen der Tür. "Ich muss halt.", Linda schiebt sich an mir vorbei.
Ich durchforste gerade ihren Kühlschrank nach etwas Essbarem, als sie aus dem Bad kommt. In ihrer Hand hält sie die Pappschachtel. "Was interessiert dich denn so an Enthaarungscreme?", fragt sie voller Neugier. Ich will gar nicht wissen, welche Fantasien sie sich im Moment vorstellt. "Sah halt interessant aus. Funktioniert so ein Zeug überhaupt?" "Na logo.", sie hebt ihr nacktes Bein auf den Counter. "Willst du mal fühlen?" "Nimm deinen Fuß von der Butter weg.", beschwere ich mich. Gespielt beleidigt, nimmt sie ihren Fuß wieder runter. "Gib es zu, du bist einfach nur neidisch auf meine samtweichen Beine." Ich rolle mit den Augen.
Wir mampfen die Toasts auf dem Sofa. Meine Neugier nimmt erneut Überhand: "Bist du komplett rasiert? Also auch?" Ich deute mit meinem Finger zwischen meine Beine. Sie nickt kauend und schluckt. "Sieht besser aus in den Dessous, die ich gekauft habe.", sagt sie frei heraus. Ich werde an ihrer Stelle rot. "Normalerweise trimme ich nur, aber wenn alles leicht transparent ist, dann macht die glatte Haut schon was her." Zu viel Informationen. Ich kann nicht mein Toast und mir die Ohren zuhalten, also muss ich ihr weiter zuhören. "Leo ist es, glaub ich, gar nicht aufgefallen, aber von meinen glatten Beinen konnte er nicht genug kriegen." "So genau wollte ich das gar nicht wissen.", murmle ich. "Hast du dir schonmal die Beine rasiert?", fragt sie mich. "Bis jetzt noch nicht. Das klingt so anstrengend.", antworte ich. "Aber willst du nicht, dass Hannes starke Hände über deine samtweiche Haut fahren?", sie streicht sich theatralisch über ihre Beine. "Wovon träumst du nachts?", wehre ich ab, sehe aber verlegen zur Seite. "Glaub mir! Die Kerle stehen auf sowas.", will sie mich überzeugen. Mein Blick bleibt skeptisch. "Hannes würde voll auf dich abgehen." "Ich weiß nicht." Die Vorstellung gefällt mir, aber ich weiß nicht, ob ich das so einfach umsetzen kann. Ich hab ja nicht mal den passenden Rasierer. "Bis morgen.", Linda schiebt mich schelmisch grinsend aus der Tür. Müde mache ich mich auf den Weg nach Hause.
Gelangweilt liege ich am Dienstag im Bett. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, etwas mit Hannes zu unternehmen, aber er meinte, er hätte noch was zu tun. Was genau, wollte er nicht verraten. Er hat irgendwas von wichtiger Recherche geschrieben. Wahrscheinlich will er sich gut auf den Semesterstart vorbereiten. Also warte ich darauf, dass Linda vorbeikommt.
"Ich hab alles bekommen, was wir brauchen.", sie steht mit einer Tüte vor meiner Tür. "Was ist das denn alles?", ich bin verdutzt. Total hibbelig bringt sie den Beutel in mein Bad und beginnt ihn auszupacken. "Ein Rasierer, Rasierschaum, eine Enthaarungscreme für den Intimbereich und eine beruhigende Lotion. Tadaa!" Ich schlage meine Hand vor das Gesicht. "Tim warum bist du nur so neugierig.", verfluche ich mich selbst. "Und was sagst du?", Linda sprudelt über vor Vorfreude. "Du willst, dass ich mich komplett rasiere?!", ich bin fassungslos. Sie tut die Enthaarungscreme beiseite. "Die musst du auch nicht benutzen, aber ich hatte schon geplant, deine Beine zu rasieren." "Du willst mir die Beine rasieren!", platzt es aus mir heraus. "Naja, ich zeig dir wie's geht und dann kannst du es selber machen.", erklärt sie mir, als wäre es unglaublich normal. "Das ist doch nicht dein Ernst?", versichere ich mich hoffnungslos. "Wozu hat man denn einen schwulen besten Freund?", kichert sie. Mir reicht es. Ich drehe mich um und spiele die beleidigte Leberwurst. Ihre Arme umschließen mich von hinten und sie legt ihren Kopf auf meine Schulter. "Och bitte Tim. Bitte, bitte, bitte." Schnippisch drehe ich meinen Kopf weg. Sie setzt eine weinerliche Stimme auf: "Ich hab mich grade von meinem Freund getrennt und jetzt wendest du dich auch noch von mir ab. Alles, was ich will, ist doch nur eine lustige Zeit mit meinem besten Freund zu verbringen. Schluchz, heul schluchz." Ja sie sagt tatsächlich am Ende laut "Schluchz heul schluchz". Ich seufze laut und lasse den Kopf hängen. "Na dann auf, verpassen wir mir samtweiche Beine.", sage ich ironisch. "Yippie!" Linda ist Feuer und Flamme. Sie erklärt mir, wie ich es mache, ohne mich zu schneiden oder meine Haut zu sehr zu reizen. Es ist lustig mit ihr zu quatschen, während der Rasierer leicht über meine Haut gleitet und den Schaum zerteilt. Mit meiner ungeübten Hand dauert es eine ganze Weile, bis die Haare weg sind. Ich sitze in meiner Boxershorts auf dem Rand der Badewanne. "Für den Rest geh ich nach draußen.", Linda steht vom Klodeckel auf. "Wenn du fertig bist, creme dich mit der Lotion ein. Das beruhigt deine Haut." Mit diesen Worten verlässt sie das Bad. Unentschlossen sitze ich auf dem Badewannenrand. Gerade als ich aufstehen will, um mich nackt zu machen, ruft Linda von draußen: "Vergiss die Haare auf deinem Po nicht." "Ha Ha.", rufe ich zurück.
Ich vergesse meinen Hintern nicht, das ist noch der einfache Teil. Meinen Intimbereich lasse ich aus. Scharfe Klingen in der Nähe von meinem Penis machen mir Angst. Ich überlege, die Enthaarungscreme zu verwenden, finde es aber dann doch übertrieben. Letztendlich entscheide ich mich dafür, den Trimmer zu verwenden, dann sieht es wenigstens etwas ordentlicher aus. Gewissenhaft verteile ich die Lotion auf meiner Haut. Sie ist wirklich weich und geschmeidig. Für eine Weile betrachte ich meinen nackten Körper im Spiegel, ich drehe mich und lasse meine Hände über meine Pobacken gleiten. Kurz stelle ich mir vor, es wären Hannes Hände. Dann besinne ich mich, dass Linda draußen auf mich wartet. Wieder in Boxershorts und einem T-Shirt gehe ich in mein Zimmer. Laufen fühlt sich etwas komisch an, weil Haut direkt auf Haut trifft. "Na bitte.", sagt Linda, als sie von ihrem Handy aufguckt. "Du siehst heiß aus. Pass auf, dass Hannes nicht Nasenbluten bekommt.", witzelt sie.
Es ist schon Dunkel draußen, als mein Handy summt. Linda ist schon weg.
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Hannes
Ich hol dich morgen von der Bar ab
Kannst du ein paar Wechselsachen direkt mitbringen? Es wär toll, wenn du bis Freitag bei mir bleibst. Geht das?
Was hast du denn vor?
Wenn ich es dir jetzt verrate, verderbe ich die Überraschung. Also? Hast du Zeit?
Für dich doch immer. Du Heimlichtuer ;)
Perfekt. Dann bis morgen. Schlaf gut
Du auch
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Was hat er vor? Hibbelig reibe ich meine Schenkel aneinander. Das Gefühl ist neu und schön. Ich kann es kaum abwarten, bis Hannes diese Überraschung sieht oder besser gesagt spürt.
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Von Kellner zu Kellner
RomanceTim hat einen dämlichen Wunsch, nämlich, dass sein Traummann eines Tages durch die Tür der Gaybar kommt, in der er kellnert. Eventuell könnt es ja Hannes sein, der in genau dieser Gaybar von einem Typen sitzen gelassen wird. Als Tim dann auch noch M...
