Freitag 12

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Mein Finger presst Lindas Klingel unerlässlich, bis sie endlich die Tür aufmacht. Mit schnellen Schritten sprinte ich das Treppenhaus hinauf. Linda hat die Tür bereits geöffnet und guckt mir verdutzt entgegen. Ich presche an ihr vorbei in ihre Wohnung und werfe den kleinen Rucksack, in dem meine Wechselsachen drin sind, einfach in den Flur. "Du wirst nicht glauben, was passiert ist.", rufe ich und springe auf ihr Sofa. Sie folgt mir und lehnt sich mit verschränkten Armen und einem wissenden Grinsen in den Türrahmen. "Du hast mit Hannes geschlafen.", trifft sie genau ins Schwarze. Das nimmt mir voll den Wind aus den Segeln und ich starre sie dämlich an. "Woher wusstest du das?" Lachend setzt sie sich zu mir aufs Sofa. "Die grinst wie ein Honigkuchenpferd und du kommst sicherlich nicht von dir mit einem Rucksack voller Sachen." Meine Augen werden zu Schlitzen: "Woher weißt du, du das da Klamotten drin sind?" Sie legt ihren Kopf schräg und sieht mich an, als wäre ich blöd: "Tim, du würdest niemals einen Rucksack so achtlos fallen lassen, wenn da irgendwas Wertvolles drin wäre. Demnach können es nur Dinge sein, die nicht zerbrechlich sind. Also bleiben nur noch Sachen übrig. Und jetzt sag mir, dass ich recht habe." Wie schon gesagt, Linda ist unfassbar. "Du hast Recht, wir haben es getan.", ich lasse mich nach hinten fallen und presse mir ein Kissen an die Brust. "Es war perfekt.", schwärme ich. "Erzähl mir alles!", fordert sie mich auf. 

Und so ist mein dämlicher Traum, dann doch eingetreten. Mein Traummann ist einfach eines Tages durch die Tür der Gaybar gekommen, in der ich kellnere.

Von Kellner zu KellnerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt