Voller Vorfreude spaziere ich durch den Park. Ich hatte so viel Energie, dass ich meine Faulenzerpläne aufgegeben habe und spazieren gegangen bin. Es summt in meiner Hosentasche. Flink ziehe ich es hervor und checke, ob es Hannes ist. Es ist Linda, was mich verwundert, weil sie heute eigentlich ein Date mit Leo hat.
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Linda
Bist du zuhause?
Gerade nicht, aber so in einer Viertelstunde
Alles ok?
Leo ist was dazwischengekommen, also dachte ich, wir könnten was unternehmen
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So langsam geht mir der Typ auf die Nerven. Ich hatte schon am See das Gefühl, dass er keine Lust auf das Treffen hatte.
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Klar du kannst vorbeikommen. Was machen wir?
Ich hab Popcorn und du hast Netflix :)
Klingel einfach
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Mit gerunzelter Stirn gehe ich nach Hause. Leo will sie doch abschieben, das stinkt bis zum Himmel. Aber vielleicht kommen da einfach meine BFF-Instinkte hoch. Trotzdem, erst die geheime Sauftour, dann die Sache am See und jetzt das. Mir gefällt das nicht.
Das Popcorn knallt in der Pfanne und ich schrecke zurück. Linda hält indessen den Deckel fest. Sie kichert: "Du erschreckst dich auch jedes Mal." "Ist ja auch jedes Mal laut.", gebe ich kleinlaut bei. Ich reiche ihr eine Schüssel. "Was ist ihm eigentlich diesmal dazwischengekommen?", will ich wissen. Sie zuckt nur mit den Schultern. "In letzter Zeit muss er viel bei seinen Eltern aushelfen." Er hat also tatsächlich nur eine Ausrede. "Was guckst du denn so düster?", fragt Linda. "Was machen denn seine Eltern, dass sie ständig seine Hilfe brauchen?", lasse ich mich nicht abwimmeln. Das Popcorn dampft in der Schüssel. "Weiß ich nicht so genau, ich glaube sein Vater hat einen Laden oder so.", sie nascht etwas Popcorn. "Tim warum guckst du mich so an?" "Findest du das nicht komisch?", platzt es aus mir heraus. Im Abwenden sagt sie: "Was soll daran komisch sein. Hannes ist doch auch grade bei seinen Eltern." Ich laufe ihr hinterher. "Das ist was ganz anderes." Mit der Schüssel in der Hand macht es sich Linda auf meinem Bett bequem. "Du machst dir ganz umsonst Sorgen.", versucht sie mich zu beschwichtigen. Das lasse ich nicht durchgehen und verschränke die Arme vor der Brust. "Hast du ihn schon gefragt, ob er mit zu deiner Mutter kommt?", bohre ich weiter. Wie erwartet vermeidet sie meinen Blick. "Ja hab ich.", murmelt sie. "Und?!" "Er ist sich nicht sicher." "Aha. Er will also nicht mit." Das hab ich mir schon gedacht. "So hat er das nicht gesagt.", verteidigt sich Linda. "Jeder Kerl bekommt kalte Füße, wenn es um die Eltern geht.", argumentiert sie. Ich setze mich zu ihr aufs Bett, an der Aussage ist was Wahres dran. Meine Hand greift in die Popcornschüssel. "Ich sag ja nur, dass er dir aus dem Weg geht." "Du bist so ein Pessimist Tim.", stänkert sie mich. Ich kaue einfach nur Popcorn. "Leo ist ein super Typ. Ist doch irgendwie süß, dass er so ein Familienmensch ist." So sieht sie das also. "Wenn du meinst.", lenke ich ein. "So und jetzt gucken wir einen Kitschfilm, weil uns unsere Männer verlassen haben.", Linda schnappt sich die Maus, die schon im Bett liegt und scrollt durch das Filmangebot. Irgendwie ist sie unverbesserlich.
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Von Kellner zu Kellner
Roman d'amourTim hat einen dämlichen Wunsch, nämlich, dass sein Traummann eines Tages durch die Tür der Gaybar kommt, in der er kellnert. Eventuell könnt es ja Hannes sein, der in genau dieser Gaybar von einem Typen sitzen gelassen wird. Als Tim dann auch noch M...
