Freitag 10

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Es raschelt und etwas Warmes bewegt sich neben mir. Ich räkle mich im Halbschlaf. "Bleibt liegen.", dringt eine Stimme sanft an mein Ohr und weiche warme Lippen küssen meine Stirn. Wohlig drehe ich mir zur Seite und döse wieder weg. 


Als ich aufwache, bin ich allein. Blinzelnd sehe ich mich um, ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen. Ich bin bei Hannes. Leise stehe ich auf und ziehe mir mein gestriges Shirt über. Neugierig schleiche ich auf Zehenspitzen zur Küchentür. Vorsichtig sehe ich hinein. Hannes hat mich noch nicht bemerkt und ist auf den Herd konzentriert. Verstohlen lasse ich meine Augen über seinen nackten Oberkörper wandern, er sieht aus wie ein Pin Up Boy, so oberkörperfrei mit einer Pfanne in der Hand. Er hält kurz inne, als er mich im Türrahmen bemerkt. "Guten Morgen. Ich wollte dir eigentlich Frühstück ans Bett bringen.", begrüßt er mich. Die Küche ist nett eingerichtet, auf einer Seite ist die Küchenzeile und auf der anderen ragt ein kleiner hüfthoher Tresen in den Raum an dem zwei Stühle stehen. "Sieht lecker aus.", antworte ich, obwohl ich noch keinen Blick in die Pfanne geworfen habe. Ich setzte mich auf einen der Stühle an dem Tresen und beobachte Hannes. Das Frühstück besteht aus Spiegelei auf Toast. "Bleibst du noch?", möchte Hannes wissen. "Du kannst wohl nicht genug von mir bekommen.", schmunzle ich. Sein Blick wird verträumt. "Natürlich nicht." "Tut mir leid, ich muss noch eine Wäsche waschen und dann packen." "Packen?" "Ja, meine Eltern sind von ihrer Kreuzfahrt zurück." Nachdenklich kaut Hannes auf seinem Toast rum. "Also bist du die Nächste Tage erstmal weg." "Nur das Wochenende. Du warst viel länger unterwegs." "Das zählt nicht, das waren wir noch nicht zusammen.", protestiert Hannes. "Du wirst es schon ohne mich aushalten.", lache ich. 

Als Hannes die Teller in die Spüle stellt, wird er auf einmal ernst: "Wissen deine Eltern eigentlich, dass du auf Männer stehst?" "Ja. Meine Mutter hatte es sich schon gedacht." Wasser läuft aus dem Hahn und über die Teller. "Und wie finden sie das?", fragt er nach. Ich lege meinen Kopf auf den Tresen und sehe ihm zu, wie er gewissenhaft den Teller säubert. "Meiner Mutter war es egal, aber mein Vater meinte ich sollte ihm keinen Ärger machen. Ich glaub er hat Angst, dass ich mit zu vielen Typen rummache und mir was einfange." "Oh.", Hannes trocknet sich die Hände ab, ohne sich umzudrehen. "Worüber denkst du nach?", frage ich neugierig. Endlich sieht er mich wieder an. "Ach nichts. Ich hab es meinen Eltern noch nicht erzählt. Das ist alles.", klärt er mich auf. "Willst du es ihnen sagen?" "Keine Ahnung.", seufzt Hannes, "Irgendwann muss ich ja wohl." Da hat er Recht. Früher oder später werden sie es herausfinden. "Mach dir kein Stress. Ich hab es meinen Eltern auch erst erzählt, als es relevant wurde.", sage ich ermutigend. Seine Augenbraue geht nach oben. "Wann ist es denn relevant?" "Ich hab es erst gesagt, nachdem ich einen Freund hatte. Geheimnisse zu haben ist nicht so mein Ding." Hannes nickt nachdenklich. "Das heißt jetzt nicht, dass du es deinen Eltern erzählen musst.", füge ich schnell hinzu. "Wer weiß es denn alles?", springe ich schnell zum nächsten Thema. Er setzt sich wieder: "Georg, Fred und Vivian. Das ist offensichtlich. Ein paar aus meinen Kursen wissen es auch.", er denkt nach. "Dean natürlich.", fällt es ihm ein, dann kratzt er sich verlegen am Hinterkopf. "Und Sonja hab ich es vielleicht erzählt." "Warum den Sonja?", frage ich überrascht. Abwehrend hebt er die Hände. "Nur um sie abzuschütteln. Ich schwöre." Meine Augen werden zu Schlitzen. "Du hast also eine heiße Ex, die dich zurückhaben will?!", stichle ich, "Aber das werde ich nicht zulassen." Ich lehne mich über den Tisch und ziehe ihn in einen Kuss. "Du bist meins, meins, meins.", proklamiere ich und küsse ihm immer wieder auf die Nase. So leicht werde ich ihn nicht wieder abgeben. "Findest du nicht, dass du ein Bisschen übertreibst?", fragt Hannes lachend. "Würd ich nie tun.", gebe ich kichernd zurück.

Von Kellner zu KellnerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt