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᯽ TᗩᗴᕼYᑌᑎᘜ ᯽

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Erschöpft zog ich dem Rappen das Halfter vom Kopf, hängte es an die Boxentür und verriegelte sie fest, während das Tier bereits mit gesenktem Kopf in sein Futter tauchte. Der sanfte Duft von Heu mischte sich mit dem herben Geruch von Leder und Pferd, aber heute gab mir das keine Ruhe. Ich fuhr mir durch die Haare, ließ meinen Blick kurz zu Yoongi wandern, der gerade Dreamer in seine Box führte. Doch meine Lust auf Gespräche lag irgendwo zwischen Null und nicht existent. Ohne ein Wort verließ ich den Stall, überquerte den Hof und trat ins Haus.

Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, stand meine Mutter auch schon vor mir.

"Ah, Taehyung! Dr. Wang möchte dich morgen sprechen. Dein letzter Termin ist jetzt fast sechs Wochen her."

Ich verdrehte die Augen. Natürlich wollte er das.

"Damit er mir weiterhin den Kontakt zu Jungkook verbietet?" Meine Stimme klang schärfer, als ich beabsichtigt hatte. Ich verschränkte die Arme vor der Brust. "Nein. Ich such mir einen anderen Therapeuten. So langsam frisst es mich auf, dass ich meinen eigenen Verlobten seit fast acht Monaten nicht mehr kontaktieren durfte."

Mamas besorgter Blick war durchdringend, aber ich erwiderte ihn stur.

"Dann schreib ihm doch... oder fahr spontan vorbei." Ihre Stimme war leise, sanft, fast flehend. "Sprecht euch aus. Du kamst damals kaputt hier an, und jetzt gehst du wieder kaputt, weil du die Liebe deines Lebens nicht sehen kannst."

Ihr ehrlicher Ton ließ meine Fassade kurz wackeln. Ich senkte den Blick und betrachtete meine Hände, als könnte ich dort eine Antwort finden.

"Aber Mama..." Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. "Wenn ich jetzt hinfahre, weiß ich nicht, ob ich wieder zurückkomme..."

Ich hörte das leise Knarren des Holzbodens, als sich eine zweite Präsenz zu uns gesellte. Mein Vater. Offenbar hatte er unser Gespräch aus der Küche mitangehört.

"Dann komm uns doch regelmäßig besuchen." Seine Stimme war ruhig, besonnen. "Einmal im Monat, vielleicht auch zweimal. Ice möchte immerhin seinen neuen Besitzer regelmäßig sehen."

Ich atmete tief durch, während meine Gedanken zu dem Rappen in der Stallbox zurückwanderten. Ice hatte sein eigenes Trauma - genau wie ich. Nach einem Autounfall konnte er nicht mehr transportiert werden, und als er nur eine Woche nach meiner Ankunft hierhergebracht wurde, hatte ich mich sofort in ihm wiedergefunden. Er war ruhelos, misstrauisch, voller Angst. Genau wie ich damals. Aber mit der Zeit hatten wir uns gegenseitig geholfen. Er war mein Anker geworden.

Ein kleines, müdes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.

"Okay." Meine Stimme war leise, aber entschlossen. "Ich hab euch lieb."

Und dann zog ich meine Eltern fest in meine Arme - fester als sonst. Vielleicht, weil ich wusste, dass ich jetzt eine Entscheidung treffen musste. Eine Entscheidung, die alles verändern könnte.

•••

Ich stand vor meinem Kleiderschrank und ließ meinen Blick über die wenigen Dinge schweifen, die ich in den letzten Monaten wirklich gebraucht hatte. Es war seltsam - als ich hier ankam, hatte ich drei Koffer dabei, vollgestopft mit Erinnerungen, Klamotten, Dingen, die mir einmal wichtig erschienen waren. Jetzt fühlte es sich an, als hätte ich nur einen Bruchteil davon wirklich genutzt.

Jede Falte, die ich aus einem Kleidungsstück strich, jedes Buch, das ich zwischen die restlichen Dinge schob, ließ die Realität schwerer auf mir lasten. Ich verließ diesen Ort. Meinen Rückzugsort. Das einzige Zuhause, das sich nach meiner Flucht nicht wie eine Belastung angefühlt hatte.

Mein Herz pochte unruhig, als ich den letzten Koffer in den Kofferraum meines Jeeps stellte. Der Wagen war ein Neuzugang - groß, praktisch für das Leben hier draußen. Ein Leben, das ich nun hinter mir ließ.

Ich spürte den Blick meiner Eltern auf mir, spürte die unausgesprochenen Sorgen, die sich in Mamas angespannter Haltung widerspiegelten. Die Verabschiedung war lang gewesen - zu lang, fast schmerzhaft. Tränen, Umarmungen, Worte, die mich einerseits bestärkten und andererseits noch schwerer zogen.

"Pass auf dich auf, ja?" Mamas Stimme zitterte leicht, aber sie versuchte, stark zu klingen.

"Und fahr vorsichtig." Appas Hand lag fest auf meiner Schulter, eine stumme Versicherung, dass ich immer einen Platz hier hatte. "Egal, was passiert, du kannst immer zurückkommen."

Ich nickte langsam, versuchte, das Brennen in meinen Augen zu unterdrücken. "Danke... für alles."

Gerade als ich mich hinters Steuer setzen wollte, hörte ich Schritte auf dem Kies. Langsame, bedachte Schritte.

"Also ist es jetzt so weit?" Yoongis Stimme war ruhig, aber ich erkannte den Hauch von Bedauern darin, den er sonst so gut versteckte.

Ich lehnte mich gegen die offene Autotür und sah ihn an. Seine dunklen Augen musterten mich aufmerksam, als würden sie nach einem letzten Beweis suchen, dass ich mir sicher war.

"Ja... Ich glaube, es wird Zeit."

Er atmete hörbar aus und verschränkte die Arme vor der Brust. "Weiß er, dass du kommst?"

Ich schüttelte den Kopf. "Nein. Ich wollte nicht, dass er sich darauf vorbereitet."

Ein kurzes Schnauben. "Mutig... oder dumm."

Ein müdes Lächeln zuckte über meine Lippen. "Vielleicht beides."

Für einen Moment sagte er nichts, trat nur einen Schritt näher. Dann hob er eine Hand und fuhr sich durch die Haare, als wäre er sich unsicher, ob er das wirklich aussprechen sollte.

"Ich werde dich vermissen, Tae."

Seine Worte trafen mich mehr, als ich erwartet hatte. Ohne groß nachzudenken zog ich ihn in eine feste Umarmung. Yoongi war nicht der Typ für überschwängliche Gefühle, aber ich spürte, wie er kurz die Arme um mich legte, bevor er sich räusperte und sich wieder löste.

"Pass auf dich auf. Und wenn's schiefgeht... tja, dann weißt du ja, wo du hin kannst."

Ich nickte, die Dankbarkeit schwer in meiner Brust. Dann ließ ich mich in den Fahrersitz sinken und startete den Motor. Der Jeep brummte tief, vibrationsreich - als wäre er genauso bereit für die Fahrt wie ich.

Noch einmal warf ich einen Blick in den Rückspiegel. Auf Yoongi, auf meine Eltern, auf den Hof, der mich aufgefangen hatte, als ich am tiefsten Punkt war.

Dann legte ich den Gang ein und fuhr los.

Richtung Seoul. Richtung Jungkook. Richtung Ungewissheit.

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Is the end coming?🤭

...𝘵𝘪𝘭𝘭 𝘵𝘩𝘦 𝘦𝘯𝘥, 𝘣𝘢𝘣𝘺 ᴷᴼᴼᴷᵛ ✅Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt