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᯽ TᗩᗴᕼYᑌᑎᘜ ᯽

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Schwach schmiegte ich mich an Jungkook, während das silbrige Licht des Mondes durch das Fenster auf uns fiel. Sein vertrauter Duft umgab mich, und doch war da nichts Beruhigendes mehr. Die Schmerzen in meinem Körper zogen wie ein dumpfer Schatten durch jede Faser, aber ich schwieg. Vielleicht, weil der körperliche Schmerz einfacher zu ertragen war als die Bilder, die mich innerlich zerrissen.

Ich fühlte mich verloren. Unwohl. Fremd in meinem eigenen Körper, in diesem Krankenbett, und selbst in Jungkooks Armen. Seine Nähe, die einst mein sicherer Hafen gewesen war, ließ jetzt nur kalte Erinnerungen an jene grauenvolle Insel aufsteigen. Wie er mich weggeschickt hatte – hinaus in eine tödliche Gefahr, nur um ein verdammtes Telefon zu holen. Wie er, während ich dast geschlachtet wurde, erschöpft schlief und mich meinem Schicksal überließ. Und das schlimmste Bild von allen: wie sie ihn auf diese Frau gedrückt hatten. Auch wenn ich wusste, dass er in diesem Moment nichts kontrollieren konnte, dass er um mein Leben genauso gekämpft hatte wie um seines – diese Szenen nagten unaufhörlich an mir. Sie waren wie Stiche, die nicht heilten.

Langsam hob ich meinen Oberkörper, jeder Muskel protestierte, mein Bauch zog schmerzhaft, und meine Beine, dürr und kraftlos, schoben sich unter der Decke hervor. Die kalte Berührung des Bodens ließ mich erschaudern. Vorsichtig griff ich nach dem Infusionsständer, klammerte mich daran wie an einen Rettungsanker und zog mich schwankend hoch. Schritt für Schritt, mit wackeligen Beinen, die sich wie aus Papier anfühlten, schleppte ich mich zum angrenzenden Badezimmer und schloss die Tür hinter mir ab.

Ich stand einen Moment lang da, sammelte meinen Mut und richtete meinen Blick auf den Spiegel. Was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Mein Mund öffnete sich leicht, ein ersticktes Keuchen entwich mir, und meine zitternde Hand wanderte zu meiner Wange. Das Gesicht, das mir entgegenblickte, war kaum wiederzuerkennen. Meine einst vollen, rosigen Wangen waren eingefallen, die Knochen stachen wie Mahnmale unter der blassen, spannenden Haut hervor. Meine Lippen, sonst immer ein Hauch von Farbe, waren blass und rissig. Und mein Haar... es hing leblos, stumpf, wie ein trauriger Schatten seiner selbst.

Ich löste den Knoten des OP-Hemdes an meinem Nacken, ließ es von meinen Schultern gleiten und musterte meinen Körper. Einmal hatte ich stolz auf ihn sein können. Stark, gesund, athletisch. Jetzt war er nichts mehr als eine bloße Hülle. Jede Rippe zeichnete sich ab, mein Bauch war hohl, eine Delle in einem ausgezehrten Rahmen. Meine Beine wirkten so dünn, als könnten sie unter mir zusammenbrechen. Wie konnte ein Mensch in so kurzer Zeit so viel von sich selbst verlieren?

Dann fiel mein Blick auf den Verband, der meinen Unterbauch bedeckte. Eine brennende Neugier ergriff mich, ein Drang zu sehen, was sich darunter verbarg, auch wenn ich ahnte, dass ich den Anblick bereuen würde. Mit zittrigen Händen begann ich, den Verband zu lösen. Ich war ungeschickt, grob, und bei jedem Ruck zuckte ein stechender Schmerz durch meinen Körper, doch ich hielt nicht inne. Schließlich fiel das letzte Stück Stoff zu Boden – und ich erstarrte.

Eine unregelmäßige, wulstige Narbe zog sich quer über meinen Bauch. Die Haut war grob zusammengenäht, die Linien unsauber, wie ein verzweifelter Versuch, etwas Unwiederbringliches zu flicken. Unnatürliche Wölbungen verzerrten das Bild noch mehr. Mein einst makelloser Körper, den ich so gepflegt hatte, war zerstört.

Tränen stiegen in meine Augen, brannten heiß auf meiner Wange, und ein gebrochenes Schluchzen drang aus meiner Kehle. Der Schmerz dieser Erkenntnis war unerträglich, und in diesem Moment fühlte ich mich endgültig verloren. Wer war ich jetzt noch?

Ich stand da, schwach, zitternd, und konnte meinen Blick nicht von meinem eigenen Spiegelbild abwenden. Tränen liefen mir unaufhörlich über die Wangen, vermischten sich mit dem kalten Schweiß, der mir die Stirn hinunterlief. Mein Körper, der früher so stark und gesund war, war nur noch eine Hülle. Eine Hülle voller Narben, Erinnerungen und Qualen. Ich konnte nicht glauben, dass das wirklich ich war.

...𝘵𝘪𝘭𝘭 𝘵𝘩𝘦 𝘦𝘯𝘥, 𝘣𝘢𝘣𝘺 ᴷᴼᴼᴷᵛ ✅Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt