„Du siehst ja super ausgeruht aus.", begrüßte mich Yasmine schief grinsend.
Ich setzte mich müde neben sie. „Vielen Dank auch."
Sie hob ihre Hände. „Ich sage nur das, was ich sehe."
Ich seufzte. Und sie hatte recht. Ich hatte versucht die Augenringe noch mit Make-Up zu vettuschen, aber ich bin auch nur ein Mensch. Ich hatte vielleicht zwei oder drei Stunden geschlafen. Ich konnte meine Gedanken nicht stoppen. Die halbe Nacht habe ich mir selbst vorwürfe gemacht, dass ich jetzt wieder alle – außer eine Person – anlügen würde. Vorallem die Jungs hatten ein Recht darauf, zu erfahren wie Ricky früher war. Und jetzt saß ich hier und hatte noch immer keine Ahnung was ich machen sollte.
„Es war eine kurze Nacht."
„Was ist los?", fragte sie sofort besorgt.
„Ich habe nur schelcht geschlafen. Alles gut."
Skeptisch zog Yasmine eine Augenbraue nach oben. „Okay.", murmele sie nur. Dabei wusste sie genau das etwas nicht stimmte. Sollte ich wirklich schon wieder alle belügen?
Es war eine Stille Unterrichtsstunde. Yasmine und ich sprachen kein Wort miteinander. Nach der Stunde lief sie dann auch schnellen Schrittes davon und ich sah ihr frustiert hinterher. Eine Hand legte sich auf meine Tallie. Ich zuckte zusammen, drehte den Kopf und blickte Daniel an.
„Was ist denn mit ihr?", fragte er.
Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Zuckte bloß mit den Schultern. Seine Lippen berührten meine Wange.
„Sie kriegt sich schon wieder ein. Egal was zwischen euch ist.", flüsterte er beruhigend.
Ich brachte ein lächeln zustande, nickte, packte meine Sachen zusamen und lief mit Daniel zu unserem nächsten Unterrichtszimmer. Yasmine saß allerdings noch nicht wie erwartet auf ihrem Platz. Wo war sie hingegangen?
Yasmine P.O.V.
Ich biss mir auf meiner Lippe herum, während ich durch das Schulhaus lief. Ich wollte das eigentlich nicht. Ich war noch nie in irgendeiner Hinsicht ein Petze. Aber hier ging es um mehr. Nach der Sache mit Ricky durfte sie sich jetzt nicht wieder so verschließen.
Ich bog in einen der Gänge ein.
Die ganze letzte Unterrichtsstunde hatte ich mich gefragt, was mit ihr los ist. Hatte mir neue Drohungen von Ricky ausgemalt. Irgendetwas war mit ihr. Irgendetwas, was sie die ganze Nacht nicht schlafen lässt.
Ich blieb vor der Tür stehen, schielte hinein. Ricky war nicht zu sehen. Jonas stand mit seinen Jungs an einem der Tische. Ich warf einen Flüchtigen Blick auf die anderen Schüler im Raum. Es war immer ein blödes Gefühl in eine Oberstufenklasse hineinzumaschieren. Aber ich musste mit Jonas darüber reden. Ich wollte wissen was los war und Jane helfen. Es durfte nicht wieder so weit kommen, wie zuletzt. Ich trat also in das Zimmer, lief geradewegs auf Jonas zu. Dieser bemerkte mich auch ziemlich schnell. Er wirkte verwirrt. Leicht alarmiert würde ich sagen.
„Ich muss mit dir reden.", sagte ich schließlich.
Er nickte, folgte mir wieder nach draußen auf den Gang.
„Was ist los? Irgendwas mit Jane?"
Ich atmete tief ein. „Ich habe das Gefühl das sie irgendwas bedrückt."
Leicht krauste seine Stirn zusammen.
„Sie war anscheinend die ganze Nacht wach gewe... warte, wa-was ist denn mit deinem Auge?" Ein leichter lilaner Schimmer lag um sein rechtes Auge.
Er brachte ein zerknirschtes Lächeln zustande. „Bin in eine Schlägerei geraten. Ist jetzt auch egal.", winkte er ab.
Ich zögerte, denn mir schien die Sache nicht egal zu sein. Aber wahrscheinlich wollte er auch einfach nicht mit mir darüber reden. Verständlich. Eigentlich kannten wir uns nur über Jane.
„Ehm... also, ich mach mir sorgen, dass Ricky wieder etwas damit zu tun hat. Hat sie dir denn irgendwas gesagt?"
Jonas schüttelte seinen Kopf. Seine blonden Haarspitzen wackelten. „Ich habe gemerkt, dass sie heute früh vollkommen Fertig war. Aber sie meinte, sie hätte einfach schelcht geschalfen."
„Und davon lässt du dich abwimmeln?" Ich unterdrückte ein Augenverdrehen. „Ich weiß das irgendwas faul ist. Mädchen spühren so etwas. Aber sie Lügt uns wieder alle an."
Seine Hand fuhr durch seine Haare, er atmete geräuchvoll die Luft aus. „Aber wann soll denn irgendwas passiert sein?"
„Am Wochenende?", meinte ich schulterzuckend.
Eine Augenbraue schoss in die Höhe. „Da war sie doch bie dir."
„Was?!"
Jane P.O.V. zeitgleich
„Ich werde sie mal suchen.", murmelte ich zu Daniel.
„Soll ich mitkommen?"
Ich schüttelte den Kopf, lächelte und flüchtete aus dem Raum. Ich wollte nicht das sie sauer auf mich war. Ich konnte es eifnach nicht ertragen. Wo war sie hingegangen? Was wenn Ricky wieder irgendeinen Mist gemacht hatte? Obwohl er mir versprochen hatte sie in Ruhe zu lassen, dafür das ich dieses Wochenende bei ihm war. Aber ob er sich daran hält?
Ich lief durch die Gänge, immerwieder nach rechts und links schauend. Bis mir jemand entgegen kam. Die schwarzen Haare heute nicht ganz so gestylt wie sonst. Die Schritte waren schnell. Und er steuerte direkt auf mich zu. Ich schluckte. Überlegte noch ob ich wegrennen sollte, als seine Hand mich am Arm packte und in das erstbeste leere Klassenzimmer zog. Die Tür viel hinter uns ins Schloss. Ich entriss Ricky meinen Arm und sah ihn abwartend an.
„Was ist mit den Jungs passiert?", fragte er.
Ich blinzelte perplex. „Ehm. Was?"
Er verdrehte genervt die Augen. „Wieso sehen sie alle so aus, als hätten sie ein paar verbotene Straßenkämpfe verloren?!"
Jonas blaues Auge. Wie schlimm war es bei den anderen? „Kannst du sie das nicht selber fragen?", schoss ich zurück.
Ricky's Blick viel auf den Boden. Es schien ihm peinlich zu sein. „Sie reden nicht mit mir."
Natürlich.
Ich musterte Ricky. Er sah... besorgt aus. Ihn machte es anscheinend wirklich mehr zu schaffen, als er vorgab, dass er von den Jungs getrennt wurde. Ich wandte den Blick ab unschlüssig ob ich es ihm erzählen sollte. Aber ich musste es einfach tun. Immerhin war er schuld daran.
„Sie wurden von irgendwelchen Typen verprügelt. Sie hatten deinen Namen aufgschnappt und sind dann auf die drei losgegangen. Sie meinte, die Jungs sollten dir ausrichten, dass du dich nicht mehr mit ihnen anlegen sollte. Dass du es sonst bitter bereuen würdest.", erzählte ich, schielte zu Ricky.
Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich sah ihn abwartend an. Dann drehte er sich zur Wand und schlug hart mit seiner Faust dagegen. Ich zuckte zusammen.
„Verdammt!", fluchte Ricky.
„Wer waren die?", fragte ich vorsichtig. Neugierig.
„Das geht dich nichts an.", murmelte er leise.
Ich biss mir auf die Lippe. „Ich denke schon, immerhin wurde deswegen mein Bruder verprügelt."
Ricky drehte sich herum. Machte ein paar Schritte auf mich zu. Sein Gesicht verschlossener als je zuvor. Eigentlich wollte ich zurückweichen, doch es ging einfach nicht. Ich konnte ihn nur anstarren.
„Ich habe scheiße gebaut, okay. Das mache ich in letzter Zeit wohl öfters. Aber du solltest dich verdammt nochmal nicht in meine Angelegenheiten einmischen.", zischte er. Hallo? Er kam zu mir, nicht ich zu ihm! „Genauso wie die Jungs.", fügte er leiser hinzu. Drehte sich schließlich herum und lief aus dem Zimmer.
Perplex sah ich auf die geschossene Tür und seufzte schließlich.
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Jonas - neues Leben (Pausiert)
Teen FictionWas passiert wenn sich mit einem Schlag alles verändert? Wenn ein Flugzeugabsturz alles bis her bestehende durcheinander würfelt? Für Jane beginnt ein neues Leben. Sie lernt plötzlich ihren Halbbruder kennen und als wäre das nicht schon genug muss s...