Eine Frau strahlte uns entgegen. Sie hatte erstaunlich langes schwarzes Haar und wäre ich Filmprouzent hätte sie die Hauptrolle im nächsten Schneewitchenfilm bekommen. Obwohl sie bestimmt schon über Vierzig war, sah sie noch immer erstaunlich Jung aus.
„Ricardo, schön dich wieder hier zu haben.", begrüßte sie den Jungen eben mir. Stimmt ja, sein echter Name war Ricardo... Aprubt löste sich dieser von mir als er von seiner Mutter in eine kurze Umarmung gezogen wurde. Dann streckte sie ihre Hand zu mir aus.
„Und du musst Jane sein.", lächelte sie.
Ihr lächeln war so freundlich, dass ich mein eigenes übehraupt nicht spielen musste. Ich nickte. „Genau die bin ich."
Wir schüttelten uns die Hände.
„Nenne mich Marion."
Ich nickte verstehend. Und dann wurden wir in das Haus geleitet. Es war klein. Familiär. Häuslich. Niedlich. Kein Haus welches ich mit Ricky in verbindung gebracht hätte.
Marion wollte gerade ihren Mund öffnen um etwas zu sagen als ein lauter Ruf ertönte.
„Rickyyy!"
Ein kleines Mädchen kam die Treppen herunter gerannt. Lief direkt auf Ricky zu, welcher sich hin hockte und sie nach oben wirbelte, sobald sie ihn erreicht hatte. Ein breites warmes lächeln lag auf seinen Lippen, als ihr lautes Kinderlachen den Flur erfüllte. Dieses Bild war so absurd für mich. Ricky war so liebevoll. Wieso war er sonst immer so anders? Verstellte er sich gerade? Oder war das seine wahre Natur?
Das kleine - natürlich auch schwarzhaarige - Mädchen klammerte ihre Hände um Rickys Hals, als dieser aufhörte sie im Kreis zu drehen und seine Arme wie einen Sitz unter ihr hielt.
„Na kleine.", grinste er sie an.
„Ich habe dich vermisst!", meinte das Mädchen leicht vorwurfsvoll.
„Ich weiß, kleine. Jetzt bin ich ja da." Sein Kopf drehte sich zu mir. „Und ich habe jemanden mitgebracht." Er ließ die Kleine wieder herunter und lief zu mir.
„Lea das ist Jane. Jane das ist meine kleine Schwester Lea."
Ich lächelte, reichte ihr meine Hand. Ihr kleinen Finger umfassten meine. Mit einem ‚Hallo' begrüßten wir uns gegenseitig. Dann ließ Lea wieder meine Hand los und lief plötlzich wieder los.
„Ricky! Mama hat extra unser Lieblingsessen gemacht! Komm komm!" Sie verschwand hinter einer Tür.
Marion lächelte uns zu. „Wir haben mit dem Essen auf euch gewartet.", erklärte sie. Eine warme Hand welche sich um meine legte, zog mich auf die Tür zu, durch die Rickys Schwester gelaufen war. Neben mir war natürlich kein anderer als Ricky selbst. Er führte mich zu einem Tisch, wir setzten uns nebeneinander. Auf den Tisch wurde ein Topf mit Spaghetti Gestellt. Auch Rickys Mutter tauchte nun in der Küche auf
Kurz darauf saßen wir alle mit vollen Tellern am Tisch und wünschten uns einen Guten Appetit. Diese Situation war so absurd. Was machte ich hier überhaupt?
„Also. Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?", beendete Marion das Schweigen.
„In der Schule. Es hat eine Weile gedauert, aber insgeheim wollten wir beide schon immer etwas voneinander.", antwortete Ricky und lächelte mich an. Es sah so echt aus. So verliebt. Ja, wir wollten beide was voneinander. Er das Geld für seine Drogen. Ich ihn mit einem roten Handabdruck im Gesicht.
„Dann habt ihr euch ja gesucht und gefunden, was?", lächelte Marion.
Ich nickte nur. Währendes restlichen Essens wurden weitere Fragen gestellt. Die meisten beantwortete Ricky. Andere welche direkt an mich gestellt wurden, durfte ich beantworten. Was ich für meine Zukunft geplant hätte und so weiter. Als die Frage kam ob ich Geschwister hätte, dachte ich daran wie enttäuscht Jonas sein würde, wenn er von dem ganzen erfährt. Dennoch gab es verrückte Momente in denen ich mich wohl fühlte. In dieser Familie, in die ich gar nicht reingehörte. Die ich belog. Dem Jungen, vor dem ich eigentlich Angst haben müsste und die pure Wut verspühren sollte sobald ich ihn sah. Aber Ricky war einfach vollkommen ausgewechselt. Das Hemd, das glückliche Lachen, der warme Blick.
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Jonas - neues Leben (Pausiert)
Ficção AdolescenteWas passiert wenn sich mit einem Schlag alles verändert? Wenn ein Flugzeugabsturz alles bis her bestehende durcheinander würfelt? Für Jane beginnt ein neues Leben. Sie lernt plötzlich ihren Halbbruder kennen und als wäre das nicht schon genug muss s...