Frage und Antwort

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Nachdenklich öffnete ich den Reisverschluss der Tasche und räumte meine Sachen in den Schrank. Ich stellte meinen Computer auf den Schrebtisch. Er war für mich extrem wichtig, ich bin kein Junkie oder so, aber an dem Laptop schrieb ich seit ich dreizehn war mein Tagebuch. Wieso ich nicht in ein richtiges Buch schrieb? Erstens: meine Handschrift war kaum zu lesen, wenn ich älter wäre könnte ich es selbst nicht mehr erkennen. Und zweitens: Ich konnte am Rechner viel schneller und leichter schreiben. Dann legte ich noch mein Ladekabel auf einen kleinen Nachttisch. Mehr hatte ich nicht mitgenommen. Meine Schulsachen auch nicht. Ich würde mit auf Jonas´s Schule gehen. Er würde dieses Jahr seinen Abschluss machen. Ich war sechszehn. In zwei Wochen siebzehn und würde eine Klassenstufe unter ihm sein. Eigentlich wollte ich die Schule nicht wechseln. Doch es war einfach besser so. Jonas wohnte näher an dieser Schule und er wäre in meiner nähe. Könnte mich in die Schule fahren und wieder abholen. Caro war davon natürlich auch nicht begeistert, aber sie hatte einfach alles dafür getan, dass es mir in der letzten Woche gut ging. Jedenfalls so gut wie möglich. Oft hat sie bei mir übernachtet, oder ich bei ihr, weil es Zuhause so still war. Ich holte mein handy aus der Hostentasche um zu sehen, ob ich Nachrichten hatte. Und tatsächlich hatte mir Caro geschreiben.

Caro: Wie ist er?

Ich grinste. Neugierige Caro…

Jane: Nett. Hatte noch nicht viel Zeit mich mit ihm zu unterhalten. Ist aber mein HALB Bruder. Sein Dad ist verschwunden. Komische geschichte. Du hast doch gerade Unterricht!? :D Lass dich nicht erwischen. Ich ruf dich heute Abend an ;*

Ich wartete noch kurz auf ihre Antwort

Caro: Okay, bis heute Abend :* PS: Ist doch nur Mathe mit Fischer :/

Ich sperrte den Bildschirm wieder und verließ ‚mein‘ Zimmer. Es war so verdammt groß hier. Ob ich mich jemals heimisch fühlen konnte? Wir hatten zwar auch ein Haus, aber da war es klein und gemütlich. Hier ist es zwar uach gemütlich. Aber groß, modern. Ich legte mein Hand auf das glatte Geländer und stieg die Treppe nach unten. Dann folgte ich einfach dem Geruch von… Hackfleisch? Ich öffnete eine Tür und sah Jonas vor dem Herd stehen. Er rührte in einer Pfanne mit Hackfleisch herum. Als ich den Raum betrat sah er auf. Ich lächelte leicht und setzte mich an einen großen Tisch.

„Schmeckt dir Lasagne?“, fragte er.

„Ja, klar.“ Wir schwiegen wieder und ich musste feststellen das hier eine genauso laut tickende Uhr hing wie wir hatten. Ich beobachtete wir er die Hackfleischsoße in eine Form goß und immer die Nudelplatten dazwischen legte. Dann schob er das ganze in den Ofen und drehte sich dann zu mir um. Er lehnte sich gegen die Theke und wir sahen uns schweigend an.

„Das mit dem Absturz tut mir leid.“, begann er. Ich nickte und schluckte. „Die nächsten Tage werden für uns beide bestimmt ziemlich verwirrend. Ich will das du weißt das ich für dich da bin. Auch wenn wir uns erst jetzt kennenlernen. Es tut mir leid das ich nicht eher für dich da war, aber das ging nunmal nicht. Und ich bin der Meinung wir sollten uns kennenlernen. Wir sind sozusagen die einzigen die noch da sind und ja… was hältst du von ‚Frage und Antwort‘?“

„Äh… was?“ Ich lächelte schief.

„Das ist sowas wie ein Spiel. Wir stellen uns gegenseitig fragen und müssen antworten.“ Er setzte sich jetzt mir gegenüber auf den Stuhl.

„Okay. Wer fängt an?“

„Ich. Du wirst in zwei Wochen siebzehn, stimmts?“

„Ja. Was willst du nach der Schule machen?“

„Ich werde bei einem Freund anfangen, er betreibt eine kleine Firma die Videos oder kleine Filme zusammenschneidet und in dieser Sache beratet. Was sind deine Hobbys?“

Jonas - neues Leben (Pausiert)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt