„Was zum..?!"
Ich musste meine Augen nicht öffnen um zu wissen das Kia meine Wunden mit entsetztem Blick musterte. Ich hatte sie gebeten mir die Decke nicht zu entreißen, hatte sie gebeten einfach einen Augenblick lang zu warten und selber schon einmal in das Badezimmer zu gehen. Doch das Mädchen hatte sich nicht umstimmen lassen. Mit einem entschuldigenden Lächeln hob ich meine Augenlieder.
„Ach das. Es ist nichts. Wirklich nicht."
Noch eine ganze Weile war ich auf der Wiese geblieben, wartend bis die Wunden nicht mehr Bluteten. Erst dann konnte ich mehr als drei Meter laufen, doch als ich am Wohnheim ankam waren bereits alle Lichter erloschen. Klamm heimlich hatte ich mich in mein Zimmer begeben und mich unter die Bettdecke verkrochen. Kein Verarzten. Kein Schlafanzug. Nicht einmal eine warme Dusche. Mein Blick blieb auf dem Wecker hängen und am liebsten hätte ich gestöhnt als ich erkannte das es erst Sechs Uhr am Morgen war.
„Nichts? Du siehst aus als hätte dich jemand verprügelt!", knurrte sie aufgebracht. Ich lächelte, wagte aber nicht sie anzusehen weil ich wusste dass meine Gleichgültigkeit sie verletzte.
„Na so ungefähr war das ja auch. Cain war der Meinung ich hätte seine Autorität untergraben.", erklärte ich kurz angebunden. Doch Kia lehnte sich zu mir nach unten und sichte den Blick kontakt. Als ich ihr diesen gewährte, sprach sie langsam und deutlich, wie als wolle sie einem verängstigten Kind genau erklären was es nun tun musste: „Du musst Nathan davon erzählen wenn er wieder da ist. Er hat seinem kleinen Bruder schon immer die Leviten gelesen."
„Kia... Ich bin keine Petze. Mal abgesehen davon dass er mich dann erst recht umbringt. Er... Hat wohl nicht viel für unseren Alpha übrig."
„Das Besprechen wir ein anderes Mal! Komm, ab unter die Dusche! Und dann verarzten wir dich. Desinfizieren und Verbinden – wusstest du das ich später Medizin studieren will?", meine Zimmergenossen zerrte mich sanft, aber Bestimmt, aus meinem Bett und scheuchte mich unter die Dusche. Das Wasser tat meiner geschundenen Haut gut, reizte aber auch all die empfindlichen stellen. Einige stellen der Wunden begannen auf zu reißen und zu bluten, doch das gröbste hielt.
Gerade als ich mich abtrocknete, schlenderte Kia mit dem erste Hilfe Kasten herbei. Ich Lächelte, konnte die Situation von Gestern aber nicht vergessen. Waren meine Freunde wirklich nur so lange mit mir Befreundet, bis ein Delta in ihrer Nähe war? Waren auch sie mehr tierisch als menschlich? Ich musterte die Blondhaarige. Eben hatte sie mir erzählt wie die Pläne für ihre Zukunft aussahen und ehrlich gesagt, hatte das verdammt menschlich gewirkt.
Außerhalb des Badezimmers vernahm ich das öffnen unserer Zimmertür, gefolgt von einem lauten »Guten Morgen meine Mädels!« das nur von Dan stammen konnte.
„Nicht rein kommen, Leiha ist Nackt!", schrie meine neue Freundin. Ich kicherte, zuckte dann aber zusammen und biss mir kräftig auf die Unterlippe als das Desinfektionsmittel auf die Wunden stellen trag. Am liebsten hätte ich geschrien und um mich geschlagen. Doch ich begnügte mich mit einem leisen zischen und einer verkrampften Haltung.
„Jaja! Beeil dich, Leiha. Oder hat unser Schülersprecher dir doch noch gesagt in welche Klasse du musst? Ich weiß nicht wie voll es im Sekretariat sein wird."
Ich hatte beinahe vergessen das Dan mich zu meiner Klasse bringen wollte.
„Warte.", sprach Kia leise: „Bevor du dich Fertig machst... Wie ist das passiert?" Ihre Stimme klang ernst und tonlos. Ich wusste nicht was sie meint, immerhin hatte ich ihr erzählt wer mir das Angetan hatte und aus welchem Grund diese Person es getan hat. Vielleicht wollte sie nähere Informationen. Schulterzuckend, ein Fehler wie ich feststellte als sich der Schmerz wieder bemerkbar machte, begann ich zu sprechen.
„Wir haben über Geschwister gesprochen. Irgendwie. Er hat sehr schlecht über unseren Alpha geredet und mir erklärt dass er ihm am liebsten die Kehle durchbeißen würde. Da ich selbst einen Bruder hatte, hab ich ihm die Meinung gegaukelt."
Kia sah mich an wie ein exotisches Tier das gerade die Farbe gewechselt hatte. Ich wandte meinen Blick ab, stand auf und zog mich meine Kleidung an während meine Freundin mich stumm dabei beobachtete. Erst kurz bevor ich fertig war antwortete sie.
„Das ist eine ganz schöne Leistung für einen Omega.", und obwohl die Worte etwas Abfälliges hatten Lachte ich und erwiderte: „Schon! Aber ich bin doch auch zur Hälfte ein Mensch. Und als Mensch bin ich sehr Charakterstark!"
Ich riss die Badezimmer Tür auf, band mir nebenbei die noch leicht feuchten Haare hoch und begrüßte Dan indem ich ihn auslachte. Sicher keine sehr erfreuliche Art, doch die gemalten Augenbrauen über seinen Richtigen und die angedeuteten Mundwinkel, sahen einfach so bescheuert aus das ich nicht anders konnte als darüber zu Lachen.
„Ey, das ist uncool! Das war mein Zimmergenosse... Es ist Wasserfester- Na hörst du wohl auf zu lachen!", doch er tat es selbst. Dann klopfte der Clown an die Badezimmer Tür und rief gut gelaunt:" Wir treffen uns in der Pause! Es gibt heute Rindersteak in der Mensa!"
Vom inneren des Raumes war ein aufgeregtes Quieken zu hören wie Mädchen es sonst nur abgaben wenn sie neue Klamotten, Schminke oder in meinem Fall Bücher bekamen. Oder den Gutschein für einen Führerschein zum 18 Geburtstag.
„Komm, beeilen wir uns."
Ich folgte Dan artig hinaus aus dem Zimmer, nicht ohne vorher nach meiner von Kia gepackten Schultasche zu greifen. Während ich mich Geduscht hatte, war sie so freundlich gewesen mir zwei Blöcke, meine Federtasche und ein paar andere Kleinigkeiten einzupacken.
Als wir den Hof betraten, liefen nur wenige Schüler herum, einige halb nackt, nur bekleidet mit einem Umhang oder einem zu großen T-Shirt. Die Haare wild, der Ausdruck in ihren Gesichtern dennoch ausgeruht.
„Einige hier an der Schule ziehen es vor im Wald zu schlafen in ihrer Ursprünglichen Gestalt.", Dan zuckte mit den Schultern: „Da das hier Privates Grundbesitz ist dürfen sie es auch."
Er führte mich weiter den Weg entlang, grüßte hier und da einen Schulkameraden und tauschte kleine Albereien aus. Ich lächelte immer nur, nickte hier und da schüchtern und rückte immer dichte an die einzige Person die mir neben Kia hier ein wenig Vertraut war.
Als wir einige Minuten später vor dem Hauptgebäude hielten, wurde mir ein weiteres Mal klar wie groß die Schule doch war. Doch das musste sie auch sein, da etwa 30% aller Werwölfe nach längerer Anwesenheit in einem Gebäude Platzangst bekamen. Ich gehörte Glücklicherweise nicht zu diesen Wesen – Dans Blick hingegen verriet mir etwas Anderes.
„Hast du Platzangst?", fragte ich ihn vorsichtig.
Er Antwortete nicht Wörtlich, sah mich kurz an und zuckte dann mit den Schultern ehe er vorsichtig nickte. Ob es ihm nun peinlich war, oder ob hinter dieser Angst mehr steckte wusste ich nicht zu sagen.
Das Sekretariat lag in einem der oberen Etagen, Fünf von Fünf. Mein Gesicht hellte sich auf als ich Mrs.Heaven dort sitzen sah, konzentriert am Computer arbeitend. Sie schien meinen Blick bemerkt zu haben, da ich Kopf sich prompt hob als wir den Raum betraten. Die Falten um ihre Augen zuckte freudig als sie ältere Dame lächelte.
„Leiha! Wie schön dich wieder zu sehen. Tut mir immer noch furchtbar Leid dass ich dich einfach so an Cain abgeladen hab. Ich hoffe du bist mir nicht böse. Ich bin dir sehr verbunden dafür das du sie her geführt hast, Dan. Sonst hätte ich selbst gleich noch Mal los gemusst! Immerhin liegt es an mir den neuen Schülern zu erklären wo sie sich einfinden müssen. Ach Gottchen! Ich bin im Moment so überfordert. Mr.Lued ist andauernd Beschäftigt. Wusstet ihr das Mr.McRoad her kommt? Für seinen Besuch muss alles vorbereitet sein. Aber ich rede zu viel."
Und das wirklich ohne Punkt und Komma wie mir schien. Und offenbar auch Dan, der sich ein Lachen verkniff.
„Nicht der Rede wert. Wir wollten uns erkundigen in-"
„In welche Klasse ich muss.", beendete ich den Satz. Irgendwie missfiel es mir wenn ein Freund für mich sprach, wo ich doch sehr wohl eigene Lungen besaß.
„Aber selbstverständlich. Warte, wir schauen gleich im Computer nach..."
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Omega: Academy of the Pack
WerewolfDas Omega, ist das schwächte Glied im Rudel. Es wird herablassend behandelt und spielt den Sündenbock für all seine Gefährten - Doch im Gegensatz zu einem Wolf, ist ein Werwolf immer auch zum Teil menschlich. In einer Zeit in der die Gestaltwandler...
