Kapitel 5

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Ich rückte ein Stück weg von dem Rothaarigen, starrte vor mich auf den Tisch und lauschte der Unterhaltung zwischen Ryze und einem der anderen Wölfe.

„Ich bin mir nicht Sicher – Das Schulkomitee wollte Cain noch einmal Fragen. Du... könntest ihn doch Fragen wenn er sich wieder hin setzt?", fragte der Werwolf dessen Namen ich nicht kannte und versuchte in einer friedlichen Geste und leicht gesenktem Kopf, unschuldig zu Lächeln. Trotzdem erntete er ein knurren seitens des Deltas.

„Wieso hab ich dich beauftragt das mit der Kursfahrt dem Komitee zu unterbreiten wenn du mir dann doch sagst das ich selbst wieder Mal alles Regeln muss? Bist du zu überhaupt irgendetwas zu gebrauchen?!", Ryze wurde lauter, hatte die Augen zu schlitzen verengt und starrte den Anderen so lange in Grund und Boden bis dieser seinen Blick senkte. Ich verstand weshalb er nicht wagte zu antworten und auch kein anderer am Tisch sich einmischte. Die Stimmung war bedrückend und in meinem unwohl sein wackelte ich ungeduldig auf meinem Stuhl herum.

Ryze Aufmerksamkeit Richtete sich auf mich, sein Blick war Nachdenklich und nicht im Geringsten Nett als er mit freundlichem Ton zu mir Sprach: „Aber unser Schülersprecher hat irgendetwas für die Kleine hier übrig... wie wär es – Würdest du ihn Fragen ob er die Kursfahrt dieses Jahr genehmigt? Ich wäre dir auch sehr Dankbar.", nur hörte es sich aus einem nicht definierbaren Grund weniger wie eine Bitte an als eher wie ein Befehl, eine indirekte Drohung es zu bereuen wenn ich es nicht tat.

Ich schluckte, kam aber nicht dazu zu Antworten da sich Cain in diesem Moment auch schon wieder an den Tisch setzte. Halbherzig schob er mir eine Schüssel Salat zu, während er selbst den Teller voll Fleisch fixierte den er sich genommen hatte. Auch mir lief das Wasser im Mund zusammen als ich sein Essen fixierte.

„Ich wusste nicht was du normalerweise isst, aber Salat schadet deiner Figur nicht. Ganz im Gegenteil, ich glaube das war eine ganz gute Idee von mir."

„Willst du mir gerade sagen ich bin dick?!", knurrte ich leise, mehr von meinen Menschlichen Empfindungen übermannt als von denen des Wolfes, des Omegas, der ich war.

Auch Cain knurrte, nicht belustigt darüber das ich ihn herausforderte. Und so lieferten wir uns ein Blickduell den ich nicht einfach abbrechen wollte, auch wenn alles in mir schrie es zu tun.

„Und wenn es so ist? Wirst du dann mehr tun als nur die Stimme gegen mich zu erheben?", seine Stimme war leise, gefährlich und ich hörte einen Hauch von Vorfreude – Freute er sich gegen mich zu Kämpfen? Amüsierte ihn der Gedanke mich Verlieren zu sehen? Ich wusste es besser, mein Wolf wusste es besser, also gab ich zuerst nach, senkte den Blick wandte mich meinem Salat zu.

„Ich glaube mir ist gerade der Hunger vergangen.", ich schob die kleine Schüssel von mich, erreichte aber nur das Cain mich am Nacken packte und hinunter auf den Tisch drückte. Ich verkrampfte mich, zischte leise und fiepte schließlich schmerzerfüllt. Der Schülersprecher selbst Lächelte, beugte sich nur ein wenig zu mir hinunter und sprach mit vollkommen gefasster Stimme, in einer Tonlage als würde er mit einem Welpen reden.

„Leiha, es ist nicht nett so undankbar zu sein. Ich bin aufgestanden, hab dir etwas zu Essen geholt und es dir an den Platz getragen. Ich weiß dass das hier dein erster Tag ist... also pass auf das du keinen schlechten Eindruck hinterlässt. Wenn man dir etwas zu Essen anbietet isst du es auch, oder willst du gefüttert werden, Hm?"

Ich versuchte mich aus dem Griff zu winden und mich seiner Hand zu entziehen, doch es war als würde ich versuchen mich gegen einen Riesen zur Wehr zu setzten, weshalb ich letzten Endes liegen blieb und ein leises »ok« murmelte.

Kaum das der Schülersprecher mich los ließ, setzte ich mich wieder auf und fuhr mir durch die zerzausten Haare. Die meisten Strähnen waren aus meinem Zopf gefallen, doch ich machte das Beste draus. Die belustigten Blicke der anderen Werwölfe am Tisch ignorierend, griff ich nach der Salatschale und schaufelte mir dessen Inhalt Lustlos in den Mund. Es schmeckte frisch, knackig und kalt – doch meinen Geschmack traf es einfach nicht. Ich liebte den Geschmack von Fleisch, gehörte zu den Wölfen die lieber rohe Beute aßen als menschliches Essen. Der Tarnung willen tat ich es dennoch oft genug aber... Ich hatte gehofft hier vielleicht öfters an etwas Frisches zu Essen zu bekommen.

Einige Minuten später, mit fast leerer Schüssel, wandte ich mich erneut an den Silberäugigen.

„Muss ich aufessen?", ich hatte wirklich kein Appetite mehr.

„Nein.", ach wie Gnädig...

„Dann geh ich auf mein Zim-"

„Nein", unterbrach mich Cain forsch noch ehe ich hatte aussprechen können. Mein Blick legte sich auf ihn, ich beobachtete wie er sich ein Stück des Fleisches in den Mund schob und genüsslich darauf herum kaute. Mein Entschluss stand fest – ich konnte ihn nicht ausstehen und würde schauen das ich mich von so einem dominanten, herrischen Delta fern hielt.

„Cain, wie sieht es mir der Fahrt nach Canada aus? Hast du dein Ok gegeben?", der Werwolf den Ryze zuvor angemeckert hatte meldete sich nun zögernd zu Wort. Er sah den Schülersprecher nicht an, ließ es eher wie eine nebensächliche Frage klingen. Und genauso Antwortete der Angesprochene dann auch: „Nein, hab ich nicht. In New Orleans befindet sich im Augenblick ein anderes Rudel... Das ist nur wenige Staaten entfernt. Nathan würde es nicht erlauben, also schlag ich es Jester gar nicht erst vor."

„Jester?", fragte ich leise.

„Mr.Lued unser Direktor.", antwortete der Rothaarige zu meiner Linken. Ich nickte kurz angebunden und sah wieder auf den Platz vor mich, mir die Blicke von Ryze bewusst der unbedingt wissen wollte wie Cain reagierte wenn ich ihn Fragte. Ich holte leise, aber tief, Luft und hasste mich dafür die Panik meines Wölfischen Instinktes zu ignorieren.

„Du bist der Bruder unseres Alphas. Denkst du nicht er wird zwei Mal nachdenken bevor er nein sagt wenn du es doch deinen Freunden gönnen willst?", fragte ich leise.

Stille breitete sich über den Tisch aus und ich wurde das Gefühl nicht los eine unsichtbare Grenze übertreten zu haben. Nervös leckte ich mir über die trockene Unterlippe und versuchte auf meinem Stuhl zu verschwinden – was mir nicht vergönnt wurde.

„wie bitte?!", Cains Stimme war nicht mehr als ein aggressives, wütendes zischen. Ich zuckte zusammen, hob den Blick und hielt abwehrend die Hände vor meine Brust.

„A-Also... I-Ich meine Kursfahrten sind doch etwas Tolles! U-und nur weil ein paar Staaten weiter-"

„Klappe!", sofort schwieg ich: „Ich weiß nicht wer dir erzählt hat das Nathan mein Bruder ist, aber dieser Jemand hätte gut daran getan dich darüber zu informieren das ich unseren Alpha hasse! Er hätte dir sagen sollen dass ich nur auf die Gelegenheit warte ihn von seinem hohen Ross herunter zu zerren und ihm meine Zähne in seinen Nacken-"

„Er ist dein Bruder!", schrie ich dazwischen. Er war immer lauter geworden.

„Was es nur noch schlimmer macht!", schrie er zurück, seine Augen waren nun so intensiv Silber das ich befürchtete er würde sich jeden Augenblick verwandeln – doch mir selbst ging es nicht besser. Meine blauen Augen waren von einem so strahlenden Farbton das ich schon die verbesserte Sehkraft bemerkte. Doch mein Herz raste, ich hatte Angst mich mit einem Delta anzulegen – hatte Angst zu Recht gewiesen zu werden. Andererseits wurde ich mir meines eigenen Bruders bewusst. Lucian war tot. Aber er hatte mich geliebt – und ich ihn. Mehr als Geschwister sich lieben sollten. Die Tränen schossen mir in die Augen, doch mein Gegenüber wirkte unbeeindruckt.

„Man wünscht seinem Bruder nicht den tot!"

„Na und? Brüder kommandieren einander auch nicht herum!", antwortete Cain wieder etwas ruhiger, immer noch knurrend. Der Raum war in Schweigen gehüllt, doch ich war immer noch zu überwältigt von meinen Menschlichen Emotionen um auf den Instinkt eines Omegas zu hören.

„...Man stirbt auch nicht einfach und lässt den anderen zurück. Trotzdem liebt man ihn.", flüsterte ich, stand auf und rannte – rannte einfach raus aus der Mensa. Ich hörte wie ein Stuhl gerückt wurde, hörte die Wörter „Respektloses Spielzeug" und machte große Augen als meine Ohren mir verrieten das es der Schülersprecher war der aufgestanden war und mir nun mit sehr verärgerter Stimmung hinterher kam. Trotzdem rannte ich weiter.





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