Kapitel 26

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»Wir hätten ihnen zuhören müssen. Manchmal ist der Schmerz die einzige Realität die uns bleibst, hihihi!« die Stimme flüsterte mir leise zu, lullte mich ein wie ein weiches, warmes Bett. Wie Kissen aus Federn, Bettzeug aus Samt und Seide. Ich schloss meine Augen und zählte leise bis zehn, ehe ich noch einmal versuchte mit meiner Hand eine Faust zu ballen.
Dieses Mal spürte ich die Bewegung, spürte wie meine Nägel sich in das Fleisch meiner Handfläche bohrten. Ich hatte eben einen Schritt aus der Aula gemacht, musste mich jedoch prompt an der Wand abstützen. Aus einem mir unerfindlichem Grund fühlte ich mich Müde und Schwächlich. Vielleicht waren die Informationen zu viel auf einmal gewesen.

»Du musst dem Schmerz nicht verfallen. Du kannst ihn mir Überlassen, wenn es dein Wunsch ist!« Ich schüttelte den Kopf und zwang die Stimme zu schweigen. Sie fühlte sich immer noch präsent, als wäre sie überall in meinem Kopf, würde mein ganzes Sein erfüllen. Ich wusste dass ich mit Jemanden darüber sprechen musste, dass die Bilder der Vollmondnacht nicht eingebildet waren. Doch ich wollte auch nicht noch schwächer da stehen als ich es ohnehin war. Cain hatte mir eben erst Erklärt wie Attraktiv meine Naivität mich machte... »Aber du bist ein Omega!« lachte die Stimme spöttisch.

„Ich bin zur Hälfte Mensch...", flüsterte ich: „Und als Mensch, bin ich Stark."
Die Stimme verstummte, ich wagte zu behaupten sie zog sich zurück wie die vielen anderen Male als ich sie nicht mehr gespürt hatte. Vorsichtig richtete ich mich wieder gerade auf, fühlte mich als könnte ich es mit der ganzen Welt aufnehmen. Nicht Stark, aber Wütend – Impulsiv. Geladen voll Energie.

„Du hast mir nicht zu widersprechen, Dan!", ich hob den Kopf als ich Ryze Stimme hörte. Leise schlich ich mich ein paar Schritte weiter und spähte um die Ecke. Der Delta hatte Dan an die Wand gepresst, hielt ihn am Hals fest und schnürte ihm beinahe die Luft ab. Ich zuckte zusammen als mein Kumpel einen Schmerzenslaut von sich gab.
„Aber du hast McRoad gehört...", hauchte Dan: „Wir sollen die Gruppenbildungen unterlassen. Aus diesem Grund ist es doch Egal ob ich mit Ivy lache, oder sie so wie du es willst Ignoriere."
„Das hab immer noch ich zu Entscheiden!", Ryze war lauter geworden, drückte noch fester zu. Seine Worte wurden zu einem knurren.
Einem Impuls folgend Trat ich um die Ecke, die Hände in den Taschen meines Bademantels. Es fühlte sich seltsam an immer noch dieses Teil zu tragen, es war dreckig und besonders warm war es in dem Gewand auch nicht, dennoch erhob ich die Stimme: „Ryze, bitte lass Dan einfach in Ruhe."

Der Delta drehte ruckartig seinen Kopf zu mir, seine Augen funkelten vor Wut, waren von einem viel intensiveren gelb als sonst.

„Halt dich da raus, Surhen.", seine Stimme war nicht mehr als ein knurren.
Mein anderes Ich wollte den Kopf einziehen, wollte zu Boden blicken und gehorchen. Doch heute war mir nicht danach den Schwanz einzuziehen. Ich hob das Kinn nach oben und funkelte lediglich zurück: „Bitte lass ihn los."
Zu meinem Erstaunen tat Ryze genau das – Er ließ von Dan ab, kam nun jedoch auf mich zu. Mein Blick streifte meinen Kumpel. Ich war erleichtert ihn Husten zu sehen, gleichzeitig aber auch besorgt weil er auf den Boden rutschte und sich den gewürgten Hals hielt. Als ich wieder zu Ryze sah, hatte mir schon eine verpasst. Ruckartig prallte mein Kopf zur Seite, unpraktischerweise genau gegen die Wand neben mir. Tausende von Sternen tanzten Explosionsartig vor meinen Augen und Übelkeit machte sich in mir breit, doch der Delta war noch nicht fertig mit mir.
Ich realisierte nur langsam das ich auf den Boden gesunken war, nun auf den Knien saß, und mein Gegenüber sich zu mir herab beugte und mich am Haarschopf packte. Sehr fest zog er daran, so dass ich freiwillig, zumindest reflexartig, meinen Nacken frei legte.
„Du magst Cains Schoßhündchen sein, Leiha. Aber das gibt dir noch lange nicht die Befugnis dich in meine Angelegenheiten einzu-"

„Was geht hier vor?", zu meinem Erstaunen unterbrach nicht etwa Cain oder Nathan den Delta. Auch nicht Jester oder ein Lehrer. Aus dem Augenwinkel erkannte ich Ivy, neben ihr stand Kia mit geweiteten Augen.

Ryze schnaubte, ließ mich los und richtete sich auf: „Oh, das Prinzeschen gibt sich mit dem niederen Volk ab. Was willst du, Ivy? Streit? Willst du einen Kampf provozieren? Du willst mich nicht provozieren wenn ich so verdammt miese Laune hab wie jetzt."
„Halt die Luft an, Affe. Du bist nicht der Einzige dem die Bananen geklaut wurden. Aber das berechtigt dich noch lange nicht meine Leute zu disziplinieren!", ich persönlich hatte Ivy bis dato noch nicht wütend erlebt. Ihr Tonfall erschreckte mich also zutiefst. Während sich mein Umfeld aufhörte zu drehen, erkannte sich das sich weitere Gestaltwandler hier sammelten, sowohl Anhänger von Ryze, als auch jene von Ivy. Dass sie mich gerade als eines ihrer Gruppenmitglieder bezeichnet hatte, realisierte ich noch nicht. Es war schon Lustig von drei Gruppen gleichzeitig beansprucht zu werden.
„Affe? Deine Witze waren auch schon einmal besser, Medusa. Sie gehört nicht zu dir. Sie hat nicht einmal mit einen deiner Leute kontakt."

„Das stimmt nicht!", mischte Kia sich ein. Ihre Stimme klang panisch, doch Ivy knurrte sie an. Wahrscheinlich gefiel es ihr nicht wenn jemand sich einmischte ohne dass sie danach verlangte. Während die zwei Fraktionen damit beschäftigt waren sich anzukeifen – Wirklich Kreativ wie ich sagen musste bei Spitznamen wie Affe, Medusa, Troll oder auch Rattenkönigin – bemühte ich mich damit aufzustehen.

„So hast du mich eben nicht genannt!", fauchte Ivy irgendwann als ich wieder zuhörte.
„Und wenn doch? Wird die kleine Biene etwa stechen wollen?", provozierte Ryze.
„Eine Ameise wie dich kann ich jederzeit zerquetschen!"
„Na das wollen wir doch sehen!"

Eins führte zum anderen. Ich würde es ganz klassisch den Schmetterlingseffekt nennen, von dem ich Neuerdings so viel Mitbekam. Meine Entscheidung mich einzumischen hatte Ryze vor einer Pracht Prügel gerettet, aber auch dafür gesorgt das Ivy sich ins Geschehen einmischte. Ivys Entscheidung sich einzumischen, bewirkte eine höhere Provokation von Ryze, was wiederrum zu einem Kampf führte. Jetzt ließe sich darüber streiten ob man die Entscheidungen noch weiter zurück schrauben wollte, doch ich hatte gerade weit größere Probleme als mir darüber Gedanken zu machen.

Schneller als ich es realisieren konnte, stürzten Wölfe sich wie wilde Tiere aufeinander. Ich zählte zehn, Fünf auf jeder Fraktion. Ivy und Ryze waren die größten der Tiere. Sie vielen übereinander her, bissen und kratzten sich. Ich würgte als ich Fleisch reißen hörte, Gejaule und Geheul. Bellen, knurren, das kratzten von Krallen auf der Erde. Malende Kiefer, schnaubende Mäuler, keuchen und scharen.
Ein Teil von mir wollte sich ins Getümmel werfen, wollte seine Gestalt wechseln und einfach nur mitkämpfen des Adrenalins wegen. Der andere Teil wollte so schnell wie möglich die Flucht ergreifen.
Kia und Dan nahmen mir die Entscheidung ab. Beide packten mich an einem Arm und zogen mich um die Ecke. Ich reagierte selbstverständlich sofort, zog nun meinerseits die Beiden mit mir und steuerte auf den Eingang zu.
Als ich die Tür aufriss sahen Nathan, Cain und Jester verblüfft zu mir herüber. Cain war der erste der Reagierte. Seine Nase war sehr Fein, das wusste ich schon seit ich ihn kannte. Ohne ein Wort drängte er sich an mir vorbei und stürmte zu den Kämpfenden.
„Was ist passiert?", fragte Nathan.
„A-Also... I-Ich... U-Und..." ich gestikulierte mehr als das ich etwas sagte während Nathan und Jester beide an mir vorbei liefen, nicht ohne uns drei mitzuziehen.


Omega: Academy of the PackGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt