Kapitel 14

1.3K 62 1
                                        

„Und wo hast du die Zahnbürste jetzt her?", fragte Dan verwirrt.

„Ich hab kurz bei Lucian ans Zimmer geklopft. Cain war Gott sei Dank schon weg. Er hatte noch eine Neu verpackte übrig und auch gar nicht weiter nachgefragt wieso ich nur ein Hemd von dir an hab und um 7 Uhr Frühs an seine Tür klopfe."

„Mir wäre es lieber gewesen er hätte nachfragte. Wir sind doch kein Liebespaar oder so. Was muss er denn jetzt von mir denken?", seine Stimme klang gespielt gequält, doch ich konnte nicht Antworten da ich sonst die ganze Zahnpaste ausgespuckt hätte mit der ich mir in diesem Moment die Zähne putzte.

Es war ganz Simple gewesen - Dan hatte mir, äußerst perplex, noch am Abend die Tür zu seinem Zimmer geöffnet. Während er und ich gemeinsam versucht haben meine Haare so Gut zu retten wie wir das konnten, hatte ich ihm von Kias Ausraster erzählt, der Geschichte mit Ivy und auch aus welchem Grund ich im Jungenwohnheim war. Zu meinem Glück hatte mich Dan bereitwillig aufgenommen, ihm war es vollkommen gleichgültig gewesen das wir hier gerade zwei Schulregeln brachen und sein Zimmergenosse gehörte zu den Wölfen die es bevorzugten draußen, in der Wildnis, zu schlafen statt in einem gemütlichen Bett.

Doch weil ich mir nicht den Zorn eines wütenden Wolfes aufhalsen wollte, hatte ich zusammen mit Dan in seinem Bett geschlafen, ebenso wie ich mir seine Sachen ausgeborgt hatte um heute noch mit meinen Kleidern zum Unterricht zu können. Bis vor wenigen Minuten stand ich noch in der Dusche, versucht mir den Geruch des Jungen aus der Haut zu schrubben um keinen falschen Eindruck zu erwecken oder neugierigen Nasen zu viel zu verraten. Auch meine Angst wie Cain reagieren könnte wenn er wusste dass ich mit einem Jungen zusammen, halbnackt in einem Bett gelegen hatte, war nicht gänzlich unschuldig. Vielleicht machte ich mir auch etwas vor, aber sicher war Sicher. Ich war vielleicht dumm und naiv, aber ich hang an meinem Leben.

Während ich ausspuckte, zog sich Dan dein Hemd an. Ich starrte auf seinen nackten Oberkörper, der wirklich nicht übel aussah. Doch das war bei den meisten Werwölfen, eigentlich bei allen, der Fall. Wäre auch sehr seltsam wenn sie keinen guten Körper hätten, so viele Kalorien wie man bei der Verwandlung verbrannte, bei dem Stress und den Hetzjagden im Wald.

„Apropos Wald. Heute ist Vollmond, oder?", fragte ich.

„Jap. Der erste Vollmond seit einem Jahr an dem auch unser Alpha wieder dabei ist. Ich weiß nicht so recht... aber ich hab kein gutes Gefühl dabei das er so plötzlich hier aufkreuzt. Und es weiß auch keiner etwas davon - ich denke, hätte Mrs.Heaven sich nicht verplappert und du das gestern nicht Zufällig mitbekommen, wüsste keiner wirklich etwas."

Ich nickte zustimmend, legte die Bürste aus der Hand und drehte mich herum. Etwa Zehn Minuten später war auch mein Wohltäter bereit das Gebäude zu verlassen. Seltsamerweise schien im Jungenwohnheim viel mehr los zu sein als in dem der Mädchen. Sie eilten von einem Zimmer zum Anderen, lachten Lautstark und stritten sich. Musik schallte durch die Flure, übertönt durch die Musik eines anderen Zimmers.

„Wieso ist es hier eigentlich so... lebhaft?"

„Das ist weil", ich sah hinter mich, ebenso wie Dan. Lucian hatte uns eingeholt, lächelte freundlichst und sprach weiter ohne unsere perplexen Blicke zu kommentieren: „Es hier bei weitem mehr Jungs gibt als bei euch im Mädchenwohnheim. Und weil wir nur das typische Rudelrangsysthem Konkurrenz verhalten an den Tag legen, während ihr Mädchen... äh, herum zickt? Sorry, ich hab keine Ahnung wie ich das umschreiben sollte."

Ich lachte, konnte dem Jungen leider nur zustimmen. Es wäre so schön wenn auch die anderen Mädchen in meinem Alter so ausgelassen sein konnten. Oh, viele waren es - sie alberten herum, führten sich auf wie Kinder - doch weit mehr benahmen sich »Erwachsen« und passten sich ihresgleichen an.

„Na kommt, der Unterricht beginnt bald."

Und damit hatte sich das Thema erledigt. Wir liefen zu dritt zum Schulgebäude, waren weit mehr als nur Pünktlich vor Ort, und setzten uns auf unsere Plätze. Ich vermied den Blickkontakt zu Kia, sah sie nicht ein einziges Mal an als sie die Klasse betrat, und biss mir nervös auf der Unterlippe herum während Ivy den Klassenraum betrat.

Doch es bot sich keine Gelegenheit mit ihr zu sprechen, denn entweder ich zögerte, oder etwas kam dazwischen. Angefangen bei dem Eintreten unserer Lehrerin, gerade als ich Ivy hatte Fragen wollen, weiterführend mit dem Pausenende. Der ganze Tag war einfach nur schrecklich, ich war abgelenkt, unaufmerksam und nervös. Ein paar Mal sprach Dan mich an, versicherte sich das bei mir alles ok war. Der Deltawölfin hingegen entging meine Nervosität gänzlich, beinahe als mache sie das absichtlich.

„Ich hab keine Lust mehr.", murrte ich leise, den Kopf auf der Tischplatte. Lucian lachte mitfühlend, während Dan mir geräuschvoll das Tablett mit dem Essen vor die Nase stellte. Hastig schreckte ich auf und bedankte mich Artig.

„Wenn es dir so ans Herz geht, dann setz dich zu ihr. Du gehört doch zu ihrer Gang, oder?", fragte Dan verwirrt.

„Aber das ist es ja. Ich will zu gar keiner Gang gehören! Und... Und Kia sitzt dort. Also will ich da auch nicht hin.", vor mich hin murmelnd schob ich mir das Steak in den Mund.

Wie saßen in der Mensa, hatten Mittagspause, und unterhielten uns. Lucian schien Gefallen daran gefunden zu haben mit uns abzuhängen. Er erklärte dass er keine Lust hätte im Komitees raum bei den anderen drei Mitgliedern zu Essen, weil ihm das alles viel zu förmlich und fade wäre. Ich hatte damit kein Problem und auch Dan zuckte nur mit den Schultern. Zwei weitere Plätze am Tisch waren leer, unbesetzt, doch zu meinem Glück hatte Kia sich hin her gesetzt und Cain... Schien verschollen. Ich hatte ihn den ganzen Tag über noch nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommen.

„Ach! Da fällt mir ein dass ich gleich eine Sitzung habe. Mist. Kannst du mir einen Gefallen tun Leiha?", ich sah auf, fand den fragenden Blick des Braunhaarigen und nickte kurz angebunden: „Danke, danke! Ich soll das Klassenbuch gleich noch zu Mrs.McRoad bringe. Mach du das, bitte. Hier."

Ich nahm das Heft mit dem blauen Umschlag entgegen, starrte es etwas missmutig an und nickte ehe ich es in meine Tasche packte. Dann wandte ich mich wieder meinem Essen zu.

„Das hat aber noch Zeit, oder?", fragte ich während das nächste Stück Fleisch in meinem Mund landete. Lucian nickte „Ebenso wie die Sitzung. Ist mir trotzdem alles zu viel auf einmal"

Ich seufzte, hatte mich selbstverständlich schön austricksen lassen, und warf Dan einen bösen Blick zu als dieser sich bemühte das Lachen zu unterdrückten indem er sich eine Hand vor den Mund hielt - was ihm nicht gelang. Schallendes Gelächter hallte mir entgegen und ich konnte nicht anders als zu lächeln.

Omega: Academy of the PackGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt