Das Keuchen einer Person, Wimmern, ein undeutliches Wispern weckte mich aus der Finsternis. Als die Welt vor meinen Augen Konturen annahm, zuckte ich heftig zusammen.
Aus welchem Grund auch immer saß ich auf Kia, die Hände um ihre Kehle gelegt, und drückte ihr die Luftröhre zu. Ein irres Grinsen lag auf meinen Lippen und ich verstärkte den Griff um ihren Hals über den Aktuellen hinaus.
Meine Zimmergenossin versuchte sich zu verteidigen, mich von sich hinunter zu stoßen, doch es half alles nichts. Sie formte mit ihrem Mund Worte, die nicht bis zu meinem Sein hindurch klangen, Tränen liefen ihr über das kalkweiße Gesicht, ihre Lippen liefen erst weiß, dann blau an. Schließlich, ehe ich gänzlich aus meiner Starre erwachen konnte, rammte mich Jemand von der Gestalt hinunter.
Hart schlug ich auf den Boden auf, der mir jedwede Möglichkeit zu Atmen raubte. Doch mein Angreifer, oder aber Kias Verteidiger, war noch nicht fertig mit mir. In Sekundenschnelle hatte Dan sich auf mich gestürzt, meinen Arm auf den Rücken gedreht und rammte sein Knie in mein Steißbein.
Ich wimmerte leise, nun gänzlich wach.
Verwirrung, Angst und Panik vermischten sich ineinander. Hatte ich nicht eben noch mit Cain im Bett gelegen? Hatte er mich nicht bis in die frühen Morgenstunden gefoltert? Doch außer den Schmerz den Dan mir Verursachte, spürte ich nichts. Keine blutende, oder verschorfte, Wunde. Alles war an die vergangene Nacht erinnerte, war mein schmerzender Hals und die verblassenden Erinnerungen. Zitternd zog ich an meinem Arm, doch mein Kumpel hielt das Handgelenk fest umklammert, weigerte sich es los zu lassen, und starrte mich mit einem seltsamen, unsicheren Blick an.
„Wo ist sie?", knurrte eine Stimme an der Tür, die ich innerhalb von Sekunden als die des Schülersprechers identifizierte.
„Die Frage ist eher-", Dan sprach seltsam monoton, gar vorsichtig: „-weshalb ich sie beim wach werden dabei Vorgefunden habe wie sie Kia Erwürgen wollte."
Die Wahrheit traf mich wie ein Schlag ins Gesicht. Sicher, ich war nicht gänzlich bei mir gewesen, doch selbst ich wusste wie das ganze ausgegangen wäre wenn der Junge über mir nicht eingegriffen hätte. Starr lag ich auf dem Boden, kümmerte mich nicht darum dass meine Wange auf dem harten Boden lag. Meine Zimmergenossin hustete so laut, das ich beinahe dazu geneigte wäre es als Simulation abzutun, hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen.
„Sie hat was?", zischte der Schülersprecher. Ich hörte wie er mit großen, schnellen Schritten auf mich zukam.
Dan Antwortete nicht. Kaum das er mein Handgelenk freigegeben hatte, zog mich ein Andere hoch, auf die Beine. Ich zischte Schmerzerfüllt, hatte aber immer noch mit dem Gedanken zu tun ich hätte meine Freundin im Schlaf beinahe umgebracht.
„Leiha, erklär uns das.", Cain sprach gefährlich leise.
„I-Ich weiß nicht. I-Ich bin dich eben-", in Filmen hatte ich nie Verstanden weshalb der Hauptprotagonist immer wieder zu flennen begann, oder nicht einfach einmal den Mund auf bekam. Jede zweite Geschichte baute auf Missverständnissen zwischen verschiedenen Charakteren auf, die im Alltag stetig vermieden werden. In diesem Moment Verstand ich es fast. Manchmal fehlten einem einfach die Worte. Sie würden mir doch nicht einfach glauben wenn ich Behauptete Geschlafwandelt zu haben. Ich meine, irgendwie glaubte ich das selbst nicht einmal.
„Wie, du weißt nicht?", dieses Mal war es Dans Stimme. Ich hatte in noch nie so Wütend gehört. Erschrocken zuckte zu zurück, presste meinen Rücken dadurch ungewollt näher an Cain. Die Erinnerung an den vergangenen Abend übermannte ich. So schnell wie ich ihm näher gekommen war, mied ich seine Nähe auch wieder. Körperkontakt war in diesem Augenblick das Letzte das ich von ihm haben wollte.
„I-Ich... A-Also..."
„Es ist schon Gut", unterbrach Kia mit brüchiger Stimme.
Wir alle sahen zu dem verletzten Mädchen, das mich mit einem fast schon panischem Blick musterte, etwas Suchte das in meinem Gesicht zu finden sein musste, es aber offensichtlich nicht fand.
„Wie, ist schon Gut?", fragte Dan skeptisch.
„Ihre Augen waren Rot, Dan. Das... Das war nicht Leiha.", Wisperte das Mädchen.
Mir wurde schlecht als mir Bewusst wurde das sie Recht hatte. Zumindest soweit wie ich es beurteilen konnte. Obwohl ich in meinem eigenen Körper gesteckt hatte, fast wie ein Zuschauer dabei gewesen war, hatte ich doch keine Kontrolle über meine Handlungen gehabt. Genauso wie bei den anderen Morden, war es dieser Instinkt gewesen. Verdammt.
Ich hatte blaue Augen, keine Roten.
„Das Bedeutet dann-"
„Wo bin ich hier?", nicht einmal Cain beschwerte sich darüber Unterbrochen worden zu sein. Synchron wanderten unsere Blicke zu Chrome. Der Junge hatte sich aufgesetzt, besaß wieder Farbe im Gesicht. Meine Augen wurden größer als ich seinen verschlafenden Gesichtsausdruck musterte, seine verwuschelten, roten Haare.
„Du, mein Kleiner, bist in der Gesellschaft von Wölfen. Aber ich nehme an das weißt du schon. Vielleicht sollte ich es anders ausdrücken... Durch ein paar, mehr oder weniger unpassende, Wendungen des Schicksals, bist du mitten zwischen die Fronten meines Rudels, und das unseres Feindes geraten. Das du Überlebt hast, sei dir hoch angerechnet. Aber keine Sorge, die Gefahr ist vorbei."
Dieses Mal sahen wir zur Tür.
Dort, im Türrahmen, stand Nathan. Ich entspannte mich ein Wenig, vergaß das Cain mich weiter Fest hielt damit ich nichts dummes Anstellen konnte. Unser Alpha lächelte Chrome mit einem seiner siegessicheren Grimassen an und beruhigte Chrome so gekonnt, wie ein Sanitäter ein schwerverletztes Kind.
Selbst der Rothaarige entspannte sich und lächelte seinerseits schüchtern. Nach all dem was passiert war, hatte ich eine solche Reaktion nicht erwartet. Doch an eigenem Leib hatte ich erfahren welch eine Wirkung ein Mann mit Rang und Namen auf einen haben konnte. Es brauchte nur einige Worte, die richtige Tonlage, das gewisse Selbstbewusstsein, und schon zog Nathan die Menschen in seinen Bann, ebenso wie die Wandler seines Rudels.
Sein Blick wanderte zu Kia, wirkte einen Augenblick lang besorgt. Weitere Gestaltwandler betraten den Raum, sie alle wirkten Erwachsen, waren dunkel, aber unauffällig gekleidet. Ich hätte sie für das Sicherheitspersonal gehalten, wenn ich es denn nicht besser gewusst hätte.
„Nathan.", hörte ich den Schülersprecher spotten, der sein Griff um meinen Arm verstärkte.
Während einer der Männer zu Kia ging und sich den Abdruck auf ihren Hals ansah, ein weiterer zu Chrome lief und mit diesem offenbar ein paar Worte wechselte, wanderte Mr.McRoads Blick zu uns, hing an Cain und blieb bei mir kleben.
„Leiha.", er überhörte wohl gekonnt seinen kleinen Bruder. Sein Blick wurde sanft, seine Stimme erleichtert als er mich ansah: „Du kannst dir nicht vorstellen wie froh ich bin dich wohlbehalten wieder zu sehen"
„Ich bin auch ganz froh darüber nicht tot zu sein.", murmelte ich unverständlich, konnte mir diesen Kommentar aber nicht verkneifen.
Statt wie Cain böse zu werden und sich über mein plötzliches Selbstbewusstsein zu beschweren, lachte der Alpha. Meine Augen wurden größer.
„Ich Verstehe. Vermutlich hast du Recht.", er seufzte leise: „Also, erzählt mir doch bitte was hier Vorgefallen ist seitdem wir unseren Skype Anruf beendet haben."
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Omega: Academy of the Pack
WerewolfDas Omega, ist das schwächte Glied im Rudel. Es wird herablassend behandelt und spielt den Sündenbock für all seine Gefährten - Doch im Gegensatz zu einem Wolf, ist ein Werwolf immer auch zum Teil menschlich. In einer Zeit in der die Gestaltwandler...
