Kapitel 9

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Cain McRoad war nicht in die Mensa gegangen um sich den Bauch voll zu schlagen und dem üblichen Machogehabter gleichgesinnter beizuwohnen. Finnian Adams, Alex Koslow, Ryze Dovin und Ivy Evens waren keine einfachen Deltawölfe. Es schien eher als sei das Rudel seines großen Bruders in sechs Lager geschnitten. Die kleine Gruppe an artigen Schülern und Lehrern die sich dem Beta unterordneten während der Abwesenheit ihres Alphas, Gefolge der jeweils genannten Persönlichkeiten und Cains Wenigkeit – Sie alle schienen zu denken er kümmere sich um die Freigeister des Rudels, wenn er sich schon keine eigenen Untergebenen suchte.

Deltas waren seltene Wesen, machten sie dem Alpha doch immer wieder seinen Posten streitig. Man lernte sich zurück zu halten, seine Wut zu zügeln, oder wurde Erbarmungslos aus dem Rudel geschmissen, wenn nicht gar getötet. Mit einer Ausnahme. Cain schluckte bei dem Gedanken an die Dinge die er sich in den letzten Wochen geleistet hatte, die Situation mit diesem widerlichen Menschenjungen den er Umgebracht hat als dieser ihn schräg von der Seite angequatscht hat, ebenso der Streit mit Jester Lued. An das Szenario in der Mensa gar nicht erst zu denken als er vor aller Ohren die Autorität seines Alphas untergraben hatte. Nathan würde ihn nicht aus dem Rudel schmeißen – nicht seinen eigenen, kleinen Bruder. In dieser Hinsicht war er Schwach. Doch das Bedeutete nicht das seine Taten ohne Konsequenzen blieben. Und wie er heute Zufällt hatte hören können, hatte sein Bruder vor in den nächsten Tagen her zu kommen.

Cain leckte sich über die trockenen Lippen, öffnete seine Augen und starrte hinauf in den blauen Himmel. Er lag auf dem Dach der Schule, selbstverständlich ohne Erlaubnis. Die Hände hinter seinem Kopf verschränkt schweiften seine Gedanken vom Thema ab. Nicht nur Deltawölfe waren selten in einem Rudel anzutreffen. Er gestattete sich das schmale Lächeln das ihm bei dem Gedanken an sie zu überkommen drohte, schloss die Augen und flüsterte leise ihren Namen.

„Leiha."

Omegawölfe waren seltsame Geschöpfe, dessen Nutzen er nie hatte erkennen können. Manch einer behauptete sie dienen der Beruhigung gegenüber den anderen Wölfen die sich stetig der Autorität einer höheren Person unterordnen mussten. Andere munkelten sie seien immun gegen Befehle im Rudel, weniger gesteuert von ihren tierischen Instinkten. Cain war sich unsicher was er glauben sollte, doch ihm war Bewusst das er es noch herausfinden würde.

„Leiha...", wiederholte er leise, zog ihren Namen in die Länge und kostete ihren Klang aus wie eine exotische Frucht. Der Schülersprecher war kein freundliches Wesen – doch er konnte nicht leugnen sich zu diesem Mädchen hingezogen zu fühlen. Vor seinem inneren Auge erkannte er ihre langen, schwarzen Haare, diese strahlend blauen Augen und diesen unsicheren Ausdruck den sie stätig im Gesicht zu tragen schien, gepaart mit einem widersprüchlichen funke Sturheit wie nur eine starke Frau sie besaß.

Hatte es ihm etwas ausgemacht sie zu verletzten? Cain ließ die Situation des vergangenen Abends noch einmal Revue passieren. Der Geschmack ihres Blutes breitete sich in seinem Mund aus als er daran dachte, wie er seine Zähne in das zarte Fleisch ihrer Schulter geschlagen hatte. Wie ein Messer durch Butter waren seine Fänge geglitten, während ihr Körper sich unter ihm versteift hatte. Ein Schauer der Erregung jagte dem Jungen über den Rücken, während er sich an die Spuren erinnerte die er an ihrer Brust hinterlassen hatte... der Linken, das hatte er sich gemerkt.

Cain wusste, dass er es nicht Bereute. Er wusste dass sie ihm gehören würde, dass sie unterbewusst dasselbe spürte wie er. Bisher hatte er diese Mate Sache für dummes Geschwätz gehalten – Liebe auf den ersten Blick, Leidenschaft bei der bloßen Berührung... Der Schülersprecher war kein Mensch der Romantik. Sie lag ihm nicht, widerte ihn an. Er wollte sie einfach nur Besitzen, bei sich Wissen damit nur er alleine ihr wehtun durfte. Sie lieben durfte... auf körperliche Ebene.

Obwohl der Schwarzhaarige zugeben musste, das Leiha ihm leid tat. Er war ein sadistischer Wolf, wie man so schön sagen würde. Er war mehr Tier als Mensch, auch wenn er keine Gestalt mehr bevorzugte als die Andere. Cain sehnte sich danach sie zu küssen, sie eng an sich zu ziehen und allen in seinem Umfeld zu zeigen das sie ihm mit Haut und Haaren gehörte. Und erschreckenderweise war es ihm vollkommen Egal ob sie dieses Verlangen erwiderte, so lange nur niemand anderes sie Anfassen würde. Es kostete ihn auch so schon genug ansträngung zu ignorieren wie andere Wölfe mit ihr umsprangen. Worte waren im Bereich des akzeptablen, doch wenn einer von ihnen Handgreiflich wurde machte es auch Cain schwer zu schaffen.

„Nathan wird mir dafür den Kopf abreißen...", überlegte er laut und seufzte leise. Sein Bruder war der einzige Grund - Das einzige was zwischen ihm und Leiha stand. Er ist und war der Grund, weshalb der Schülersprecher ihr eine Chance hatte geben wollen sich von ihm fern zu halten obwohl er die Anziehung gespürt hatte. Seine Stimmungsschwankungen, vielleicht auch seine Instinkte, hatten diese Tat der Barmherzigkeit jedoch zerquetscht wie eine dumme, verwerfliche Idee. Weshalb sollte Cain auf etwas verzichten das ihm Rechtmäßig zustand? Er könnte Nathan herausfordern. Ein Schlechter Alpha war der Kerl ohnehin, wer würde es ihm also verübeln? Doch obwohl Cain stark war wusste er, dass Nathan eine Klasse höher spielte. Er war weit stärker als Jester, sein Beta. So stark das es ihm gelungen war parallel zu vier riesigen, schon bestehenden Rudeln ein fünftes zu Gründen. Sein Eigenes. Der Schülersprecher seufzte abermals und drehte sich auf die andere Seite.

Omega: Academy of the PackGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt