3.Kapitel (Phoenix)

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»Oh... bist du das etwa Ash? Du siehst großartig aus.« Clara schaute mich strahlend an und drückte mir eine Dose Bier in die Hand, während sie ununterbrochen mein Gesicht bewunderte. Ich hatte von Mike die ehrenvolle Aufgabe übertragen bekommen, Clara irgendwie von Sarah weg zu bekommen, damit er mit ihr alleine ins Gespräch kommen konnte und mittlerweile bereute ich es, ihm meine Hilfe zugesprochen zu haben.

»Ja das war Mikes Werk. Cool oder?«, murmelte ich und öffnete mit einem leisen Zischen die Dose Bier. Eigentlich hasste ich Bier, aber irgendwann, wenn man genug getrunken hatte, schmeckte einem sowieso alles. Man musste diesen Zustand nur erst einmal erreichen.

Clara hatte ihr Gesicht weiß geschminkt, an ihren Mundwinkel waren rote Linien die Blut darstellen sollten, auf ihren T-Shirt künstliche Blutflecke und sie hatte sich jede Menge selbstgebastelte Narben überall im Gesicht verteilt.

Entgegen meinen Erwartungen quatschte Clara mich regelrecht zu und konnte gar nicht mehr aufhören zu reden, während wir ein Bier nach dem anderen tranken, was sie nur noch redseeliger machte. Ich war immer wieder kurz davor sie einfach stehen zu lassen, mich umzudrehen und in der Menge zu verschwinden, doch ich hatte Mike versprochen sie zumindest eine kleine Weile lang irgendwie hinzuhalten.

Als ich es irgendwann dann doch nicht mehr ausshielt, schaffte ich es mit einer Ausrede ihren seltsamen Flirtversuchen zu entkommen und flüchtete in die Menge. Es war mittlerweile nun so voll hier, das es schwer war einen geeigneten Platz zu finden wo man sich hinsetzen konnte oder sich ungestört zu zweit unterhalten konnte. Die Hälfte der Leute hier kannte ich tatsächlich flüchtig aus der Schule und es gab tatsächlich sogar jemanden aus meiner Klasse, der mich mit einem: »Hey Ash, du auch mal hier?«, begrüßte. So viel zum Thema, mich würde keiner erkennen, wobei ich mir vorstellen konnte das es bei der Tonne an Schminke die mir Mike im Gesicht verteilt hatte tatsächlich schwierig sein sollte mich zu erkennen, vor allem nicht, wenn man mich nur flüchtig kannte.

In der Schule kannte mich sowieso auch jeder unter dem Namen Ash und ich bezweifelte, das einige von ihnen meinen richtigen Namen eigentlich kannten. Vor langer Zeit hatte mein zweiter bester Freund Takumi angeefangen mich so zu nennen, da er wusste das ich keinen so auffälligen Namen wie Phoenix mochte und es war schwer einen Spitznamen zu finden, deswegen hatte er sich einfach gedacht: Ein Phönix steig aus seiner Asche wieder auf, also nennen wir ihn Ash...und irgendwann fing einfach jeder an mich so zu nennen.

Ich fragte mich warum Takumi nicht hier war, oder hatte ich ihn einfach übersehen?

Nach einer gefühlten Ewigkeit fand ich tatsächlich einen Platz in einer einsamen Ecke, wo ich die Leute betrachtete, die sich hier auf der Party zusammen gefunden hatten. Ich merkte nur einmal mehr, das ich hier einfach nicht rein passte, dass es aber trotzdem nicht so schlimm war hier zu sein. Eher war es so wie eine Freizeitaktivität die man mal ausprobierte, die man zwar nicht schlimm fand, die einen aber auch einfach nicht begeisterte oder sonderlich ansprach sodass man es nicht unbedingt wiederholen musste. Meine Augen suchten nach Mike, aber ich konnte ihn nirgendwo entdecken, was ja auch kein Wunder war. Es gab noch einen Kellerraum wo ein paar Leute waren und ein Nebenzimmer was man nutzen konnte, ich müsste also erst jeden einzelnen Raum abgehen bevor ich ihn gefunden hatte.

Seufzend verließich meinen kuscheligen Platz in der Ecke und drängte mich durch die schwitzenden, teilweise auch viel zu alkoholisierten Menschen bis ich am Handgelenk angefasst wurde und zurück gehalten wurde.

Mit einem Stirnrunzeln schaute ich nach unten zu dem Typen der mich festhielt. Ich kannte ihn nicht, wusste aber dass er in Mikes Klassenstufe war. Er saß zusammen mit einigen anderen in einem Kreis zusammen und anscheinend spielten sie irgendein Spiel, wie ich vermutete.

»Was ist?«, fragte ich genervt und schob die Hand von dem Typen zur Seite.

»Wir spielen Wahrheit oder Pflicht und... ich geb dir auch etwas dafür, wenn du meine Pflichtaufgabe erfüllst!«, sagte er und schaute mich flehend an, als würde sein Leben davon abhängen. Bestimmt sollte er sich ausziehen, zum Affen machen oder irgendetwas dergleichen und ich sollte sein „Joker" sein...

»Hey Joe das ist nicht nett von dir einen jüngeren Schüler da mit reinzuziehen. Wir anderen erfüllen unsere Aufgaben auch immer selbst«, sagte ein Mädchen was neben ihm saß, doch dieser Joe schüttelte energisch mit dem Kopf.

»Ich werde es aber nicht tun.« Das Mädchen wollte wieder ansetzen um etwas zu sagen, als sie ein anderer – es war Tim, den ich durch Mike flüchtig kannte – unterbrach.

»Lass ihn doch, wenn er nicht möchte. Wenn der Kleine seine Aufgabe übernehmen will, kann er das doch tun.« Er war sichtlich genervt von dieser sinnlosen Streitigkeit und wollte die Sache so schnell es ging beendet haben.

»Also Kleiner, willst du mir helfen?«, wandte sich dieser Joe wieder an mich und ich schaute ihn noch immer an. Eigentlich wollte ich nicht, aber was auch immer nicht mit mir stimmte, ich zuckte nur desinteressiert mit der Schulter und fragte: »Was muss ich tun und was bekomme ich dafür?«

»Du sollst jemanden aus der Runde küssen. Einen Typen. Ich gebe dir Geld.« Und das war alles? Ich sollte einfach nur kurz einen anderen Typen küssen und bekam dafür noch Geld? Nicht das ich es für das Geld tat – ich würde eigentlich nie etwas für Geld tun – aber das der Typ sich nur wegen einem kleinen Kuss gleich so zierte...

Ich weiß nicht warum ich es tat, wahrscheinlich war es Neugier, aber ich nickte tatsächlich.

»Wow musst ja ganz schön homophob sein, wenn dich selbst so ein kurzer Kuss stört. Und, wer ist der bemitleidenswerte Kerl?«, fragte ich und alle Blicke richteten sich nun auf den Typen, der neben Tim saß. Er hatte nicht wie die anderen ein Kostüm an, sondern trug einfache Jeans und ein T-Shirt. Seine Miene war ausdruckslos und wirkte eher gelangweilt, als hatte er eigentlich gar keine Lust bei diesem ganzen Kindergarten mit zumachen.

Ich beugte mich zu ihm runter und wenige Sekunden später spürte ich seinen Lippen auf meinen, doch es war anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es war nicht einfach nur so ein kurzer zwei Sekunden Kuss wie ich erwartet hatte, sondern eher so, als wolle er mich verschlingen und gar nicht mehr damit aufhören mich zu küssen und ich konnte mich dem auch nicht so wirklich entziehen, weil es sich irgendwie... gut anfühlte. Kurz bevor es zur Zunge kommen konnte, zog Tim ihn zurück.

»Chris, wir wissen alle was für ein guter Küsser du bist, aber du solltest den Kleinen nicht so ärgern.« Ich richtete mich wieder auf und schaute diesen Joe ungeduldig an.

»Kann ich dann jetzt gehen?«, fragte ich genervt, er nuschelte ein leises Danke und drückte mir einen Geldschein in die Hand, dann machte ich, das ich so schnell wie möglich aus diesem Wohnzimmer herauskam.

Broken Mirrors (BoyxBoy/Yaoi)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt