28.Kapitel (Chris)

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Ich schloss hinter Ash die Tür zu und seufzte auf. Es war schön gewesen wieder normal mit ihm zu sprechen, aber ich musste vorsichtig sein. Meine Eltern dürften mich nicht noch einmal mit ihm sehen...

»Du solltest vorsichtig sein. Ich weiß dass du sehr frei lebst, aber wenn sie dich erwischen...« Ich zuckte zusammen als Sandy plötzlich hinter mir stand. Sie wusste davon, dass ich auf beide Geschlechter stand und obwohl sie es nicht wirklich gut fand, akzeptierte sie es einfach als eine besondere Eigenart ihres Bruders. Gegenüber unserer Eltern schwieg sie darüber eisern und ich wusste auch, dass sie es niemals als Druckmittel gegen mich verwenden würde.

»Das geht dich nichts an«, fauchte ich und sie hob nur eine Augenbraue.

»Gut, dann lebe halt damit.« Sie drehte sich um und verschwand in die Küche, während ich unschlüssig stehen blieb. Sandy hatte immerhin recht damit, ich musste vorsichtig sein. Wenn meine Eltern wüssten das ich auf beide Geschlechter stand... das wäre eine Katastrophe. Und noch schlimmer wäre es, wenn sie sehen würden wer mein Freund war und wie er aussah. Vermutlich würden sie mich hochkant raus werfen und leugnen das es mich überhaupt gab.

Ohne etwas zu Essen machte ich mich auf den Weg in mein Zimmer wo ich für den Rest des Tages auch blieb. Niemanden kam es seltsam vor, es war normal dass ich die Tage oder Abende in meinem Zimmer verbrachte, Musik hörte und die Tür abschloss, weil ich allein sein wollte. Meine Eltern klopften noch nicht einmal an um zu fragen wie es mir ging, es war ihnen schlicht und einfach ziemlich egal warum ich das tat.

Ich warf mich aufs Bett und nahm mein Handy, wo ich auf Instagram mal wieder Ashs Account durchsah. Egal wie oft ich sie mir ansah, ich konnte mich nicht wirklich daran satt sehen. Allerdings zeigten die meisten Bilder Ash zusammen mit Takumi oder Mike, die meiste Zeit schaute er allerdings in die Kamera als wolle er gar nicht dort sein. Bei einigen allerdings konnte man sehen, wie viel Spaß er hatte und irgendwie versetzte es mir einen Stich. Er verstand sich mit ihnen so gut, während ich abgesehen von Dan nicht einmal echte Freunde hatte, nur Leute mit denen ich zusammen zur Schule ging und mal auf irgendeiner Party war. Ash hingegen wirkte wie jemand, der einfach mit allen gut klar kam, ohne irgendwelche Probleme zu haben. Er stand zu seiner Person, ging offen damit um wer er wirklich war - und ich? Ich hatte nichts besseres zu tun, als mich zu verstellen, mich selbst zu verleugnen. Wie gern würde ich zu meinen Eltern gehen und ihnen einfach sagen, dass ich nicht so bin wie sie es erwarteten? Das ich auch auf Männer stand? Das ich sogar mit einem Jungen zusammen war? Nicht einmal in der Schule konnte ich offen sein, aus Angst davor abgesehen von Dan niemanden mehr zu haben. Dabei waren die anderen nicht einmal meine Freunde.

Es kümmerte mich einfach viel zu sehr, was andere von mir hielten und dachten. Anders als Ash, dem das ziemlich egal war, machte ich mir ständig Gedanken darüber wie ich auf andere wirkte, wie ich bei ihnen ankam, wie ich gemocht werden konnte. Was am Ende nur dazu führte, dass ich mich noch einsamer fühlte als zu vor, weil ich bei genauerem Nachdenken feststellte, dass es absolut nichts brachte.

~

»Kann ich mich zu euch setzen?«, fragte Daniel, als ich gerade mit Ash beim Mittagessen war. Seit unserem Gespräch redete ich wieder mit ihm, allerdings trafen wir uns selten nach der Schule, weil ich es noch nicht riskieren wollte, dass meine Eltern doch noch davon erfuhren. Ich nickte und er ließ sich auf den Platz neben mir fallen, musterte uns beide kurz.

Er sagte nicht viel und ich wunderte mich, wieso er sich nicht wie sonst zu den anderen aus unserer Jahrgangsstufe gesetzt hatte. Mit einem Lächeln verabschiedete sich Ash etwas eher, weil er nun Sport hatte und noch zur Turnhalle musste und ich blieb allein mit Dan zurück.
Dans Augen schienen mich zu durchbohren, als würde er irgendetwas wissen. Wie immer konnte ich ihm nicht viel vor machen, aber dennoch würde ich nicht mit ihm über all meine Gedanken reden. Es laut auszusprechen würde es nur noch realer machen und ich versuchte im Moment nichts mehr, als es irgendwie zu verdrängen.

»Wie es scheint habt ihr euch wieder vertragen. Geht es dir wieder gut?«, fragte er dann und ich nickte, während ich den Rest meines Mittagessens hinein schlang. Dan schaute mich an, als würde er mir nicht wirklich glauben, aber er wusste das nachfragen nichts bringen würde. Also machten wir uns schweigend auf den Weg zum nächsten Kurs. Es war schwer sich auf den Unterricht zu konzentrieren, und ich war froh als nun auch der letzte Block endlich geendet hatte.

Ich ging zu meinem Spind, an dem Ash bereits lehnte und mich anlächelte.

»Willst du heute mit zu mir kommen?«, fragte er dann und ich zögerte kurz, ehe ich nickte. Meinen Eltern konnte ich ja einfach sagen ich wäre bei Dan oder so.

»Freut mich.« Er lächelte mich an und sofort war es als würden all meine Zweifel nicht mehr wirklich existieren. Am liebsten würde ich ihn sofort küssen, aber da wir uns noch in der Schule befanden hielt ich das für eine schlechte Idee.

Wir machten uns auf dem Weg zu ihm nach Hause, dann gingen wir in sein Zimmer und ich ließ mich auf sein Bett fallen.

»Ich liebe dich«, sagte er dann und ich schaute ihn an. Irgendwie fiel es mir schwer es zu erwidern, also küsste ich ihn einfach und versuchte meine Gefühle so auszudrücken. Er schlang seine Arme um mich und ich spürte seine Wärme... und zum ersten Mal fühlte ich richtige Zuneigung.

Broken Mirrors (BoyxBoy/Yaoi)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt