31.Kapitel (Phoenix)

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Seit Tagen schon versuchte ich mir einzureden, dass alles gut war, aber natürlich war es das nicht. Chris sprach - mal wieder - schon seit über einer Woche nicht mit mir und ging mir immer aus dem Weg, wenn er mich sah.

Am Anfang hatte ich es wieder für eine Phase gehalten, doch mittlerweile war ich mir da nicht mehr so sicher, ob er wirklich seine Ruhe brauchte. Eher wirkte es, als wolle er nichts mehr mit mir zu tun haben und das war wesentlich schlimmer, als wenn er mich ignorierte weil er schlechte Laune hatte.

Die Tage flossen dahin, ohne dass ich etwas von dem mitbekam, was um mich herum passierte. Der Unterricht interessierte mich so wenig, dass ich nicht einmal wusste, was für Thema wir gerade dran hatten, ich machte keine Hausaufgaben mehr und kümmerte mich auch sonst nicht mehr um die Schule. Zu Hause tat ich dann auch nichts weiter, als die ganze Zeit im Bett zu bleiben, einzig und allein die Tatsache das Takumi und Mike ab und zu spontan vorbei kamen, verhinderte dass ich einsam wurde. Sie fragten nicht was los war, aber sie wussten das es mit Chris zu tun hatte, doch keiner mischte sich in die Sache ein wofür ich dankbar war.

Einige Tage später endete das Schweigen, als Chris mit ernster Miene an meinem Schließfach stand und darauf wartete, dass ich kam. Es war kurz vor der Mittagspause und eigentlich hatte ich gar nicht mehr hin gemusst, wenn ich meine Sportsachen nicht vergessen hätte.

»Hey. Können wir reden?«, fragte Chris dann und ich zuckte mit der Schulter. Seine Stimme war so kalt und distanziert, dass es mir einen Stich versetzte und tief in meinem inneren wusste ich, was jetzt kommen würde. Es hatte so viele Zeichen gegeben und unbewusst hatte ich genau geahnt was es zu bedeuten hatte, nur wollte ich es mir nicht eingestehen.

Meine Brust fühlte sich unglaublich eng an und mir fiel es schwer zu atmen, es war als wäre die Zeit stehen geblieben. Außer uns befand sich niemand im Gang - alle waren beim Mittagessen oder auf dem Schulhof - also gab es niemanden der uns hören konnte.

»Ich denke es ist besser, wenn wir Schluss machen. In den letzten Wochen habe ich viel darüber nachgedacht und glaube, dass ich dich nicht wirklich liebe. Es ist besser das zu beenden bevor...« Er sprach den Satz nicht zu Ende. Seine Stimme hatte so kalt geklungen, dass es mich selbst gefrieren ließ und ich spürte einen unglaublichen Schmerz, als ob ich innerlich sterben würde.

Ich wollte gerade etwas sagen, als ich bemerkte, wie sich in seinen Augen Tränen sammelten und ohne lange zu überlegen zog ich ihn auf die Toilette und schloss uns in eine der Kabinen ein. Sofort schlang er seine Arme um mich und begann nun richtig zu weinen, als würde es ihm selbst Schmerzen bereiten das gesagt zu haben.

»Wieso kann ich es nicht? Die ganze Zeit hielt ich es für besser, habe mir genau überlegt was ich sage... Ich wollte Schluss machen... Nur wieso schmerzt es mich jetzt selbst so, wenn ich daran denke dass du von mir getrennt bist und ich dich nicht mehr sehen kann?« Seine Stimme war nur ein leises Flüstern und ich nahm ihn in den Arm, hielt ihn einfach fest.

Er erzählte mir von seinen Eltern und was sie gesagt hatten, davon dass ihm alles zu viel wurde und auch seinen Gedanken, dass er mich vielleicht doch nicht so wirklich liebte. Langsam beruhigte er sich auch wieder und löste sich von mir, wischte sich mit dem Ärmel über die Augen.

»Wenn du wirklich vor hast Schluss zu machen, werde ich dich nicht daran hindern - aber dann schau mich an und sag mir, dass du mich nicht liebst.«

»Ich kann nicht... Und ich will auch nicht wirklich...« Seine Stimme war so leise, dass ich Mühe hatte ihn zu verstehen, dann fuhr ich mit meiner Hand durch seine dunkelblonden Haare.

»Es tut mir leid...«, sagte er dann und schaute betreten zu Boden, als könne er selbst nicht glauben dass er gedacht hatte, er könnte und würde mit mir Schluss machen. In seinen Augen sah ich, dass es ihn selbst verletzt hatte und ich wusste auch, dass es ihn störte mich verletzt zu haben.

»Bis zu den Prüfungen, werden wir uns kaum sehen können nur in der Schule... Ich weiß es ist schwer, aber... Ich glaube ich kann einfach nicht ganz ohne dich. Diese Woche wo ich dir aus dem Weg ging, war für mich schon schrecklich...«

»Wir schaffen das schon.« Er wischte sich noch einmal über die Augen, dann verließ er die Toilette und ich folgte ihm nach einer Minute. Ich hatte keine Zeit mehr noch etwas zu essen, also machte ich mich gleich auf den Weg zur Turnhalle, wo ich als erster wartend vor der Eingangstür stand. Das Gefühl der Enge war noch nicht ganz verschwunden und ich fühlte mich noch immer schrecklich, aber es nahm langsam wieder ab.

Ich wusste nicht was ich getan hätte, wenn er wirklich Schluss gemacht hätte und ich hoffte er würde nie wieder auf solche Gedanken kommen. Seine Eltern mussten ja echt schlimm sein, wenn sie ihm das alles einredeten und ihn praktisch zum lernen zwangen. Ich wünschte ich könnte ihm irgendwie helfen, wusste aber dass ich es nicht konnte. Ich konnte ihm ja schwer sagen, was er machen sollte, oder ihm beim lernen helfen, vor allem, da ich ja anscheinend bei ihm zu Hause nicht gern gesehen wäre.

Er hatte mir auch erzählt dass seine Mutter wollte dass er den Kontakt zu mir abbrach und das nur, weil ich ein Piercing, schwarze Haare und zerissene Jeans trug. Solche Vorurteile machten mich sauer und ich war froh, das Chris in dieser Hinsicht nicht nach seinen Eltern kam. Es war ja nicht so, dass ich, nur weil ich so aussah, auch gleich rauchte, Drogen nahm oder die Schule schwänzte, im Gegenteil.

Ich hoffte nur das alles würde nicht noch in eine unangenehme Richtung gehen.

Das Kapitel ist noch nicht bearbeitet!

Broken Mirrors (BoyxBoy/Yaoi)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt