2.Kapitel (Chris)

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»Hey Chris, aufwachen«, sagte eine mir bekannte Stimme und ich spürte eine Hand auf meiner Schulter, die mich sanft wach rüttelte. Ich blinzelte und schlug meine Augen auf. Daniel zog seine Hand zurück, als hätte er sich an mir verbrannt, was vermutlich daran lag das er wusste das ich Berührungen erst ab einen bestimmten Alkoholpegel ertragen konnte und sie mir davor unangenehm waren.

»Wie spät ist es?«, fragte ich ihn und ließ mich von ihm aus dem Sessel ziehen.

»Halb, die Party kann jeden Moment anfangen.« Ich warf einen Blick zur Uhr. Obwohl es noch eine halbe Stunde hin war bis die Party anfangen würde, war es trotzdem besser jetzt schon alles fertig zu haben, es kamen immerhin immer Leute die ein wenig eher da waren.

»Keine Sorge – ich habe während deines Schläfchens bereits alles vorbereitet und fertig gemacht«, sagte Dan als ich drauf und dran war die letzten Kleinigkeiten vorzubereiten. Ich warf ihm einen dankbaren Blick zu und ging doch noch einmal in die Küche, einfach um sicher zugehen ob alles da war und um mir eine Dose Fanta zu holen. Dan hatte tatsächlich alles vorbereitet: Die Snacks standen ordentlich aufgereiht auf einem Tisch im Wohnzimmer, daneben die Dosen mit Fanta, Sprite, Cola und Bier.

Nachdem einmal eine Party so ausgeartet war das jede Menge Bierflaschen kaputt gegangen waren, hatte ich beschlossen komplett auf Dosen umzusteigen was wesentlich angenehmer war.

»Chris, warum tust du das eigentlich? Du weißt doch, dass du mit mir über alles reden kannst.« Dan warf mir einen Blick zu in dem ich ehrliche Sorge lesenkonnte, aber ich zuckte nur mit der Schulter. Daniel war einer derwenigen, der wusste wie ich eigentlich war. Er kannte mich zwar nichtso gut, aber immer noch gut genug, das ihm meine Stimmungsschwankunen auffielen, die Veränderungen in meinem Verhalten, wenn ich wieder wegen irgendetwas genervt war, er bemerkte wann meine Laune wieder einmal drohte stark zu kippen und er wusste, wenn ich mal wieder emotional nicht mehr auf der Höhe war. Vielleicht war er genaud eswegen so etwas wie mein bester – und vermutlich auch einziger richtiger – Freund.

Warum ich dann eine Party gab, mehrere „Freunde" einlud und wirkte als wäre ich beliebt? Der Grund war ganz einfach: Ich wollte mich normal und lebendig fühlen, wie einer der beliebten Schüler, doch das genaue Gegenteil passierte.

Meistens endete es nämlich damit, dass ich mir einen Typen oder ein Mädchen schnappte und mich am nächsten Morgen nur noch einsamer und unwohler fühlte als zuvor. Ich machte bei dem Geschlecht keinen wirklichen Unterschied, mir war beides recht, aber es gab nur wenige die wussten das ich auch zu einem Typen nicht nein sagen würde, was daran lag dass ich versuchte es zu verbergen. Ich verstellte mich, weil ich nicht wollte das einer meiner „Freunde" davon erfuhr und ich erkannte das sie eben doch keine richtigen Freunde waren und ich am Ende dafür gemobbt und veurteilt wurde, obwohl ich mich schon so schlecht genug fühlte.

»Danke für deine Hilfe Dan.« Er nickte nur, dann nahm er sich ebenfalls eine Dose Fanta und wir warteten schweigend, bis die ersten Gäste kamen. Es dauerte nicht lange, als es an der Tür klingelte und ich sofort zu ihr ging um sie zu öffnen.

Innerhalb der nächsten Stunde strömten die verschiedensten Leute mit Kostümen in mein Haus: „Freunde" aus der Schule, deren Freunde oder Bekannte, teilweise halbe Klassen die von meiner Party gehört hatten. Ich hatte schon lange den Überblick verloren, so wie jedes Mal, und da ich sowieso allen gesagt hatte das sie mitbringen konnten wen sie wollten, kannte ich vermutlich die Hälfte nur flüchtig oder auch gar nicht.

»Dein Kostüm ist echt cool Chris«, meinte ein Mädchen aus meinem Jahrgang, die in meinem Kunst- und Mathematikkurs war, an deren Name ich mich aber nicht erinnern konnte.

»Danke«, sagte ich, auch wenn mein Kostüm alles andere als cool oder einfallsreich war: Ich sah aus wie einer dieser alten Fürsten aus dem Mittelalter (eigentlich hatte ich versucht eine Art Kürbismann zu sein, allerdings war es bei genauerer Betrachtung keine gute Idee gewesen zu versuchen sich einen ausgehöhlten Kürbis auf den Kopf zusetzen...)

Sie klebte sich regelrecht an mich und lief mir praktisch den halben Abend lang hinterher. Nach einer Weile fiel mir auch wieder ihr Name ein: Angelina. Obwohl sie sehr hübsch war und gut aussah, war sie nicht meine Wahl für heute. Um ehrlich zu sein vermied ich es für meine kleinen Ausrutscher Leute aus der Schule zunehmen, da eine solche Sache schon einmal nicht sonderlich gut geendet hatte. Allerdings wusste ich auch, dass ich mich, wenn ich einmal zu viel getrunken hatte, sowieso nicht mehr an meine Regel halten würde.

Ich schaffte es Angelina irgendwann abzuwimmeln und atmete tief durch. Für einen kurzen Moment verschwand ich die Treppe nach oben in mein Zimmer, wo ich mein Kostüm gegen eine bequeme Jeans und ein lässiges T-Shirt tauschte, danach meine Zimmertür wieder absperrte (ich war wirklich nicht scharf darauf das jemand in meinen Sachen herumwühlte oder ich ein Pärchen hier drin vorfand) und wieder nach unten ging.

Kaum hatte ich auch nur einen Fuß ins Wohnzimmer gesetzt, zog mich schon Tim, einer meiner Schulfreunde, zur Seite.

»Da bist du ja endlich Chris! Lust auf eine Runde Wahrheit oder Pflicht?« Er wartete nicht einmal meine Antwort ab, dann drückte er mich schon an der Schulter auf den Boden, wo um eine Flasche herum sich ein Kreis von Leuten aus der Schule gebildete hatte: So ziemlich jede der drei oberen Klassenstufen war vertreten. Eigentlich hatte ich absolut keine Lust bei solch einem Kinderkram mit zu machen, aber die erwartungsvollen Blicke der anderen ließen mich dann augenverdrehend sitzen bleiben. Irgendjemand reichte mir eine Dose Bier und ich kippte den Inhalt viel zu schnell hinunter, dann wurde mir schon eine zweite gereicht.

Ich beobachtete kurz die Leute in der Runde – niemand interessantes dabei, ein zwei meiner Schulfreunde, ein paar die ich flüchtig kannte und zwei unbekannte Gesichter. Jemand nahm sein Smartphone zur Hand wo er eine Wahrheit oder Pflicht App installiert hatte und schon konnte der„Spaß" beginnen.

Broken Mirrors (BoyxBoy/Yaoi)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt