Als wir vor der Haustür standen, bekam ich das ungute Gefühl dass es keine so gute Idee war mit hineinzugehen. Ich wusste dass seine Eltern mich hassen würden, nicht nur weil ich ihren Sohn „verdreht" hatte, sondern auch wegen der Tatsache, dass ich nicht gerade dem allgemeinen Bild eines perfekten Menschen entsprach, welches sie hatten. Piercing, zerissene Hose... ein wahrer Traum von einem Schwiegersohn. Auf sie musste ich wie der schlechteste Einfluss überhaupt wirken und ich verzog das Gesicht bei dem Gedanken daran, wie sie mir gegenübertreten würden.
Vielleicht wäre es einfach besser gewesen, ich hätte bei meinem Vater im Auto oder vor der Haustür gewartet und würde eine kommende Konfrontation nicht noch provozieren.
Entschlossen drückte Chris die Klingel und mein Herz setzte einen Moment aus, ehe die Tür sich öffnete. Ich atmete wieder aus, als ich sah dass zum Glück seine Schwester vor uns stand, welche mich kurz musterte, ehe sie Chris in eine eher untypische Umarmung zog.
»Urghs... was soll dass denn?«, fragte Chris und tat so, als würde es ihn schüttelt, aber ich wusste dass ihm diese Geste dennoch etwas bedeutet hatte.
»Ich freue mich dich noch in einem Stück zu sehen. Keine Sorge, das war der letzte Gefühlsausbruch dieser Art.« Damit drehte sie sich um und verschwand im Flur, während wir beide noch kurz einen unsicheren Blick austauschten und ihr dann folgten.
Seine Eltern konnte ich nirgendwo sehen, allerdings nahm ich gedämpfte Stimmen aus Richtung des Wohnzimmers wahr.
»Was hast du gemacht, dass sie mir nicht an die Gurgel springen?«, fragte Chris misstrauisch und seine Schwester grinste ihn an.
»Ich habe sie nur etwas unter Druck gesetzt. Ich habe da meine Methoden.« Dabei wirkte sie so vergnügt, dass es wirkte als hätte sie nur darauf gewartet ihren Eltern irgendwie eines auszuwischen. Wieder tauschte ich mit Chris einen kurzen Blick, ehe wir das Thema lieber nicht so genau vertieften und in sein Zimmer gingen, wo alles unglaublich ordentlich aussah.
»Gut, sie haben schon mal nichts angefasst...«, murmelte Chris mehr zu sich selbst und nahm sich eine der Taschen. Die nächste Stunde verbrachen wir damit, die Taschen so voll zustopfen wie es nur ging und die Sachen nach Wichtigkeit zu ordnen. Alles bekamen wir natürlich nicht in die Taschen, aber immerhin genug dass nicht mehr viel übrig blieb.
Als wir fertig waren warf Chris mir einen unsicheren Blick zu, ehe er sagte: »Ich möchte nochmal mit ihnen reden.«
Sandy warf ihm einen Blick zu, als hätte er gerade gefragt ob er aus dem Fenster springen sollte.
»Dad wird dich in der Luft zerreißen. Es ist ein Wunder, dass sie das alles so still über sich ergehen lassen... Fordere dein Glück nicht unnötig heraus, du weißt dass sie ihre Meinung ohnehin nicht...«, begann sie doch Chris schüttelte mit dem Kopf.
»Ich weiß, dass sie mich so oder so nicht mehr als ihren Sohn akzeptieren werden, mein restliches Leben lang. Aber trotzdem möchte ich mit ihnen reden.« Wir gingen hinunter, stellten die Taschen ab und gingen dann ins Wohnzimmer. Ich versuchte mich im Hintergrund zu halten, doch natürlich wurde ich sofort bemerkt und hasserfüllt angestarrt, womit ich gerechnet hatte. Das was mich allerdings frösteln ließ, war der Blick mit dem Chris Vater ihn anschaute. So voller Hass und das dem eigenen Sohn gegenüber. Ich hätte nie gedacht, dass es auch im echten Leben Menschen gab, die selbst der eigenen Familie gegenüber so intolerant sein konnten.
»Das kann doch nicht dein Ernst sein. So jemand? Hast du ihn dir mal angesehen?«, fragte seine Mutter und musterte mich, als wäre ich nur ein kleines Insekt, welches es gewagt hatte zu existieren.
»Ja, das ist mein Ernst.« Es überraschte mich das Chris so ruhig bleiben konnte, während seine Eltern sich ihm gegenüber so verhielten.
»Ich habe dir doch gesagt, dass du dich von ihm fernhalten sollst! Wir wussten von Anfang an, dass er einen schlechten Einfluss auf dich haben würde und meines Wissens nach haben wir dir jeglichen Umgang mit ihm verboten. Jetzt bist du seinetwegen krank!« Seine Mutter wurde immer lauter, während sein Vater gefährlich ruhig blieb. Er warf mir nun auch einen Blick zu, der mich umbringen würde, wäre es möglich.
»Ich bin nicht krank und er ist auch kein schlechter Einfluss. Er ist unglaublich nett und im Moment würde ich schon fast sagen, dass er das einzige Gute in meinem Leben ist. Außerdem könnte ich ohne ihn nie hier vor euch stehen und euch die Wahrheit sagen.« Seine Mutter machte den Mund auf, als wolle sie etwas sagen, doch sein Vater unterbrach uns.
»Raus. Raus aus meinem Haus und lass dich nie, nie wieder hierblicken.« Dabei war seine Stimme so kalt, dass es war als würde sie durch die Luft schneiden. Chris seufzte, dann drehten wir uns um und verließen das Haus.
»Bist du ein Masochist? Oder warum wolltest du mit ihnen reden, wenn du wusstest dass es darauf hinauslaufen wird?«, fragte ich als wir uns von seiner Schwester verabschiedet hatten und die Tür hinteruns ins Schloss gefallen war. Er zuckte mit der Schulter.
»Ich weiß es nicht. Lass uns jetzt bitte von etwas anderem reden.« Wir gingen zum Auto, stapelten die Taschen hinein und ließen uns auf die Sitze fallen. Mein Vater schien an unserer Stimmung zu merken, dass es besser war die Begegnung nicht anzusprechen, sondern fuhr einfach schweigend nach Hause.
Nachdem wir die Taschen ins Zimmer gebracht hatten, ließ ich mich auf mein Bett fallen und schaute Chris an, der unschlüssig im Zimmer stand und sich gerade mit der Hand durch die Haare fuhr. Man merkte ihm an, dass ihn die Begegnung aufgewühlt hatte und ich wollte mir nicht vorstellen wie es gewesen wäre, wenn meine Eltern so heftig reagiert hätten.
»Danke«, sagte er schließlich und ich musste nicht nachfragen um zu wissen, wofür er mir dankte.
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Broken Mirrors (BoyxBoy/Yaoi)
Teen FictionPhoenix - genannt Ash - ist ein ganz normaler Junge. In seinem Leben ist nicht alles perfekt, aber er hat gelernt die meisten Dinge hinzunehmen und damit umzugehen. Anders ist Chris. Obwohl er nach Außen hin selbstbewusst und stark wirkt und man nic...
