Seit der Party hatte ich Chris kaum noch gesehen. Die Prüfungen waren schon in einer Woche was hieß, dass er fast nur noch lernte, keine Zeit mehr für mich hatte und auch nur zu unregelmäßigen Zeiten in der Schule war, weswegen wir uns auch so kaum über den Weg liefen. Seine Nachrichten waren auch nur noch kurz angebunden und obwohl es mich traurig machte, sagte ich kein Wort dazu sondern ließ ihm die Ruhe, die er brauchte.
Wenn ich in einem Jahr Prüfungen schrieb, wird es mir sicher auch so ergehen...
Da Mike ebenfalls kaum Zeit hatte, verbrachte ich meine Nachmittage mit Shane oder Takumi, wobei sich letzterer seit einigen Tagen auch zurück zog. Die Party war für ihn der reinste Reinfall gewesen, was vor allem daran lag, dass Damian die Hälfte der Zeit mit seiner Freundin auf dem Sofa geknutscht hatte. Zwar hatte Takumi es tatsächlich geschafft mit ihm zu sprechen und anscheinend hatten sie auch Nummern ausgetauscht, aber natürlich hatte er keinerlei Hoffnung darin dass etwas ernstes daraus werden würde. Dafür war er viel zu realistisch.
»Kommst du heute mit zu mir?«, fragte Takumi, als wir in den Bus stiegen und uns auf den Sitz fallen ließen.
»Klar gerne, ich habe sowieso nichts zu tun«, antwortete ich seufzend und er sah mich an.
»Die Prüfungen sind bald vorbei, dann kannst du mit Chris so viel Zeit verbringen wie du möchtest.« Wir stiegen bei seiner Haltestelle aus und betraten das Haus, in welchem Takumi wohnte. Es war groß und ansehnlich, hatte einen gepflegten Garten und war überall ordentlich und sauber. Seine Mutter war den ganzen Tag zu Hause und kümmerte sich um alles, da sein Vater genug Geld verdiente und sie sich damals um die Kinder gekümmerte hatte, welche bis auf Takumi schon alle ausgezogen waren.
»Ich bin wieder zu Hause und habe Ash mitgebracht!«, rief er und seine Mutter kam lächelnd aus dem Wohnzimmer. Obwohl sie schon fast auf die 50 zu ging, sah sie auf eine erschreckende Art und Weise noch immer aus wie gerade erst 30, dunkle Haare, die asiatischen Gesichtszüge und sie war schön.
Sie fragte ihn etwas auf japanisch und er antwortete. Wie immer stand ich stumm daneben, da ich kein einziges Wort von ihrem Dialog verstand und ging dann mit Takumi zusammen in sein Zimmer.
Sein Zimmer war das einzige im ganzen Haus, welches unordentlich war. Überall lag etwas herum, Klamotten, leere Spielhüllen, Kissen. Ich schlängelte mich durch die Sachen hindurch, schob ein paar Kleidungsstücke zur Seite und setzte mich auf sein Bett.
Eine ganze Weile spielten wir ein Spiel, bis Takumi angerufen wurde und genervt ran ging.
»Ja?«, fragte er und dann redete die Person am anderen Ende, was ich nicht verstehen konnte. Als Takumi auflegte, seufzte er.
»Das war Damian. Er möchte mit mir reden, anscheinend hat er gerade Stress mit seiner Freundin«, sagte er und schnitt eine Grimasse, als wäre es das schlimmste auf der Welt. Dabei müsste er ja erfreut darüber sein, wenn es zwischen den beiden Probleme gab.
»Soll ich dann gehen?«, fragte ich und er schüttelte mit dem Kopf.
»Nein, bleib nur. Er kommt irgendwann her und wenn du dann noch hier bist, hat er Pech gehabt. Ich verstehe sowieso nicht, warum er gerade mit mir darüber reden will, wir sind nicht einmal wirklich befreundet wir schreiben nur ab und zu miteinander und sagen ein paar Sätze in der Schule wenn wir uns mal über den Weg laufen.«
»Wer weiß?« Wir spielten weiter, bis es klingelte und Damian kurz danach das Zimmer betrat.
Er musterte mich kurz.
»Hey Ash, wusste gar nicht dass du hier bist«, meinte er und warf einen Blick zu Takumi, der nur mit der Schulter zuckte.
»Ich wollte sowieso gerade gehen, es ist besser wenn ich euch allein lasse. Sehen wir uns morgen in der Schule?« Takumi nickte und ich erhob mich, nickte Damian kurz zu und machte, dass ich schnell aus dem Haus verschwand. Zwischen den beiden war eine seltsame Spannung gewesen, etwas richtig unheimliches.
Ich lief nach Hause, dann zog ich mein Handy aus der Tasche. Keine neue Nachricht. Enttäuscht öffnete ich dennoch Whats App, einfach um zu sehen ob nicht vielleicht doch eine Nachricht gekommen war, mein Handy sie mir nur nicht angezeigt hatte.
Aber natürlich hatte ich keine neue Nachricht, nicht einmal von Chris.
Seufzend ließ ich mein Handy zurück in meine Tasche gleiten, öffnete die Haustür und ging sofort in mein Zimmer, wo ich bis zum Abendessen auch bleiben würde.
Ich spielte mit dem Gedanken Chris einfach anzurufen, aber ich war mir nicht sicher, inwieweit er es gut finden würde, wenn ich ihn jetzt beim lernen störte. Trotzdem, ich wollte wenigstens seine Stimme hören...
Also versuchte ich ihn anzurufen und er ging auch tatsächlich ran.
»Ja?«
»Hey Chris. Ich wollte nur kurz mit dir reden«, sagte ich und hörte, wie sein Stuhl knarrte, als er sich zurück lehnte.
»Die Pause vom Lernen wird mir gut tun. Nächste Woche Montag ist die erste Prüfung und ich werde drei Kreuze machen, wenn ich das alles hinter mir habe«, meinte er seufzend.
»Kann ich mir gut vorstellen. Ich hoffe ich habe dich nicht sehr gestört?«
»Nein, es ist schön mit dir zu reden. Es tut mir leid, dass wir uns zur Zeit kaum sehen können.«
»Du musst dich aufs Lernen konzentrieren – da ist das okay. Und danach können wir ja so viel machen, wie wir wollen.«
»Darauf freue ich mich schon. Die Prüfungen sind zwar schon gegen Mittag zu Ende, aber wir können uns ja trotzdem kurz sehen oder? Ich kann bis zur Pause warten, sobald ich fertig bin. Ich glaube es würde mir gut tun, danach kurz mit dir zu reden«, sagte er unsicher und sofort spürte ich wie mein Herz begann schneller zu schlagen.
»Klar, sicher. Es würde mich freuen... wir sehen uns dann.« Damit legte ich auf und lehnte mich zurück.
Ich konnte es kaum erwarten, bis die Prüfungszeit vorbei war.
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Broken Mirrors (BoyxBoy/Yaoi)
Genç KurguPhoenix - genannt Ash - ist ein ganz normaler Junge. In seinem Leben ist nicht alles perfekt, aber er hat gelernt die meisten Dinge hinzunehmen und damit umzugehen. Anders ist Chris. Obwohl er nach Außen hin selbstbewusst und stark wirkt und man nic...
