»Geht es dir gut?«, fragte mich Dan, nach dem der Unterricht geendet hatte und wir noch im Eingangsbereich herumstanden, als wüssten wir nicht, was wir mit unserer Freizeit anfangen sollten. Unauffällig hielt ich nach Ash ausschau, der noch immer nicht erschienen war.
»Dan... du musst nicht jeden Tag fragen, ich werde mich schon nicht umbringen«, gab ich total genervt zurück und Dan hob eine Augenbraue, lies es dann aber unkommentiert. Er wusste wie er mit mir umgehen musste wenn ich, an Tagen wie heute, wieder diese Stimmungsschwankungen hatte. Ich hoffte meine Laune würde bald zu guter Laune umschlagen.
»Okay. Wenn du mich brauchst, sag mir ruhig bescheid – ich muss jetzt nach Hause, heute steht die Geburtstagsfeier von meiner Oma an.« Er verzog das Gesicht und sah mich dann mit einem hilflosen Blick an, als wolle er das ihn jemand von seinem Elend erlöste doch meine Mundwinkel zuckten nur und er drehte sich seufzend um.
»Oh Gott Ash, was hast du nur mit deinen Haaren gemacht?!«, kreischte ein Mädchen so laut, dass sich so ziemlich alle die sich noch im Eingangsbereich befanden zu der Geräuschquelle umdrehten.
Ash stand an seinem Schließfach, vor ihm ein Mädchen mit braunen Haaren und einem Gesicht, dass man schon gefühlte hundert Mal bei anderen gesehen hatte. Sie starrte ihn an und er verdrehte genervt die Augen, murmelte etwas.
Was auch immer das Mädchen für ein Problem hatte, ich fand das blau zwischen dem schwarz passte perfekt zu ihm und stand ihm wirklich gut.
Ich ging etwas näher heran und hörte was sie sagten.
»Clara, musst du so rumschreien?« Ashs Stimme war alles andere als freundlich, doch das Mädchen schien seinen Ton anscheinend nicht einmal zu bemerken.
»Ich fande deine schwarzen Haare viel cooler, vor allem nachdem du das Piercing hast machen lassen. Nun ja, egal! Eigentlich wollte ich dich etwas fragen und zwar, ob du heute mit mir ausgehen würdest?«, fragte sie gerade heraus und Ash schaute sie vollkommen perplex an, als würde er nicht wissen was er jetzt darauf sagen sollte. Ohne das ich wusste warum, ging ich zu ihm, legte ihm einen Arm um die Schulter und lächelte diese Clara an.
»Tut mir leid, aber heute ist Ash schon mit mir verabredet. Du musst ihn an einem anderen Tag fragen«, sagte ich und warf ihr das charmanteste Lächeln zu, was ich auch nur irgendwie aufbringen konnte.
»Oh, das wusste ich nicht. Dann an einem anderen Tag. Viel Spaß euch beiden!«, sagte sie gut gelaunt und zog von dannen, während ich meinen Arm wieder von Ashs Schulter nahm und ihn unauffällig „abputzte" um das unangenehme Gefühl einer Berührung verschwinden zu lassen. Natürlich brachte es nichts, das unangenehme Kribbeln hielt trotzdem noch an.
»Danke du hast mir gerade echt geholfen«, meinte Ash seufzend und schloss sein Schließfach zu, steckte den Schlüssel in seine Hosentasche.
»Keine Ursache. Scheinst ja echt beliebt bei den Mädchen zu sein.« Er warf mir einen zweifelnden Blick zu.
»Auch nur genauso viel wie du. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was sie an mir findet, aber ich habe absolut kein Interesse.«
»Echt nicht? Sie ist doch recht süß.« Er verdrehte die Augen, dann stieß er die Eingangstür der Schule auf und ging nach draußen. Ich lief neben ihm her, ohne zu wissen was ich sagen sollte. Den ganzen Tag über hatte ich überlegt wie ich ihn ansprechen sollte, aber jetzt wo ich die Chance dazu hatte wusste ich nicht, was ich sagen sollte.
»Warum hast du mir eigentlich den Zettel gegeben?«, fragte ich, da es das erste war das mir einfiel und was mich tatsächlich interessierte.
»Du wirktest so niedergeschlagen, da dachte ich, dass es dich aufmuntern könnte. Hat es geholfen?« Ich nickte und ein wunderschönes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
»Ich wohne in der anderen Richtung... Willst du noch etwas mit zu mir kommen? Immerhin hast du ja gesagt du wärst mit mir verabredet, also warum wollen wir es nicht einfach in die Tat umsetzen?«, fragte Ash dann aus heiterem Himmel und ich starrte ihn überrascht an. Am liebsten hätte ich Ja gesagt, mit ganz vielen Ausrufezeichen, doch ich zögerte. War das wirklich eine gute Idee? Was ist, wenn er mich nicht mögen würde, oder seine Meinung über mich änderte?
»Nein tut mir leid, ich kann heute nicht, muss Abends wohin.« Er wirkte ein wenig enttäuscht, doch nickte.
»Dann ein andermal. Wir sehen uns.« Damit drehte er sich um und verschwand langsam aus meinem Blickfeld, während ich mich auf den Weg nach Hause machte.
Ich kam zur Wohnungstür herein, stellte meine Schuhe in den Flur und ging dann in die Küche, wo meine Mutter bereits den Tisch gedeckt hatte. Wir würden nur zu zweit Essen, da mein Vater noch arbeiten war und Sandy wieder in der Uni.
»Wie war die Schule?«, fragte sie und ich seufzte.
»Langweilig.« Sie stellte das Essen auf den Tisch und ich setzte mich.
»Hast du dich schon beworben?« Ich wusste das diese Frage kommen musste – seit Wochen redete meine Mutter von nichts anderem, als dass ich mich endlich entscheiden sollte was ich mit meinem zukünftigen Leben anfangen sollte. Doch es war nicht so einfach, wie sie es sich vorstellte – im Gegensatz zu Sandy wusste ich nicht schon in der achten Klasse was ich später mal werden sollte, sondern tappte noch völlig im Dunkeln. Ich wusste nicht was mir lag oder Spaß machen könnte...
»Nein. Ich weiß nicht wo.« Sie seufzte und sah mich dann an.
»Du musst dich aber langsam entscheiden, du willst doch etwas aus deinem Leben machen oder nicht?«
»Ich weiß.«
»Na dann mach auch etwas! Du musst langsam mal aufwachen und begreifen, dass du nicht ewig in deinem Leben weiterhin nur vor dir hinleben kannst, ohne dir Gedanken um deine Zukunft zu machen. Ich kann nicht verstehen, wie dir das egal sein kann.« Sie irrte sich gewaltig.
Ich dachte ständig daran. Jeden Tag. Was ich tun sollte, warum ich es immer noch nicht wusste, wie es weitergehen sollte, ob es überhaupt weiterging und was passierte, wenn mein Leben – wie jetzt – weiterhin bei diesem Stillstand blieb. Es war mir alles andere als egal und die Tatsache, dass man mir solchen Druck machte, machte das alles nur noch schlimmer statt besser.
»Ich habe keinen Hunger mehr.« Ich schob meinen Teller zur Seite und ging die Treppe nach oben.
»Lauf nicht immer weg!«, rief meine Mutter mir hinterher, doch ich ignorierte sie, ging in mein Zimmer, schloss die Tür hinter mir ab und drehte die Musik so laut auf wie es ging.
Warum verstand mich nur niemand?
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Broken Mirrors (BoyxBoy/Yaoi)
Teen FictionPhoenix - genannt Ash - ist ein ganz normaler Junge. In seinem Leben ist nicht alles perfekt, aber er hat gelernt die meisten Dinge hinzunehmen und damit umzugehen. Anders ist Chris. Obwohl er nach Außen hin selbstbewusst und stark wirkt und man nic...
