Heute ist der 23. Dezember und ich vermisse Grandpa noch mehr als die letzten Tage.
Morgen Abend ist der Ball und wir werden mit unserem Orchester zum Tanz spielen. Ach ja, dazu: Ich spiele Klarinette, Hannah Bratsche und Fleur Harfe. Théo ist nicht im Orchester, Piérre auch nicht. Warum muss ich immer an ihn denken?
Weil ich in ihn verliebt bin, ist ja gut. Hab's kapiert.
Ich sitze allein im Gemeinschaftsraum vor dem Kamin und mache den Aufsatz für Professor Melt. Es ist die letzte Hausaufgabe, den Rest habe ich schon fertig. Und Fleur hat noch nicht mal angefangen!
Vielleicht hört es ja gleich auf zu schneien, dann werde ich die anderen zusammentrommeln und sie zu einer Schneeballschlacht zwingen, ich brauch ein wenig Ablenkung und außerdem frische Luft. Oder wir gehen ins Dorf runter, das ist uns in den Ferien frei erlaubt, wir müssen nur um fünf zurück sein. Ich brauche neues Pergament, Federn und Süßigkeiten. Fleur auch. Sie bestreitet es zwar, aber ich weiß, dass es bei ihr echt knapp ist.24. Dezember. Heute ist der Ball und wir haben gleich unsere Generalprobe. Natürlich müssen wir nicht alle den ganzen Abend spielen, es gibt drei Besetzungen. Ich bin in der letzten, was ich ganz gut finde, weil ich dann nicht vor so vielen Leuten mehr spielen muss. Außerdem kann ich die Eröffnung miterleben und noch ein wenig tanzen. Es hat mittlerweile sogar aufgehört zu schneien, der Schnee liegt zwei Meter hoch! Eine Schneeballschlacht haben wir natürlich auch schon gemacht und der ganze Schulhof ist voller Schneemänner, alle Schüler haben sich zusammengetan und sie in stundenlanger Arbeit gebaut. Sie sind immer noch dabei.
Über Nacht haben die Hauselfen, Miss Marchand und ein paar Freiwillige die Schule wunderschön weihnachtlich geschmückt. Überall stehen Räuchermännchen, Rentiere aus Glas, kleine Tannenbäume, künstlicher Schnee rieselt aus Wolken herab, die durch die Gänge fliegen und die Statuen sind vereist worden. Das ist noch lange nicht alles, ich habe nur keine Lust, alles aufzuzählen, weil ich noch gar nicht alles gesehen habe. Geschenke gab es heute Morgen. Ich habe vieeel Schokolade, einen neuen Hut, neue Bücher von Muggelautoren, einen dunkelblauen Wollpulli und eine Masse von meinen heißgeliebten Kürbispasteten, die es hier leider nicht gibt, bekommen.
Auf ihrer Weihnachtskarte schrieb Liana, dass sie schrecklich doll in Viktor Krum verknallt ist, er aber eine Freundin hat. Kann ich verstehen. Nur, dass Piérre keine Freundin mehr hat. Adriénne ist jetzt mit Clement zusammen und ich habe sie mal in einem leeren Klassenzimmer erwischt.....ein äußerst unschönes Erlebnis. Ich sage lieber nicht, was sie gemacht haben, denn dann wäre dieses Kapitel nicht jugendfrei. Uuurrgh.....schon bei der Erinnerung daran muss ich würgen. Aber okay, vergessen wir das, anderes Thema.
"Clara, jetzt komm, die Probe fängt gleich an!", ruft Hannah, sie hat ihre Bratsche schon in der Hand. Blitzschnell rutsche ich von der Fensterbank, schnappe meine Noten und meine Klarinette und renne ihr hinterher. Fleur ist schon da und sieht uns ein wenig vorwurfsvoll an, weil wir so spät sind. Schnell setzen wir uns auf unsere Plätze und stimmen unsere Instrumente. Monsieur Muziek kommt herein, die Probe beginnt. Die Stücke sind nicht allzu schwer, wenn man gut mitzählt und sich konzentriert. Ansonsten fliegt man raus und Monsieur Muziek kennt da kein Erbarmen, er gibt keine Einsätze, wenn man rauskommt. Aber sonst ist er ein guter Dirigent und Lehrer.
Nach der Probe kommt er zu mir.
"Mademoiselle Dumbledore, ich möchte gern, dass Sie heute Abend das Solo im Eröffnungswalzer übernehmen. Ich weiß, dass Sie es können, ich habe Sie im Proberaum gehört, es war hervorragend. Sie sind doch damit einverstanden?", fragt er mich.
"K..klar, warum nicht...", ich bin so perplex, dass ich nicht darüber nachdenken kann. Muziek nickt zufrieden.
"Mademoiselle Delacour wird Sie begleiten. Ach ja: Ich weiß, Sie spielen eigentlich in der dritten Besetzung, aber ich höre, Sie spielen so gut, dass Sie mehr Beachtung vom Publikum brauchen. Ich habe Sie gegen Mademoiselle Nek eingetauscht, sie ist einverstanden", fügt er hinzu und lächelt, als er meine verduzte Miene sieht. Dann dreht er sich um und geht. Er sollte mal an seiner Haltung arbeiten, er lässt seine Schultern zu sehr nach vorn hängen.
Um 16 Uhr beginnen Fleur und ich uns fertig zu machen. Für den Anfang im Orchester: Schwarzes Kleid, schwarze Strumpfhose, schwarze Schuhe, schwarze Strickjacke. Konzertkleidung halt. In unsere Taschen packen wir unsere Kleider für den Ball. Dann flechte ich Fleurs unglaublich lange Haare zu einem lockeren Fischgrätenzopf, der ihr wunderbar steht. Dann steckt sie meine Locken so hoch, dass es elegant und cool zugleich aussieht. Sie bindet zuerst einen hohen Pferdeschwanz, dann flechtet sie sie zu einem festen Zopf und steckt sie letztendlich zu einem Dutt zusammen, der ziemlich dick ist. Vorne hängt an beiden Seiten je eine Strähne heraus. Dann sind wir fertig für den Ball.
Vor dem Beginn gibt es noch eine kurze Probe, dann müssen wir uns hinter die Bühne verziehen. Ich und Hannah gehen quatschend die kurze Treppe herunter und das Bisschen Gang entlang, als mich plötzlich jemand am Arm festhält und mich umdreht. Ich schaue in dunkelbraune Augen. Ihr könnt es euch denken - es ist Piérre.
"Ich wollte dir viel Glück wünschen, für dein Solo", sagt er und lächelt. Nicht sein übliches, angeberisches Ich-bin-der-Beste-Grinsen, sondern ein echtes, ehrliches Lächeln. Ich muss sagen, das steht ihm gut. Ich lächle schüchtern zurück, murmele "Danke", und laufe zu Hannah.
"Was war das denn bitte?", fragt sie lachend. Ich zucke nur mit den Schultern und setze mich auf einen Hocker. Ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich auf Wolke fünfzehn schwebe. Piérre hat mir Glück gewünscht! Nur mir!
"Meine Damen, bitte machen Sie sich bereit, Sie müssen gleich auf die Bühne!", ruft Muziek leise.
"Viel Erfolg!", sagt Hannah zu mir und Fleur. Sie ist erst in der zweiten Besetzung dran und hat dort auch ein Solo. Wir stellen uns in einer Reihe auf, ich als achte, Fleur als letzte von uns elf. Wir gehen auf die Bühne, ignorieren ganz professionell den Applaus und nehmen unsere Plätze ein. Madame Maxime hält eine kurze Rede, doch ich kann nicht zuhören. Ich atme tief durch und konzentriere mich. Merlin, bin ich aufgeregt! Monsieur kommt auf die Bühne und verbeugt sich vor dem Publikum. Er gibt mir das vereinbarte Zeichen. Ich stehe auf. Fleur spielt die ersten Töne, ganz zart und elfenhaft klingt es. Ich zähle den langsamen Takt mit. Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei, Einsatz von Muziek, ich beginne zu spielen. Kaum habe ich angefangen, breitet sich eine tiefe Ruhe in mir aus, meine Knie zittern nicht mehr und meine Hände sind nicht mehr kalt. Ich lasse die Musik durch den Saal tanzen, ich schaue nicht mehr auf die Noten, ich weiß, was ich spielen muss. Die ersten Paare betreten die Bühne und fangen an zu tanzen.
Forte, piano, legato, staccato, Achtel, Viertel, Halbe, Sechzehntel. Viel zu schnell endet das Stück. Ich setze mich wieder und blicke fragend zu Muziek hin - er strahlt mich an.
"Großartig!", flüstert er. Ich grinse zurück.
Nach eineinhalb Stunden, die mit Musik gefüllt und viel zu schnell um sind, ist unsere Besetzung fertig. Wir stehen auf, lächeln, verbeugen uns, gehen von der Bühne. Dort umarmen ich und Fleur uns.
"Du warst super!", sagt sie und blickt mich glücklich an.
"Du doch auch!", erwidere ich. Wir nehmen unsere Tüte und gehen uns umziehen, wir wollen ja auch am Ball teilnehmen.
Wieder im Saal laufe ich Piérre in die Arme. Er lächelt mich mit seinem schönem Lächeln an. Mir fällt auf, dass er süße Lachfältchen an den Augen hat. Er sagt nichts, zieht mich nur in seine Arme. Ehe ich irgendwas tun kann, ist er schon wieder verschwunden. Vollkommen überrascht lasse ich mich auf einen Stuhl sinken. Ich nehme mir ein Glas Butterbier vom Tisch, trinke jedoch nicht. Fleur lässt sich neben mir auf einen anderen Stuhl fallen. Sie hat es gesehen, das sehe ich an ihrem Blick. Doch sie hält die Klappe.
Den restlichen Abend sitze ich am Tisch, höre der Musik zu oder tanze mit Théo. Er ist ein guter Freund und hat keine Partnerin für heute Abend. Nach der zweiten Besetzung setzt sich Hannah zu mir und wir fangen wie immer an zu quatschen. Fleur, die heute wirklich wunderschön ist, tanzt mit einem Jungen nach dem nächsten. Schließlich setzt sie sich erschöpft zu uns und nimmt sich ein Glas Kürbissaft.
"Das war echt anstrengend", sagt sie und ist ein bisschen außer Atem. Plötzlich taucht Enzo vor uns auf, hat aber nur Augen für Hannah.
"Werte Dame, darf ich um diesen Tanz bitten?", fragt er sie. Man muss schon sagen, er hat Charme. Doch Hannah schüttelt angeekelt den Kopf, steht auf und setzt sich woanders hin. Fleur und ich fangen an zu kichern und laufen ihr hinterher.
Später am Abend, als die meisten schon wieder gegangen sind, bittet mich Muziek, noch einmal mit Fleur den Walzer zu spielen. Also spielen wir noch einmal und es ist wunderschön, wir müssen dafür nicht mal Konzertkleidung tragen. Dann nehmen wir Hannah, Béatrice und Théo mit nach oben und gehen ins Bett.
Es ist kurz vor Mitternacht und ich bin todmüde. Der Abend war lang, kein Wunder also.
Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen schlafe ich ein.
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Mein magisches Leben und ich (Harry Potter FF) ✔️
FanfictionDieses Buch erzählt die Geschichte von Clara Cecily Dumbledore, Albus Dumbledores Enkelin. Schon zu Anfang ihrer Schulzeit in Hogwarts ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin Liana Sphinx die Beste ihres Jahrgangs und wird deswegen in den Süden F...