22. Kapitel

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Ich klopfe an die Tür zum Büro meiner Mutter.
"Herein!", ruft sie. Ich betrete das Büro. Sie hat es hübsch eingerichtet, mit vielen Bildern an den Wänden, einem weichen Teppich auf dem Boden und einem Regal mit vielen Büchern.
"Clara! Wie schön, dass du mich besuchst! Möchtest du Kekse? Ich habe gerade welche gebacken", kommt Cecilia mir entgegen. Ich werde sie wohl niemals "Mum" nennen können. Zumindest fürs erste nicht.
"Nein danke, ich bleibe nicht lange", erwidere ich, "Ich muss dich nur über etwas informieren."
"Na dann leg los."
"Ich habe eine Gabe. Ich kann und in meinen Träumen die Zukunft vorhersehen. Und ... letzte Nacht habe ich geträumt, dass ein Werwolf mich beißen wird", erkläre ich. Sie schlägt die Hände vor den Mund und starrt mich an.
"Und die Zukunft, die du träumst, wird immer wahr?", fragt sie.
"Immer", antworte ich traurig, "Bis jetzt war es zumindest immer so. Ich träume sowas unglaublich selten."
"Oh."
"Und Grandpa weigert sich hartnäckig, zu dir Kontakt aufzunehmen, ich glaube, er ist gewaltig sauer auf dich."
"Kann ich verstehen", murmelt Cecilia. Dann kommt sie zu mir und umarmt mich.
"Wir könnten nach Ägypten gehen", flüstert sie, "Da geschieht dir nichts. Ja, das machen wir. In den Weihnachtsferien hauen wir einfach ab!"
"Bist du verrückt?" Ich stoße sie von mir. "Wir können nicht einfach so fort von hier! Das hier ist mein Zuhause!" Ich packe sie an den Schultern und schüttele sie.

Das kann doch nicht ihr Ernst sein!

"Das hier ist nicht dein Zuhause!", zischt sie. Dann wendet sie sich ab. "Du hast deiner Mutter zu gehorchen!"
"Ich soll auf dich hören? Ich soll auf meine Mutter hören, die sich über dreizehn Jahre meines Lebens nicht um mich gekümmert hat, sich nicht einmal gemeldet hat?", frage ich ruhig, doch meine Stimme zittert von unterdrückter Wut. Ohne eine Antwort abzuwarten, renne ich aus dem Raum und knalle die Tür hinter mir zu. Dann laufe ich die Treppen nach oben- auf den Astronomieturm. Oben angekommen beschwöre ich meinen Patronus (ein Delfin) herauf und beginne zu reden: "Grandpa, Cecilia will mich nach Ägypten bringen. Ich habe ihr von dem Traum erzählt, wie du gesagt hast, und sie meinte, sie würde mit mir in den Weihnachtsferien einfach abhauen und dass ich ihr zu gehorchen hätte." Ich schnippe einmal mit meinem Zauberstab und mein Patronus fliegt in Richtung Norden davon. Ein paar Minuten später schwebt Grandpas Patronus, ein Phönix, vor mir. "Clara, ich bin in zehn Minuten da, deine Mutter wird gewaltig was von mir zu hören bekommen. Sag Miss Marchand, dass ich bei ihr durch den Kamin komme."

Der ist sauer.

Eilig laufe ich die Treppen hinab zu Miss Marchands Büro und gebe ihr Bescheid, da purzelt Grandpa auch schon durch den Kamin. Als er sich aufrichtet, sehe ich, dass seine Augen blitzen. Ich umarme ihn.
"Wo ist ihr Büro?", fragt er.
"Ich führe dich hin", antworte ich und gehe los. Grandpa kommt mit wehendem Umhang hinterher.
Bei Cecilias Büro angekommen, öffnet Grandpa ohne anzuklopfen die Tür.
"Cecilia. Komm heraus, wo immer du auch bist", sagt er barsch.
Zögernde Schritte nähern sich der Tür, die zu den Privaträumen führt.
"Wer ist da?"
"Das weißt du genau. Jetzt komm heraus." Die Tür öffnet sich, und meine Mutter kommt heraus. Sorgfältig schließt sie die Tür hinter sich.
"Dad? Was tust du hier?"
"Ich habe erfahren, dass du meine Enkelin ungefragt mit nach Ägypten nehmen willst", antwortet Grandpa. Cecilia starrt mich wütend an.
"Kleine Petze", zischt sie.
"Clara hat mir lediglich erzählt, was du vorhattest."
"Das.... das war ein Scherz! Ein harmloser Scherz!", versucht sie auszuweichen. Grandpa tritt auf sie zu und packt sie an den Schultern, sodass sie ihn ansehen muss.
"Cecilia, hör mir jetzt zu. Du bist zwar meine Tochter, aber du hast dich die letzten sechzehn Jahre weder bei mir blicken lassen, noch hast du dich in irgendeiner Weise gemeldet. Vor dreizehn Jahren hast du mir deine Tochter vor die Tür gelegt und bist mit deinem Mann nach Ägypten durchgebrannt. Du hast dich zwei Jahre lang kaum um deine eigene Tochter gekümmert, das Kind war vollkommen abgemagert und schrie in einem fort! Du hast nicht einmal eine Nachricht hinterlassen! Erkläre mir das mal, Cecilia!"
Cecilia zieht den Kopf ein. Offensichtlich hat sie in den letzten Jahren vergessen, wie beeindruckend Grandpa sein kann.
"Erkläre mir das!", wiederholt er.
"Mein Mann hat mich überzeugt mitzukommen!", will sie sich herausreden. Ich verdrehe die Augen.
"Und jetzt die Wahrheit bitte", fordere ich.
"Dich geht das hier gar nichts an!", faucht sie.
"Ich stimme deiner Tochter zu. Sag uns die Wahrheit."
"Na gut." Cecilia sinkt in sich zusammen. "Mein Mann wollte kein Kind. Wir waren unvorsichtig bei... na ja, ihr wisst schon. Als ich ihm dann erzählte, dass ich schwanger war, rastete er vollkommen aus. Als Clara dann geboren wurde, hat er sie vom ersten Augenblick an gehasst. Er wollte dich verhungern lassen, und ich konnte dich nur füttern, wenn er nicht da war. Bitte, Dad, glaub mir! Es ist wahr! Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, informierte Filius, apparierte nach Hogwarts und legte sie vor deiner Tür ab. Als ich wieder zu Hause war, behauptete ich, sie wäre verschwunden und wahrscheinlich in den Fluss gefallen. Er glaubte mir nicht und verließ mich, aber er überwachte mich immer noch, ohne Pause. Als er dann vor sieben Jahren umgebracht wurde, hatte ich euch vergessen, hatte einen neuen Mann und einen kleinen Sohn, aber der Mann starb und meinen Sohn nahm man mir fort. Um ihn hatte ich mich wirklich schlecht gekümmert. Dad, bitte, es ist die Wahrheit! Glaub mir!"
"Ich kann nicht nachweisen, dass es unwahr ist, Cecilia. Ich glaube dir. Aber wie konntest du uns vergessen? Wie?" Das scheint Grandpa völlig unbegreiflich zu sein. Cecilia sinkt noch weiter in such zusammen.
"Es tut mir unendlich leid", flüstert sie, "Ich hatte eine Arbeit, eine kleine Familie und so viel zu tun. Ich weiß selbst nicht, wie ich euch trotzdem vergessen konnte." Ihr laufen die Tränen übers Gesicht.
"Clara, meinst du, dass wir das vergessen können?", fragt Grandpa mich. Ich zögere kurz, doch dann nicke ich überzeugt. Cecilia blickt ungläubig zwischen uns hin und her.
"Ihr wollt mir verzeihen? Alles?", fragt sie fassungslos.
"Unter einer Bedingung", erwidere ich, "nämlich, dass du nie wieder auf so dämliche Ideen kommst, wie mich mit nach Ägypten zu nehmen."
"Ich verspreche es."

 Mein magisches Leben und ich (Harry Potter FF) ✔️Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt