Nach etwas Mühe mit dem Platzaufseher Mr Roberts - ein Muggel - und Schwierigkeiten mit dem Muggelgeld (Zitat Steffi: "Warum denkt man es sich denn aus, mit Papier zu bezahlen?") schaffen wir es, den uns zugewiesenen Platz auf Feld eins zu finden.
Monsieur Bélier holt aus seinem Rucksack zwei kleine Stoffpakete und legt sie auf den Boden.
"Alle ein paar Schritte zurück", weist er uns an. Die beiden Pakete beginnen zu wachsen und sich umzuformen, bis nach wenigen Sekunden zwei Zelte vor uns stehen, ein großes und ein kleines.
"Das große für die Mädels, das kleine für die Jungs", sagt Steffi vergnügt und verschwindet, ohne eine Antwort abzuwarten, im größeren Zelt. Felix macht ein empörtes Gesicht.
"Stell dich nicht so an", necke ich ihn. "Vier brauchen halt mehr Platz als zwei." Ich mache meine Hand von seiner los und betrete ebenfalls das größere Zelt. Von innen ist es noch größer als von außen. An der einen Wand stehen zwei Hochbetten, an der anderen ein Herd und eine Spüle. Dazwischen sind gemütliche Sessel um einen kleinen Tisch aufgestellt, auf dem verschiedene Zeitschriften liegen. Eine Stoffwand mit Holztür trennt diesen Raum von einem anderen, in dem sich ein Schrank, eine Toilette und eine winzige Dusche befinden.
"Es ist doch immer wieder erstaunlich, was Magie alles kann", spricht Arièlle, die inzwischen neben mir steht, meine Gedanken aus. "Willst du oben oder unten schlafen?"
Ich entscheide mich für die untere Etage des Hochbettes und stelle meinen Rucksack davor.
"Warum sind wir eigentlich so früh gekommen?", fragt Stella und klettert die Leiter des anderen Bettes hinauf.
"Es gab nur diesen einen Portschlüssel in unserer Nähe", antwortet Steffi, die in einem der Sessel sitzt und sich eine der Zeitschriften gegriffen hat. "Außerdem wäre es für die Organisatoren viel zu anstrengend, wenn alle, die zum Finalspiel wollen, gleichzeitig ankämen."Eine Stunde später ziehen Arièlle und ich mit Eimern los, um Wasser zu holen, denn weder die Spüle noch die Dusche geben sonderlich viel her. In der Schlange vor einer der Wasserstellen belauschen wir belustigt die Gespräche einiger Zauberer, die von der Muggelwelt ganz offenbar vollkommen irritiert sind.
"Muss das wirklich so?", fragt ein Mann zweifelnd und versucht, den erbärmlichen Krawattenknoten zu betrachten, den ein anderer ihm gebunden hat. Dieser ist sehr überzeugt von seinem (nicht vorhandenen) Können.
"Ja, das muss so. Das tragen alle Muggel!"
Arièlle neben mir dreht sich zur Seite und presst sich in dem Versuch, nicht zu lachen, eine Hand auf den Mund. Ich stoße ihr den Ellbogen in die Seite, kann aber ein Grinsen auch nicht unterdrücken.
Mit den vollen Wassereimern trödeln wir - in der Hoffnung, jemanden aus Beauxbatons zu finden - zwischen den Zelten hindurch.
"Clara! Arièlle!", ruft plötzlich eine bekannte Stimme hinter uns her. Ich drehe mich um und sehe Fleur und Hannah auf uns zukommen.
"Achtung, kaltes Wasser!", warne ich lachend und setze meine Eimer ab, um die beiden umarmen zu können.
"Habt ihr Madame Maxime gesehen?", fragt Hannah nach ein wenig Geplauder. "Sie hat mich mit hergenommen, weil Maman nicht wollte, aber wir haben uns irgendwie verloren."
Ich schüttle den Kopf und sehe im Augenwinkel drei jüngere Schüler an uns vorbeigehen, ebenfalls mit Wassereimern, und der Rotschopf ist unverkennbar ein Weasley. Ron, der Jüngste. Bei der Erinnerung an den sabbernden Zweitklässler muss ich grinsen.
"Frag doch mal die drei da", sage ich zu Hannah, wohl in dem Wissen, dass weder Harry Potter noch Hermine Granger noch Ron Weasley auch nur ein Wort Französisch können.
"Achtet auf den Rothaarigen", flüstere ich Fleur und Arièlle zu.
"Habt ihr Madame Maxime gesehen?", fragt Hannah. Während Harry und Hermine sie völlig verständnislos ansehen, läuft Ron rosa an, was sich fürchterlich mit seiner Haarfarbe beißt - und sabbert.
Fleur, Arièlle und ich bringen uns lachend außer Hörweite. Sekunden später kommt Hannah dazu und erdolcht mich mit Todesblicken.
"Du wusstest, dass die kein Wort Französisch können, oder?", fragt sie. Ich muss noch mehr lachen.
"Entschuldige, das musste einfach sein. Der Gesichtsausdruck von dem kleinen Rothaarigen war einfach zu schön, als er dich gesehen hat", erkläre ich breit grinsend. Fleur neben mir hört immer noch nicht auf zu lachen - bis Hannah "Das gibt Rache" murmelt. In den nächsten Minuten ist Fleur damit beschäftigt, Hannah zu besänftigen und zu versuchen, sie von einem Racheplan abzubringen - ohne Erfolg.Am Abend sitzen wir in einer ziemlich großen Runde um ein Lagerfeuer. Hannah, Fleur, Arièlle und ich haben den Nachmittag damit verbracht, das riesige Gelände zu erkunden und Leute aus unserem Jahrgang aufzutreiben, wobei wir tatsächlich einige gefunden haben. Felix unterhält sich mit seinem besten Freund Cornelius (der genau wie ich den Bereich der Heiler gewählt hat), Emilia redet wie immer wie ein Wasserfall und streitet zwischendurch liebevoll mit Sarah, und Atlantis sitzt neben Lucie und Alice und hört gar nicht auf, von ihren Ferien in Norwegen zu schwärmen.
"Das sieht zwar alles sehr französisch aus hier, aber ich denke, gegen englische Gäste wird hier niemand was haben." Vertraute englische Laute. Vertraute Stimme. Ich drehe mich um.
"Grandpa!" Ich springe auf und umarme meinen Großvater.
"Mein Kleines", murmelt er. "Wie hab ich dich vermisst." Er schiebt mich auf Armeslänge von sich. "Du bist ja schon wieder gewachsen", sagt er lächelnd. Wie früher.
"Gewachsen?" Ich lache auf. "Grandpa, ich bin seit zwei Jahren nicht mehr gewachsen."
Grandpa lächelt verschmitzt.
"Da hat sie nur Augen für ihren Großvater", erklingt eine andere, lang nicht gehörte Stimme. Ich löse mich von Grandpa.
"Liana?", frage ich. Groß, schlank. Roter Umhang, blonder Pferdeschwanz.
"Richtig." Wir umarmen uns lange.
"Dein Granddad hat mich aufgesammelt", erklärt sie. Dann blickt sie an mir vorbei. "Ist das besagter Felix?", fragt sie. "Du angelst dir auch immer die besten Jungs." Ich drehe mich um. Da steht tatsächlich Felix, ein verlegenes Lächeln im Gesicht.
"Grandpa", sage ich. "Ich möchte dir gern meinen Freund Felix Rougier vorstellen. Felix, das ist mein Großvater Albus Dumbledore."
"Guten Abend, Sir", sagt Felix höflich und reicht Grandpa die Hand. Dieser mustert ihn mit seinem berühmten Röntgenblick.
"Guten Abend", erwidert er den Gruß.Später am Abend setzt sich Grandpa zu mir, nachdem er sich lange mit Felix unterhalten hat. "Pass auf, dass der Junge bei dir bleibt, Kleines", sagt er und blickt mich über seine Halbmondbrille hinweg an. "Einen besseren wirst du kaum finden. Er ist vernünftig, klug und weiß, was er tut und sagt. Und er liebt dich sehr." Ich nicke.
"Danke, Grandpa", sage ich leise.
"Danke wofür?"
"Dass du Felix akzeptierst. Ich habe mir Sorgen gemacht, dass du ihn vielleicht nicht magst."
Grandpa lächelt.
"Nichts zu danken, Kleines", antwortet er. "Solange ein Junge dich liebt und du ihn, solange er weiß, was er mit seinem Leben anfangen will, solange er nicht untätig herumsitzt und dich alles tun lässt, wäre ich auch mit einem der Weasley-Zwillinge einverstanden. Außerdem habe ich ja nicht zu bestimmen, wen du in dein Herz lässt und wen nicht." Ich lächle im Gedanken an die Weasleys.
"Ich hab dich lieb, Grandpa."
"Ich dich auch, Kleines."
Im Laufe des Abends werden Grandpa und Liana fast allen vorgestellt. Liana versteht sich prächtig mit Hannah und Fleur (wobei Hannah den Übersetzer für Fleur spielen muss, da diese weder bulgarisch noch englisch kann, was das Gespräch allerdings nicht groß beeinträchtigt) und auch Felix ist ihr nicht ganz unsympathisch.
"Der ist genehmigt", sagt sie zu mir. "Netter Mensch."
Ich beginne zu lachen.
"Muss mein Freund erst von dir genehmigt werden, damit er das mit meinem Herzen anstellen darf, was er schon vor gefühlten Ewigkeiten angestellt hat?", frage ich.
"Jawoll", erwidert Liana in drolligem Ernst. "Sonst geht gar nichts."
"Und was ist mit deinem Viktor?", gebe ich zurück. "Du schwärmst in deinen Briefen immer noch meterlang von ihm. Wenn du Felix unter die Lupe nehmen darfst, werde ich das bei Viktor wohl auch tun dürfen."
Nun lacht sie doch.
"Das wird schwierig. Er hat morgen früh noch ein letztes Training und nach dem Spiel wird noch ewig gefeiert, selbst wenn Bulgarien nicht gewinnt. Da wird es schwer, an ihn ranzukommen. Außerdem", fügt sie beleidigt hinzu, "schreibe ich gar nicht meterlang von ihm. Höchstens ... zwanzig Zentimeter pro Brief."
"Das geht als meterlang durch", antworte ich trocken.
"Viktor Krum ist dein Freund?", fragt Felix ungläubig und setzt sich zu uns. Ich übersetze für ihn. Er kann noch weniger Englisch als Fleur. "Ich bin absolut für Bulgarien. Viktor ist mein Lieblingsspieler."
Liana grinst.
"Gut so", sagt sie. "Ich werde es ihm ausrichten. Und du, Clara? Für welches Land bist du? Sag nichts falsches", droht sie lachend.
"Ich will ja niemanden beleidigen oder mich unbeliebt machen", sage ich grinsend. "Aber - ich bin Engländerin. Natürlich bin ich für Irland."
"Tztztz", macht Liana. "Wetten?"
"Bulgarien gewinnt", sagt Felix überzeugt. "Irland hat zwar bessere Jäger, aber Krum ist zweifellos der bessere Sucher."
Cornelius gesellt sich ebenfalls dazu.
"Irland wird mehr Tore schießen", widerspricht er. "Außerdem kann niemand besser mit Klatschern umgehen als die beiden irischen Treiber."
"Gut, was ist der Gewinn?", frage ich lachend.
"Wer verliert, bekommt nichts zu Weihnachten", schlägt Liana vor.
"Das ist nicht wirklich effektiv, wenn man in verschiedenen Ländern wohnt", sagt Felix. "Ich würde sagen, wer gewinnt ..."
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Mein magisches Leben und ich (Harry Potter FF) ✔️
FanfictionDieses Buch erzählt die Geschichte von Clara Cecily Dumbledore, Albus Dumbledores Enkelin. Schon zu Anfang ihrer Schulzeit in Hogwarts ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin Liana Sphinx die Beste ihres Jahrgangs und wird deswegen in den Süden F...