70. Kapitel

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"Am besten fangen Sie bereits an, für Ihren Abschluss alles zu wiederholen, was Sie je im Unterricht gelernt haben", sagt Flitwick und blickt eindringlich in die Runde. "Die Prüfungen sind schwer, selbst für Zauberer und Hexen auf Ihrem Niveau. Und glauben Sie mir, ich hatte selten einen so guten Abschlussjahrgang."

"Jetzt schon lernen, so ein Nonsens", beschwert sich Emma. "Sollen wir die Prüfungen im Frühling machen?"
Fleur, Atlantis und Soraya stimmen ihr zu.
"Na ja", werfe ich ein, "ihr habt Flitwick gehört: Sogar der Stoff aus Geschichte der Zauberei in der fünften Klasse kann wichtig sein."
"Geschichte der Zauberei haben wir alle schon vor über zwei Jahren abgewählt", widerspricht Atlantis.
"War ja auch nur ein Beispiel", antworte ich. "Das kann genauso auch mit Verwandlung oder Zauberkunst passieren."
"Na super", brummt Liana, die sich gerade neben Soraya setzt. Wie immer in den letzten Wochen hat sie schlechte Laune.
"Viktor hat sich nicht mal entschuldigt", hat sie erzählt, nachdem sie mit ihm Schluss gemacht hat. "So ein Arsch."
"Alles, was er kann, ist halt Quidditch", sagte ich dazu. Ich war gerade mit einem schwierigen Aufsatz für Snape beschäftigt und hatte für anderes in dem Moment nicht viel übrig.
"Und küssen. Das kann er auch. Das hat diese Granger vermutlich schon rausgefunden", sagte Liana missmutig.
Jetzt sitzt sie da und stochert in ihrem Kartoffelpüree herum, ohne etwas davon zu essen. Soraya blickt sie besorgt an und beginnt, auf Bulgarisch sanft, aber bestimmt auf sie einzureden. Aber Liana will nicht hören, denn nach einer Minute stößt sie einen bulgarischen Fluch aus, schlägt mit der Faust auf den Tisch, sodass ihr Kürbissaft überschwappt, steht auf und eilt davon. Soraya schaut ihr bedrückt hinterher.
Liana schwänzt den Nachmittagsunterricht und wird dafür zum Nachsitzen in Gonnis Büro beordert, aber das ist ihr herzlich egal. Sie schlurft hin, bleibt zwei Stunden weg und kommt danach wieder zurückgeschlurft. Flora und Soraya versuchen vergeblich, sie aufzumuntern. Schließlich hole ich Flip und setze ihn auf ihren Schoß. Als er sie aus müden, etwas treudoofen Knopfaugen anschaut, schleicht sich ein leichtes Lächeln auf ihr Gesicht und sie fängt an, ihn zu streicheln. Flip gibt ein wohliges Fiepen von sich und klettert auf ihre Hand.
Fred und George hatten nicht ganz recht, als sie sagten, das winzige blaue Fellknäuel brauche nur Schlaf. Denn als Flora von irgendwoher eine Schachtel Kekse hervorholt, wird Flip aufmerksam. Mit einer erstaunlich langen Zunge holt er sich sämtliche Krümel und frisst sie genüsslich auf. Als Liana ihm aber einen ganzen Keks hinhält, will er ihn nicht haben, also isst sie ihn selbst. Jedoch sperrt er sein kleines Mäulchen weit auf und bemüht sich, jeden einzelnen der herunterrieselnden Krümel aufzufangen. Wir lachen uns schief über ihn.

Am nächsten Abend machen Felix und ich einen Spaziergang durchs Schloss. Der Traum schleicht sich nur noch selten in meine Gedanken, dafür bin ich zu glücklich. Felix hat meine Hand genommen. Im Schloss ist es warm, aber oben auf unserem Ziel, dem Astronomieturm, ganz und gar nicht, deshalb haben wir beide unsere Winterumhänge und -stiefel angezogen. Als wir oben ankommen, trete ich an die Brüstung und genieße die herrliche Aussicht. So hoch oben sieht man den Sternenhimmel in seiner vollen Pracht. Felix legt von hinten seine Arme um seine Taille.
"Ich mag 'Ogwarts", sagt er nach einer Weile. Ich lächle still. Seine Hände sind unruhig; seine Finger spielen mit meinen.
"Weißt du, chérie, ich habe mir lange Gedanken gemacht, was ich jetzt sage", beginnt er auf einmal. "Ich liebe dich mehr als alles andere auf dieser Welt. Wenn man Arièlle mal ausschließt." Ich lache leise. Er auch. "Und ich möchte mein Leben mit dir verbringen." Es verschlägt mir die Sprache. Ein Heiratsantrag? Ich habe zwar damit gerechnet, dass das irgendwann passiert, aber frühestens, wenn wir beide unseren Abschluss haben. Felix spricht weiter. "Ich wollte dich also fragen ..." Er macht eine kurze Pause und holt dann tief Luft. "Würdest du - natürlich erst nach unserem Abschluss - meine Frau werden wollen?" Die Frage kommt leise, fast unsicher. Ich kann nicht antworten. Tränen des Glücks laufen mir über die Wangen. Meine Hände halten seine fest.
"Chérie?", fragt Felix vorsichtig. "Wenn du willst, auch erst in ein paar Jahren, und lass dir ruhig Zeit mit der Antwort -" Da kommt wieder Bewegung in mich; ich drehe mich in seinen Armen um und küsse ihn, bevor er seinen Satz beenden kann. Überrascht erwidert er den Kuss, hält mich fest in den Armen. Kurz löse ich mich von ihm und sehe ihn an.
"Ja", flüstere ich. "Ja, ich will." Es gibt keinen Ring, keinen Kniefall, keine Kerzen und keinen Sonnenuntergang. Aber es gibt ihn und mich, es gibt den perfekten Sternenhimmel über uns und niemanden, der uns sieht.
Felix strahlt mich an - und küsst mich wieder.
"Wie romantisch", flötet plötzlich eine Frauenstimme. Wir fahren auseinander und innerhalb einer Sekunde begreife ich: Es ist Bellatrix Lestrange.
Nein.
"Es tut mir ja so leid, dass ich euch unterbrechen muss", sagt sie, und ihre Stimme trieft von falscher Freundlichkeit. "Befehl von meinem Herrn." Hinter ihr flammt ein Zauberstab auf und erhellt den Astronomieturm. Felix blickt mich an. Seine Lippen formen stumm "Ich liebe dich". Er weiß, in welcher Situation wir uns befinden, er weiß, was gleich geschieht. Gleichzeitig ziehen wir unsere Zauberstäbe. Lestrange richtet genüsslich ihren Zauberstab auf mich. Ein böses Grinsen umspielt ihre Lippen.
"Ich werde dir gleich leider das Herz brechen, Schnucki", sagt sie zuckersüß und gehässig zugleich zu Felix. Er hebt seinen Zauberstab. "Aber deine Hübsche hier stört meinen Herrn."
"Niemals", knurrt Felix. "Eher tötest du mich als sie."
Bellatrix lacht laut auf.
"Avada Kedavra!"
"NEIN!"
Ein grüner Blitz.
Felix' Schrei, dann mein eigener, hoch und entsetzt. Er bricht auf dem Boden zusammen, mit aufgerissenen Augen, den Mund noch zum Schrei geöffnet. Tränen verschleiern meinen Blick, als ich voller Hass zu Bellatrix aufblicke und meinen Zauberstab gegen sie erhebe. Ich bin schneller als sie.
"Imperio!" Wie in Trance stoße ich mit brüchiger Stimme einen der Unverzeihlichen aus. Geht zurück ... na los, geht zurück ... erzählt Voldemort, dass ihr das Balg getötet habt ... und zerstört das Verschwindekabinett ...
Bellatrix und ihr Begleiter drehen sich folgsam um und gehen, während ich haltlos schluchzend neben Felix auf den Boden sinke und verzweifelt seinen Namen flüstere.

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So. Nu.
Es ist vollbracht.

Es tut mir leid.




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 Mein magisches Leben und ich (Harry Potter FF) ✔️Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt