In unserem Zimmer entsteht schnell ein liebenswertes Chaos: Emma, die ständig gut drauf ist, sich um Ordnung nicht kümmert und im Bad am längsten braucht, kriegt sich öfters mit der meist mürrischen Sarah in die Haare, die immer morgens duschen will und Unordnung verabscheut. Atlantis, die nur wenig sagt, sitzt meistens auf ihrem Bett und lächelt still in sich hinein, wenn die anderen beiden sich zanken. Wenn ich versuche, den Streit zu schlichten, läuft es meistens darauf hinaus, dass Sarah mir halb im Ernst, halb im Spaß droht, mich aus dem Fenster zu werfen und Emma sich darüber vor Lachen kringelt. Sie sucht erstaunlicherweise oft die Gesellschaft von Atlantis, die so ganz anders ist als sie, aber sie verstehen sich prächtig. Sarah taut langsam auf, lacht öfter, macht mit uns gemeinsam Hausaufgaben. Auch Atlantis redet mit der Zeit öfter mit uns, lächelt manchmal leise vor sich hin.
In Freistunden sitzen wir gemeinsam mit den anderen Mädchen, insgesamt sind wir zwölf, im Gemeinschaftsraum. Dieser ist wie die Schlafzimmer hellgrün gestrichen und die Möbel sind dunkelbraun und glänzen. Die dunkelgrünen Sessel und Sofas sind ohne System quer durch den großen Raum verteilt. In der Mitte befindet sich eine offene Feuerstelle, die abends brennt - und keiner weiß, wohin der Rauch verschwindet. Manchmal stehen am Abend auf einem Tisch daneben Berge von Marshmallows oder Würstchen, die über dem Feuer gegrillt werden.
An der einen Wand zieht sich ein riesiges Bücherregal mit Büchern über unseren Bereich, also über Kräuterkunde, Pflege magischer Geschöpfe, die dunklen Künste und die Verteidigung dagegen, Zaubertränke und Zauberkunst. Man bräuchte wahrscheinlich mehrere Jahre, um sie alle zu lesen.
Die Fenster an der anderen Seite sind groß und oval und zeigen jeden Abend einen herrlichen Sonnenuntergang über dem Wald. Am Tage brauchen wir keine Lampen, das Tageslicht genügt, und nachts schweben unter der Decke Massen von Kerzen, die nicht herunterbrennen und von denen auch kein Wachs tropft."Was wollt ihr nach Beauxbatons machen?", fragt uns Lara Baumeister eines Abends.
Das habe ich vergessen zu erwähnen: wir teilen mit den Siebtklässlern unseren Gemeinschaftsraum. Es würde sich nicht lohnen, nur für drei Wochen sechs Gemeinschaftsräume anzulegen. So schon sind es fast fünfzig, die fast den ganzen Raum der Türme einnehmen - glücklicherweise brauchen etwa fünfzehn Leute pro Gruppe nicht allzu viel Platz, sonst wäre am Ende die ganze Burg ein einziger Gemeinschaftsraum.
"Ich will die nächste Schulkrankenschwester hier sein", sagt Emma und strahlt wie üblich. Sarah grinst.
"Die Kinder werden dich lieben", sagt sie. Emma strahlt noch breiter.
"Ich gehe nach England zurück", melde ich mich zu Wort. "Ich will als Medimagierin im St. Mungo Hospital arbeiten."
"Nach England?", kommt von mehreren Mädchen die Frage.
"In England lebt mein Großvater. Ich möchte nicht länger so weit von ihm entfernt sein, als es nötig ist", erkläre ich. "Außerdem will Felix versuchen, im englischen Ministerium eine Arbeit zu bekommen."
"Ich werde auch Medimagierin", wirft Alice ein, ein rothaariges Mädchen mit fast schwarzen Augen aus dem Zimmer neben uns.
"Lucie und ich machen zusammen eine Praxis auf." Die Blonde neben ihr nickt.
"Braucht ihr da nicht ein paar mehr Leute?", fragt Sarah. Lucie zuckt unbekümmert die Schultern.
"Wir finden schon jemanden", antwortet sie.
Alle erzählen von ihren Zukunftsplänen. Nur Atlantis schweigt.
"Was ist mit dir, Atlantis?", fragt Lara sanft. Eine ganz andere Seite tritt in ihr zum Vorschein, wenn sie nicht mit ihrem Bruder irgendwelchen Unsinn ausheckt.
Atlantis senkt den Kopf.
"Ich möchte auch als Medumagierin arbeiten", sagt sie schließlich und hebt den Kopf wieder. "Aber nicht wie Clara im Krankenhaus oder Alice und Lucie in einer Praxis. Ich möchte in die armen Länder gehen und den Menschen dort helfen."
"Das ist doch eine großartige Idee!", sagt Emma. "Warum hast du nicht gleich davon erzählt?"
"Meine Eltern halten nichts davon. Sie sagen, Muggel verdienen es nicht, dass man ihnen hilft, egal wie schlecht es ihnen geht", erklärt Atlantis.
"So ein Unsinn!", empöre ich mich. "Muggel sind doch auch Menschen! Uns könnte es genauso schlecht gehen wie denen, die irgendwo in Afrika Hunger leiden."
Atlantis nickt.
"Das habe ich auch gesagt und mein älterer Bruder auch, aber sie wollen mich unbedingt im Ministerium haben. Ich habe aber diesen Bereich gewählt." Stolz leuchtet in ihren Augen auf.
"Dann lasst uns darauf anstoßen!" Lara macht eine Bewegung mit ihrem Zauberstab und plötzlich hat jeder ein eisgekühltes Glas Butterbier in der Hand.
"Auf Atlantis!"
"Auf uns alle!", widerspricht Atlantis, aber sie lächelt. Wir stoßen miteinander an und tauschen uns weiter über unsere Zukunftspläne aus, nicht nur im beruflichen Sinne. Lara erzählt von einem kleinen Haus an der nordwestlichen Küste Frankreichs, in das sie mit ihrem Freund ziehen will, der bereits seinen Abschluss hat. Sarah träumt von einem Bauernhof und einer eigenen Tierklinik in den Bergen. Ich erzähle von meinem Traum einer Wohnung in der Winkelgasse in London, obwohl ich weiß, dass es unrealistisch ist, eine der begehrten und teuren Wohnungen dort zu bekommen.Unsere Runde löst sich erst am späten Abend auf, als jedes Marshmallow aufgegessen und jedes Butterbier ausgetrunken ist. Die Jungs haben sich später auch zu uns gesellt, und es stellte sich heraus, dass es in diesem Bereich einige Pärchen gibt - am schlimmsten sind Alice und ihr Freund Antoine, den ich aus Astronomie kenne. Sie hielten den ganzen Abend Händchen und konnten kaum den Blick voneinander abwenden. So schlimm sind nicht einmal Felix und ich.
Apropos Astronomie: Meine Mutter unterrichtet es immer noch, aber wir haben keinen Kontakt. Sie behandelt mich wie die anderen Schüler, aber manchmal wirft sie mir traurige Blicke zu. Ich versuche, die Nähe zu ihr zu vermeiden. Sie hat Grandpas und mein Vertrauen missbraucht.Am nächsten Tag treffe ich mich mit Felix und gemeinsam gehen wir nach unten ins Dorf. Es ist bis jetzt der heißeste Tag in diesem Jahr und direkt nach dem Unterricht haben alle Schüler die Uniform gegen Shorts und T-Shirt eingetauscht.
"Warum hast du eigentlich nie gesagt, dass du vor mir mit Sarah zusammen warst?", schneide ich schließlich das Thema an, das ich schon seit Tagen ansprechen will. Felix bleibt stehen.
"Woher weißt du das?"
"Ich bin mit ihr in einem Zimmer", antworte ich.
"Ich wollte dich nicht eifersüchtig machen." Er weicht meinem Blick aus. "Hättest du nicht. Aber wenn ich damals gewusst hätte, das du eine Freundin hast, hätte ich mich zurückgehalten. Sarah hat mir erzählt, wie schwer die Zeit nach der Trennung für sie war. Du hast ohne Erklärung mit ihr Schluss gemacht. Das hat sie sehr verletzt."
Felix hebt den Kopf.
"Willst du, dass ich mit dir Schluss mache und wieder mit ihr zusammenkomme, oder was?", fragt er mit einem wütenden Unterton in der Stimme. "Sie hat das Gespräch mit mir nicht gesucht, entsprechend bin ich davon ausgegangen, dass sie mit der Trennung klargekommen ist."
Ich blicke ihn ungläubig an.
"Das kann doch nicht dein Ernst sein!", entfährt es mir. "Warum sind Männer immer so unsentimental? Weißt du eigentlich, nein, ahnst du auch nur, wie idiotisch und respektlos es ist, jemanden ohne ein Wort der Erklärung sitzen zu lassen?" Meine Augen röntgen Felix. "Natürlich hat sie das Gespräch mit dir nicht gesucht! Sie hat erwartet, und das würde jedes andere Mädchen auch tun, dass du ihr erklärst, was Sache ist! Du hast mit ihr Schluss gemacht, also hattest du ihr auch zu erklären, warum!"
"Wie sollte ich denn wissen, dass es ihr nicht gut geht?", fährt Felix mich an. "Sie hat ja keinen Laut von sich gegeben!"
"Sie war mit dir in einer Lerngruppe", antworte ich. "Ihr habt zusammen Unterricht gehabt, zusammen gelernt, und ihr wart ein Jahr lang zusammen! Du wusstest doch, wie sie tickt. Hättest du wissen müssen."
Felix hebt die Hände und lässt sie wieder fallen. Dann wendet er sich von mir ab.
"Mir fällt ein, ich muss noch einen Aufsatz für Verwandlung schreiben. Wir sehen uns."
Damit rauscht er davon.
"Felix, warte!" Ich mache ein paar Schritte hinterher, aber er ignoriert mich. Ich bleibe stehen.
Wir sehen uns.
So hat er sich noch nie von mir verabschiedet. So abweisend. Immer gab es einen Kuss oder eine Umarmung oder beides. Nie hat er etwas davon ausgelassen. Mit zitternden Händen schicke ich je einen Patronus zu Fleur und Hannah.
"Können wir reden? Warte am Dorfplatz auf euch."

DU LIEST GERADE
Mein magisches Leben und ich (Harry Potter FF) ✔️
FanfictionDieses Buch erzählt die Geschichte von Clara Cecily Dumbledore, Albus Dumbledores Enkelin. Schon zu Anfang ihrer Schulzeit in Hogwarts ist sie zusammen mit ihrer besten Freundin Liana Sphinx die Beste ihres Jahrgangs und wird deswegen in den Süden F...