Es verging viel Zeit. Sehr viel Zeit, die mit dem Gleichen immer gefüllt war. Tage – soweit man davon in Sanguinem sprechen konnte – verstrich und die Stunden des Schlafs türmten sich langsam aber sicher auf. Mein Alltag war stets derselbe, vielleicht änderte sich ab und an etwas, aber doch blieb er gleich. Manchmal, kam Crowley zu mir. Reden taten wir nicht. Eigentlich über gar nichts, deswegen schwiegen wir.
Das Geschehene blieb geschehen und doch vernahm man eine deutliche Veränderung war. Niemals mehr griff er mich an. Stets machte er sich mit einer gewissen Lautstärke auf sich aufmerksam, sodass ich ihn immer erahnen konnte. Niemals mehr erschrak ich mich und niemals mehr übte er Gewalt auf mich ein. Dass sein Griff mich trotzdem einnahm, ließ sich nicht verhindern.
Er ist ein Vampir. Ihre Stärke ist nun einmal vorhanden.
Doch trotz all dem schmerzten seine Bisse nicht mehr und so hinterließ er zwar sichtbare Spuren, doch es fühlte sich nicht schlimm an. Ich hatte keine Angst mehr vor ihm, nur eben fand ich diese Veränderung auffällig. Jedoch schien ich die Einzige zu sein, der dies auffiel.
Oder aber er versteckt seine Erinnerungen.
Noch immer entschied er, wann er sich Blut nahm. Die Stelle blieb dieselbe. Stets war es der Hals, niemals woanders biss er mich und doch waren die Orte verschieden. Mein Körper aber und mein Kopf gewöhnten sich schnell an diese Tatsache, sodass ich wesentlich entspannter war. So wie auch heute.
Es war beinahe zum Alltag geworden, dass ich die meiste Zeit in der Bibliothek verbrachte. Es gab so unendlich viele Bücher, die ich mir alle ansehen wollte. Wie lange meine Zeit noch war, vor allem hier, wusste ich nicht. Doch ich wollte sie ausnutzen und so viel lesen wie es eben nur ging, ehe der Tag kommen würde wo ich es nicht mehr konnte. Denn ich hatte nicht vergessen, dass wir immer noch einen Vertrag besaßen, worin er meinen Tod ebenfalls bestimmen konnte. Nur konnte ich nach diesem einen Vorfall auch dabei nicht mehr sicher sein, ob er mich überhaupt jemals töten würde. Immerhin hatte er es einmal nicht geschafft, dessen Begründung ich immer noch nicht so ganz verstand. Doch ich wusste, es gab viele Mittel und Wege, ein Leben auszulöschen und nicht bei jeder musste man sich die Finger schmutzig machen.
Obwohl es momentan nicht danach aussieht, als würde ich in der nächsten Zeit mein Leben verlieren. Aber ich darf es auch nicht ignorieren, sondern muss diese Momente sinnvoll nutzen.
So blätterte ich durch einige Seiten, während mein Kopf gelangweilt auf meinen Armen lag. Irgendwie saß ich auf diesen Stühlen, die zum Verhältnis meines Körpers viel zu groß waren. Doch trotz all dem waren sie bequem. Für lange Momente des Sitzens reichten sie aus, denn den Boden wollte ich nicht nutzen.
Der Marmor ist viel zu kalt.
Man konnte sagen, dass ich hier beinahe wie zu Hause war. Wobei ich genau wusste, dass ich nur geduldet wurde. Noch immer sprach er mich mit Mensch an und doch spürte ich selbst in seinen Worten etwas Neues. Nicht harsch oder im Befehlston sagend konnte ich es vernehmen, nein, es war eher ruhig und entspannt.
Ob es ihm wirklich nicht auffällt?
Es waren nur Kleinigkeiten und doch beschäftigten sie mich sehr. Stets stellte ich mir dieselben Fragen, während ich dasselbe tat. Und je länger ich hier saß, umso deprimierter wurde ich. Auch wenn es eigentlich unverständlich klang, da er mich nun anscheinend nicht mehr angriff und mir Gewalt antat, so fühlte ich mich erdrückt. Immer dasselbe Haus zu sehen, immer dasselbe zu tun und immer dasselbe zu erleben. Es war auf Dauer nicht gut. Zeitweise wünschte ich mir nur eine Stunde, die ich Draußen verbringen konnte. Nicht in Sanguinem, das reichte mir schon lange nicht mehr, sondern wirklich an der Oberfläche. Ich wollte die frische Luft spüren und sehen wie es dort oben aussah. Ich wollte die Sonne sehen und wissen, welche Jahreszeit nun dieses Chaos übernehmen würde oder übernommen hatte.
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Blutrot
FanfictionEine Welt die nur von Chaos geprägt ist. Man lebt und überlebt. Wenn man es nicht macht, dann stirbt man. So hat man sich anzupassen, doch manchmal, da fordert einen das Schicksal hinaus. Manchmal, da ist man gezwungen von seinem gewohnten Pfad sich...
