zwölf

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Den Rest der Woche sehe ich Cole während den Unterrichtsstunden und in den Pausen nur ab und zu. Vermutlich, weil er auch mit anderen Menschen abhängt.

Seltsamerweise bin ich in diesen Tagen kein einziges Mal müde, wenn ich morgens aufstehe. Was vielleicht daran liegt, dass Cole mich jeden Morgen von zu Hause abholt und wir gemeinsam zur Schule gehen. Noah hat begonnen, den Bus zu nehmen. Womöglich, um mich bei nichts zu stören oder was auch immer, aber darüber denke ich nicht genauer nach.

Erst freitags, am Tag der Party, als Noah bei mir zuhause ist, spreche ich ihn während eines Videospiels darauf an. Aber er zuckt nur mit den Schultern und murmelt etwas von einem Mädchen im Bus, das er sehen möchte.

Komischerweise ist Noah sehr verschlossen, wenn ich ihn nach diesem mysteriösen Mädchen befrage.
Aber ich lasse es gut sein.

Eine halbe Stunde, bevor wir zur Party aufbrechen, sitzen mein bester Kumpel und ich gerade in der Küche und trinken eine der megateuren Weinflaschen meines Vaters. Wir haben ein Spiel daraus gemacht, je eine möglichst exklusiv aussehende Flasche auszusuchen und dann den Preis zu googlen. Die Teurere trinken wir dann.

Einfach, um meinen Vater zu nerven, wenn all seine Weinflaschen langsam verschwinden. Noah kann meinen Vater nämlich auch nicht sonderlich gut leiden.

Mit einem lauten Seufzen betritt Liv die Küche. Es ist schon witzig. Bis auf unsere grünen Augen sehen sich meine Zwillingsschwester und ich uns fast gar nicht ähnlich. Ihre Haare sind dunkelblond und glatt, meine dunkelbraun, fast schwarz, und stehen meistens vollkommen durcheinander von meinem Kopf ab.

Flauschig, so beschrieb sie Josh immer, wenn er mit seinen Händen hindurchfuhr.

Liv sieht uns frustriert an. "Ich weiß einfach nicht, was ich zu der verdammten Party anziehen soll."

Normalerweise ist es ihr egal, was sie anhat, aber ich glaube, heute will sie irgendeinen Jungen beeindrucken.
Um ihn zu sehen, geht sie auch hin, ebenso wie ich.

"Oh Olivia, Darling, benötigen Sie Stylingberatung?", säuselt Noah in gespielt hochnäsigem Ton und erhebt sich.

"Wenn Sie so freundlich wären, Verehrtester.", spielt Liv mit.

Beide sehen mich erwartungsvoll an.

"Hey, nur weil ich schwul bin, bin ich noch lange kein Modedesigner.", sage ich empört. Mit einem unterdrückten Seufzen stehe allerdings auch ich auf und halte beiden einen Arm hin, um sich unterzuhaken. "Nun denn, auf in die Räumlichkeiten. Kleiden wir Sie ein, Miss."

Noah schnappt sich die Weinflasche und somit verschwinden wir in Livs Zimmer.

Nach einer ziemlich seltsamen und seltsam lustigen Modenschau entscheidet sich Liv für ein fast vollkommen schwarzes Grunge-Outfit.
Also eigentlich fast dasselbe, was sie  tagsüber auch trägt.

Ich bin fast ebenso schwarz angezogen, schwarze Jeans, dunkelgraues Shirt, grauer Sweater, schwarze Jacke. Converse wie immer. Nur Noah ist etwas bunter gekleidet, blaue Jeans und so Zeugs.

Als er Liv während den Anproben ihrer Kleidung die Weinflasche entgegenstreckt, verneint sie verantwortungsbewusst. Sie ist unsere Fahrerin heute und verweigert daher jeglichen Alkohol.

Mein bester Freund und ich halten uns im Gegensatz zu ihr nicht zurück. Dementsprechend gut gelaunt sind wir, als wir zur Party aufbrechen. Das kann lustig werden.

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