Bevor Alles in die Brüche ging, strich er meinen nackten Rücken entlang und küsste liebevoll meine Schultern. "Wer hätte das je gedacht", lachte Ethan und strich nun meine Haare aus meinem Gesicht, während er neben mir lag. "Du und ich"
Ich lachte ebenfalls und griff ihm durch seine Haare. "Ethan und Katelyn", sagte ich unsere Namen. Ethan schloss bei meiner Berührung seine Augen, worauf meine Hand nun über seine Wange wanderten. Sofort küsste er meine Hand. "Danke, dass du hier bist", flüsterte ich ihm zu und schenkte ihm erneut ein Lächeln.
Ethan küsste nun meine Mundwinkel und sah dann mit einem schiefem Lächeln zu mir. "Bitte", meinte er leise und strich mir nun über meine Stirn. Während ich auf meinem Rücken lag und ich jeden Zentimeter seines perfekten Gesichtes musterte, sah er mir tief in die Augen. Sein Lächeln verschwand von Sekunde zu Sekunde und leichte Falten bildeten sich auf seiner Stirn.
Sofort fing mein Herz zu rasen. Bereute er Etwa die Nacht zusammen schon? "Alles okay?", fragte ich mit einem Kloß in meinem Hals. Was, wenn er gar nicht mit mir schlafen wollte? Was, wenn ich mit dem Kuss auf der Terrasse zu weit ging? Zur Hölle, was wenn er eigentlich mir nicht in mein Zimmer folgen wollte?
"Ich habe nur daran gedacht, dass ich diese Momente nur für eine kurze Zeit haben werde", flüsterte er leise und sah mich traurig an. "Du bist hier auf Nantucket, ich lebe hunderte von Kilometer entfernt von Dir."
Einerseits war ich erleichtert, weil er Nichts davon bereute doch auf der anderen Seite wurde ich traurig. Denn Ethan hatte Recht - in weniger als zwei Monaten wird er nicht hier mehr auf der Inseln sein. Dennoch versuchte ich das Positive zu sehen und ließ mir meine plötzliche Traurigkeit nicht ansehen. "Dann lass uns bis dahin jeden Moment in vollen Zügen genießen, Ethan Lewis."
Kurz lächelte er, doch meine Worte waren ihm nicht genug. Ethan Lewis schloss für wenige Sekunden seine Augen und schluckte stark. "Ich möchte dich Katelyn. Nicht nur für den Sommer", öffnete er seine Augen. Die Lust in seinen eisblauen Augen war verschwunden, während sich etwas Anderes in ihnen ausbreitete. "Ich möchte dich jeden Tag sehen."
Ich lächelte leicht und strich ihm über die Wange. "Ich möchte auch Nichts lieber als dich jeden Tag neben mir zu haben Ethan", flüsterte ich leise und sah ihm dabei tief in die Augen.
Ethan Legte seinen Kopf in meine Hand und atmete tief aus. Vorsichtig strich ihm mit meinem Daumen über seine Schläfe. In diesem Moment prägte ich mir jeden Zentimeter seines Gesichtes ein, da ich für den Rest meines Lebens mich an diesen Moment erinnern wollte. "Komm mit mir", riss er mich aus meinen Gedanken. Im ersten Moment realisierte ich seine Worte nicht, weswegen ich meine Stirn leicht in Falten legte. "Komm mit mir Katelyn. Zieh zu mir, fang an zu studieren. Lebe endlich das Leben, welches Du möchtest. Ein Leben, welches Dich glücklich macht."
Sofort riss ich meine Hand weg und schüttelte meinen Kopf. Diese Vorstellung alleine hörte sich wundervoll an, doch ich konnte nicht. Ethan wusste es - wieso musste er es ständig aufbringen? "Das ist nicht so einfach", meinte ich nun zu ihm.
"Lege dieses Pflichtgefühl doch endlich ab, Katelyn. Du bist keinem Etwas schuldig. Denkst du nicht, es wäre an der Zeit endlich das zu tun, was du möchtest?", seine Stimme veränderte sich von einem Moment auf den anderen. Während dieses Eine ebenfalls aus seinen Augen verschwand.
"Du verstehst es nicht", setzte ich mich auf und verdeckte meinen Körper mit meiner Decke. "Was lässt dich glauben, ich wäre nicht glücklich? Wer bist du, dass du so über mein Leben urteilen darfst?", sprach ich die nächsten Worte aus ohne zu überlegen. Im Nachhinein gesehen, war die letzte Aussage viel zu harsch. Doch in diesem Moment war ich einfach so enorm wütend, weil Ethan Lewis es einfach nicht verstehen wollte, dass ich nicht von dieser Insel konnte. Jedenfalls nicht in den nächsten Jahren.
Die Worte lösten Etwas in ihm aus. "Oh, tut mir leid", sprang er auf seine Beine und zog sich nun wütend an. "Was fällt mir bloß nur dabei ein Dir zu helfen", rollte Ethan seine Augen und stand nun in seiner Kleidung vor mir.
Nun wurde ich ebenfalls wütend. "Was soll das bedeuten? Rede doch endlich Klartext!", antwortete ich etwas lauter und sah ihn mit einer gerunzelten Stirn. "Was lässt dich denken, dass ich hier nicht glücklich bin?"
Er lachte spöttisch und sag mich fragend an: "Was mich denken lässt, dass du hier nicht glücklich bist? Soll ich dich an die Male erinnern, als du mir am Telefon gesagt hast, dass du ebenfalls studieren möchtest? Dass du deine Freunde und mich an manchen Tagen beneidest? Soll ich dich daran erinnern, dass du das Restaurant eigentlich nie so früh übernehmen wolltest? An was soll ich dich noch erinnern? Dass dieses beschissene R-", stoppte er. Ethan Lewis wollte das Restaurant meiner Mutter in den Dreck ziehen.
Ich schüttelte meinen Kopf und fing traurig an zu lachen. "Wage es ja nicht das Restaurant meiner Mutter in den Dreck zu ziehen Ethan Lewis", spannte ich meinen Kiefer an und unterdrückte meine Tränen.
Er schüttelte seinen Kopf, denn er realisierte was er zuvor sagte. Ethan meinte dann: "Du weißt was ich meine."
"Nein Ethan, weiß ich nicht", hielt ich die Decke fest an meinem Körper. Ich konnte nicht fassen, dass ein solch wundervoller Abend so enden musste. Meine Augen füllten sich mit Tränen, doch ich legte lieber meine Hand ins Feuer, als vor ihm wieder zu weinen.
"Dieses Restaurant, die Eisdiele - dein Pflichtgefühl gegenüber deiner Mutter. All das hält dich von so vielen Dingen zurück, siehst du das nicht? Ich verstehe, dass du das Vermächtnis deiner Mutter weiterführen möchtest. Doch wann ist es an der Zeit Etwas für Dich zu tun und nicht für Andere? Du hast auf so viele Momente mit deinen Freunden verzichtet, du hast das Studieren in den Hintergrund gestellt, du verzichtest auf dein eigenes Leben und du ...", schüttelte er seinen Kopf während seine Stimme beim Reden immer leiser und leiser wurde. "Du verzichtest auf eine Beziehung ... ein Leben mit mir", schluckte er stark. Das erste Mal in all diesen Jahren sprach Ethan Lewis aus, dass er eine Beziehung mit mir wollte.
"Ich kann nicht", flüsterte ich heiser während die ersten Tränen über meine Wangen flossen. Tief atmete ich aus und sammelte jegliche Kraft für die nächsten Worte:"Ich werde bald die Vollmacht über das Restaurant und die Eisdiele bekommen. Ich kann nicht einfach gehen Ethan. Ich kann nicht dann einfach verschwinden", schloss ich meine Augen. Natürlich wusste ich, dass Ethan Lewis Recht hatte. Mein Leben war nun schon seit dem Tod meiner Mutter im Hintergrund. Doch ich brauchte nicht ihn dafür um mich daran zu erinnern, dass ich nicht das Glück habe mein Leben zu leben. "Ich weiß, dass du recht hast", öffnete ich meine Augen während noch mehr Tränen über meine Wangen flossen. "Aber ich kann hier nicht weg. Nicht in den nächsten Jahren."
"Was wird dann aus uns?", füllten sich nun auch seine Augen mit Tränen. Doch er blinzelte sie sofort weg und atmete tief aus. "Wie soll das hier dann laufen? Ich möchte dich nicht nur in meinen Ferien sehen, verstehst du mich nicht, Katelyn?"
"Ich weiß es nicht", flüsterte ich erneut während mehr Tränen über meine Wangen flossen.
Ich sah ihm an, dass er am Liebsten zu mir rennen und mich in seine Arme nehmen wollte - doch er entschied sich dagegen. Seinen Kopf schüttelte er und fragte dann verletzt: "Ist das Alles, was du zu sagen hast?"
Als ich ihn so vor mir stehen sah, wollte ich am Liebsten meine ganzen Sachen packen und mit ihm mitgehen und diese Insel verlassen. In diesem Moment wünschte ich mir Nichts mehr als ihm eine Lösung vorgeschlagen zu haben. Doch ich konnte nicht. Ich wünschte ich hätte Etwas, dass unsere Situation half. Es gab keine Lösung.
Er griff nach seinen letzten Sachen und sagte: "Dann weiß ich nicht, was ich auf Nantucket tue." Mit diesen Worten verschwand er aus meinem Zimmer. Die Sekunde, in der er aus der Tür trat, fing ich an laut zu weinen. Der Schmerz in mir war enorm, einen den ich so noch nie verspürte. Nicht einmal in jener Nacht, als ich mich von John trennte.
Doch diese Nacht war nicht Alles. Dieser Sommer brachte noch diesen einen Abend mit sich.
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Der Sommer gehört uns
Historia CortaNach acht Jahren kam Ethan wieder zurück in Katelyns Leben. Jeden einzelnen Sommer danach rannten sie sich über den Weg. Eine Geschichte, zwei Freunde und der Sommer, der jedes Jahr ihnen gehörte. - dansxwritings Juni 2018