36

274 16 3
                                        

Wir schauen uns in der Höhle um um einen Fluchtweg zu finden. Nicolae klettert die Wand hinauf. Er schafft es bis zu dem Schacht zu klettern ehe er abstürzt. Sebastian fängt ihn auf um ihn vor dem harten Aufprall zu bewahren. Doch Nicolae gibt nicht auf. Immer und immer wieder klettert er die glatten Wände rauf. Und dann schafft er es. Er klemmt in dem Schacht. Sein Rücken drückt er gegen die Wand und seine Füße an die gegenüber liegende. Zentimeter für Zentimeter erklimmt er den Schacht. Als er oben angelangt ist freuen wir uns mit ihm. „Ich hole ein Seil um euch da raus zu helfen!" verspricht er ehe er in die dunkle Nacht verschwindet. Sebastian seufzt schwer. „Ob wir ihn jemals wieder sehen?" sagt er pessimistisch. Ich bin da ein wenig zuversichtlicher. Wir haben ihn ins Leben zurück geholt. Wir haben ihm angeboten seine Liebe für ihn zu retten. Ich wüsste keinen Grund dass er uns hier unten verrotten lassen sollte. Ich kenne Nicolaes Gefühle und die sind aufrichtig. Und ich sollte Recht behalten. Sebastian und ich haben uns gerade gemütlich hingelegt um ein wenig zu schmusen da erscheint Nicolae am Schacht. Er wirft uns ein Seil zu das er organisiert hat. Ich erklimme das Seil und zusammen mit Nicolae halte ich das Seil für Sebastian fest. Wir können den schweren Kerl kaum halten. Doch auch er kommt glücklich herausgekrabbelt. Nicolae trägt immer noch nur Sebastians Shirt. Sebastian fragt irritiert: „Warum hast du dir keine Hosen organisiert?" „Weil ich so schnell wie möglich wieder zu euch zurück kommen wollte." sagt Nicolae leichthin. Er sieht aus wie ein Mann bin Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig. In seinen langen braunen Haaren ist noch kein graues Haar aber auf seiner Stirn hinterlassen die Sorgen schon Falten. Es sind ganz feine Fältchen doch sie werden tiefer wenn Nicolae an Drogo denkt. Nicolae ist nicht zierlich gebaut aber er ist kein Riese wie Sebastian. Nicolae ist muskulös ohne kräftig zu sein. Er hat eine schlanke Figur. Er ist äußerst attraktiv. Ich muss echt aufpassen dass ich ihn nicht zu schamlos anstarre. Sebastian würde sonst unnötig eifersüchtig. Vorsichtig schleichen wir uns zurück in unser Lager. Kein Jaguar bewacht uns. Das finden wir sehr suspekt. Vielleicht haben sie aber auch gar nicht damit gerechnet dass wir uns befreien können. Im Lager gebe ich Nicolae eine meiner Hosen. Es ist eine weite Haremshose die ich normalerweise zum Schlafen an habe. Sie ist die einzige die ihm passt. Meine Jeans sind ihm viel zu eng und die von Sebastian rutschen ihm von den Hüften. Als er angezogen ist gehen wir zu den anderen und erzählen dass wir den Schlüssel für die Kammer in der Pyramide gefunden haben. Nicht nur unsere Studenten, sondern auch alle anderen Archäologen sind Feuer und Flamme. Wir gehen als großer Pulk in die Sonnenpyramide und öffnen die Kammer. In der Kammer sind reiche Schätze. Sebastian schnappt sich das Buch von K'inich Ahau dem Sonnengott der Maya. Er versteckt es rasch unter seinem Shirt. Wir überlassen die goldenen Schätze den anderen Archäologen. Unsere Studenten sind begeistert bei solch einer wahnsinnig bahnbrechenden Entdeckung dabei gewesen zu sein. Die Schätze werden sortiert und nummeriert und kommen in ein Museum in Mexico Stadt. Weil wir bei der Bergung geholfen haben bekommt Sebastian das Versprechen dass die goldenen Masken und Figuren auch eines Tages in Mystery Spell ausgestellt werden sollen. Weil unsere Studenten gerne noch länger bleiben würden um bei der Erforschung der Masken und Statuen zu helfen ruft Sebastian die beiden einzigen Mexikaner an die er kennt: Matt und Daryl Ortega, die beiden Fans von den Glorreichen Sieben. Die beiden raten Sebastian dringend davon ab noch länger als zwingend nötig in Mexico zu bleiben. „Wenn du Santa Muerte verärgerst dann bist du tot." sagen sie. „Sie hat versucht uns umzubringen. Sie hat uns in ein tiefes Loch geschmissen und gehofft dass wir dort verrotten." erklärt Sebastian. „Dann solltet ihr so schnell wie möglich von dort verschwinden und am besten alle mitnehmen die irgendetwas mit euch zu schaffen haben. Santa Muerte fackelt nicht lange bei Leuten die sie verärgert haben. Sie trägt ihren Namen nicht umsonst. Entweder seid ihr Untote dass ihr ihr entfliehen konntet oder sie hat gerade besseres zu tun als ein paar harmlose Archäologen umzubringen. Aber glaube mir, ihr Gedächtnis ist gut und ihr Arm lang." sagt Daryl. Sebastian bedankt sich bei den mexikanischen Zwillingen und legt auf nicht ohne ihnen schöne Grüße an Ask mitzugeben. Es ist also beschlossene Sache: die Studenten müssen wieder mit nach Hause. Natürlich machen die lange Gesichter und wollen nicht wirklich. Sebastian und ich versuchen sie mit Engelszungen zur Vernunft zu bringen. Irgendwann platzt Sebastian der Kragen. Er haut mit der Faust auf den Tisch und brüllt laut: „Verdammt noch mal! Ihr seid doch keine Erstsemester mehr! Wenn euch euer Chef sagt dass die Reise abgebrochen wird dann wird sie abgebrochen wenn euch euer Leben lieb ist! Natürlich könnt ihr hier bleiben! Nur kommt ihr dann halt nie wieder nach Hause!" Sebastian schaut die vier richtig böse an und die werden gleich einmal drei Köpfe kleiner. Stumm vor Schreck holen sie in Windeseile ihre Sachen. Sebastian sah aber auch zu bedrohlich aus. Ein wütender Werwolf sieht in beiden Körpern aus als würde er einen gleich fressen. Wir eilen zum Flughafen und lösen uns die Tickets. Da wir zwei Wochen eher als geplant nach Hause fahren sind wir sehr dankbar dass wir noch einen Flieger bekommen. Wir sind noch nicht in Mystery Spell angekommen da hat uns schon die Nachricht erreicht dass das Camp überfallen worden ist und die Archäologen alle schwer verletzt im Krankenhaus liegen. Zufällig waren auch die letzten Schätze noch alle in Sicherheit gebracht worden so dass die Räuber nichts entwendet haben. Um unsere Kollegen tut es uns Leid. Zum Glück ist keiner tödlich verletzt worden. Die Studenten werden noch blasser und noch stiller. Sie sehen aus als habe Nicolae sie gebissen. Doch dem ist nicht so. Sie realisieren gerade dass Professor Jones ihnen das Leben gerettet hat. Sie wissen nun nicht ob sie sich bedanken sollen oder sich besser schämen sollten dass er sie erst zusammenstauchen musste bevor sie sich in Sicherheit gebracht haben. Sie entscheiden sich dafür sich bei ihm zu bedanken und sich zu entschuldigen. Sebastian schaut sie nun milde an und lächelt. „Ihr seid die Gefahr noch nicht gewohnt. Ihr habt noch nicht den Instinkt dafür wann man besser Heim kehren sollte. Ihr werdet das noch lernen." Nicolae lacht leise. „Wenn nicht solltet ihr vielleicht besser was anderes studieren." murmelt er gerade so laut dass die Studenten ihn verstehen.

Sebastian Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt