Ich habe entsetzliche Angst. Sebastian ist richtig krank und ich kann ihm fast gar nicht helfen. Ich kühle ihn so gut ich kann mit dem feuchten Handtuch. Ich gebe ihm literweise zu trinken und er scheint das alles auszuschwitzen. Zumindest muss er kein Pippi. Als die Sonne aufgeht weine ich erst einmal weil ich so fertig bin. Sebastian brummt, setzt sich auf und nimmt mich in den Arm. „Bleib liegen!" sage ich ihm. Er schaut mich zwar fertig aber mit deutlich weniger glasigen Augen an. „Warum weinst du?" fragt er sanft. „Weil ich nicht weiß wie ich dir helfen kann." gebe ich ehrlich zu. Er lächelt und sagt: „Aber mir geht es doch wieder viel besser." und wirklich, er wirkt kräftiger, zittert nicht mehr und schwitzt auch nicht mehr so stark. „Ich würde mich gerne waschen." sagt er und errötet etwas. Ich krame ihm seine Wechselsachen aus seinem Rucksack und gebe ihm sein Handtuch. „Soll ich dir helfen oder fühlst du dich schon wieder in der Lage dich alleine umzuziehen?" Sebastian überlegt kurz und entscheidet sich dafür alleine zum Wasserloch zu gehen. Er zieht sich aus und springt elegant ins Wasser. Ich schaue natürlich nur zu um mich zu vergewissern dass es ihm gut geht. Nach einer Weile kommt er aus dem Wasser und ich kann mich entspannen. Er ist nicht ertrunken und darum koche ich ihm einen Kaffee. Ich selber trinke lieber Tee. Sebastian kommt gut gelaunt vom Baden. Er ist anscheinend wieder gesund. Er strahlt mich an und freut sich über den Kaffee. „Möchtest du auch Baden?" fragt er und ich nicke. „Leihst du mir dein Handtuch? Meins ist klatschnass." bitte ich und er gibt mir sein feuchtes Tuch. Ich nehme mir frische Wäsche aus dem Rucksack und verschwinde hinter den Busch hinter dem sich Sebastian eben auch ausgezogen hat. In die kühlen Fluten zu steigen erfrischt richtig. Als ich im Wasser bin fällt die Müdigkeit von mir ab. Ich merke kaum noch dass ich die ganze Nacht wach war. Ich trockne mich so gut es eben mit einem feuchten Handtuch geht ab und steige in die frischen Klamotten. Wie ein neuer Mensch gehe ich zu Sebastian. Der hält mir ein Stück von dem getrockneten Fleisch entgegen. Ich setze mich neben ihn und schweigend kauen wir die harten Brocken. Nachdem wir schweigend gegessen haben fragt Sebastian: „Wollen wir los?" Ich schaue ihn erstaunt an. „Nein! Du bist krank." Sebastian schaut mich erst verdutzt dann verunsichert an. „Nein, ich bin nicht krank." sagt er schwach. Ich schaue ihn eindringlich an. „Du hast heute Nacht Fieber gehabt, gezittert wie Espenlaub und warst zu schwach um selber zu trinken. Wie würdest du das nennen?" Sebastian zuckt hilflos mit den Schultern. „Jetzt bin ich wieder fit." sagt er zögerlich. „Ich gehe nicht mit dir durch die Wüste. Wenn du unterwegs einen Rückfall bekommst dann stehen wir dumm da. Heute Nacht konnte ich dich wenigstens kühlen und waschen. Lass uns bis morgen hier bleiben. Wenn du morgen noch ok bist ziehen wir weiter." Sebastian schaut mich entsetzt an. „Nein, bitte, lass uns aufbrechen. Wir kommen doch heute Abend beim Lager an." sagt er flehend. „Das ist nicht vernünftig." lehne ich ab. „In der Wüste bist du nicht lange krank." erkläre ich. Sebastian schaut mich fragend an und ich seufze. „Das ist ein Sprichwort und bedeutet dass man in der Wüste stirbt wenn man krank ist." Er grinst. „Ich bin nicht krank, ich fühle mich topfit. Bitte, lass uns gehen!" Sebastian lässt nicht locker und bettelt so lange bis wir aufbrechen. Er schreitet kräftig aus und wir kommen tatsächlich rasch voran. Am späten Abend kommen wir im Lager an. Sebastian und ich teilen uns anscheinend ein kleines Zelt, die großen und bequemen sind alle belegt. Müde legen wir und zur Ruhe. Ich mummle mich in meinen Schlafsack und schließe die Augen. Ich wäre beinahe eingeschlafen da bemerke ich dass Sebastian aufsteht. „Netjeret? Schläfst du?" flüstert er. Ehe ich reagieren kann kriecht er aus dem Zelt. Hat er mich gerufen? Oder wollte er dass ich nicht mitbekomme dass er geht? Ich bin unsicher. Da ich aber jetzt hellwach bin schleiche ich auch aus dem Zelt. Der Vollmond ist klar und ich kann gut sehen. Und dann sehe ich sie: die Räuber der Wüste. Das sind Räuberbanden die normalerweise Karawanen überfallen aber auch nichts gegen Grabräuberei haben. Sie würden ohne mit der Wimper zu zucken die Fundstücke der Archäologen stehlen. Ich muss die Kerle verjagen und wie ginge das besser als so wie ich es als Wächter gelernt habe? Ich bin Gestaltwandlerin und kann mich in einen Panther verwandeln. Mein ganzes Volk ist dazu in der Lage. Wir haben schon seit Anbeginn der Zeit die Pharaonen verteidigt und wurden dafür verehrt. Den Pharaonen galten wir als heilige Tiere. Noch heute ranken sich phantastische Sagen um unsere Existenz. Die Räuber werden mir gleich sicher mit Furcht begegnen. Ich schleiche in ihre Richtung und als ich das Lager verlassen habe sprinte ich zu den Räubern. Die haben irgendetwas gefunden, jedenfalls rufen sie laut und wild durcheinander. Ob dort ein zweiter Wächter ist? Ich eile zu ihnen und die Männer sehen mich nicht. Dadurch dass mein Fell ganz schwarz ist und nicht die Leopardenflecken zeigt kann ich unbemerkt in die Mitte der Gruppe spazieren. Sie haben ein Tier gefangen. Einen riesigen Wüstenfuchs. Lachend schlagen sie mit Knüppeln und Langmessern auf das arme Tier ein. Ich ärgere mich weil sie mit dem Fuchs nichts anfangen können. Sein Fleisch ist ungenießbar und das Fell unbrauchbar. Ihn zu töten ist reine Verschwendung. Ich lasse einen warnenden Drohlaut aus meiner Kehle rollen. Die Männer schreien vor Panik als sie mich bemerken und fliehen. Den Fuchs lassen sie zurück. Als ich näher zu dem Tier gehe erkenne ich dass es kein Fuchs ist. Das Tier ist viel größer und sein Fell ist wie meins schwarz und nicht sandfarben. Es scheint Angst vor mir zu haben. Zumindest ist sein Fell aufgestellt und es zeigt mir knurrend die Zähne. Das Tier ist ein wenig größer als ich und deutlich stämmiger. Seine Schnauze ist aber länger und schmaler als meine und sein Gebiss beeindruckender. Das Knurren lässt mich kurz zögern. Doch das Tier ist von den Räubern mit Stricken gebunden worden. Es kann sich gerade nicht wirklich bewegen. Ich schaue nach ob das fremde Tier verletzt ist und an seiner Flanke erkenne ich tatsächlich eine tiefe Fleischwunde. Die wird von einem Messer stammen. Ich schnüffle und lecke ein wenig an der Wunde und bemerke zu meinem Erstaunen dass die Wunde rasend schnell heilt. Das fremde Tier hat offensichtlich Schmerzen und Angst. Ich schnaube ihm beruhigend ins Ohr. Dann versuche ich seine Fesseln durchzubeißen. Das gelingt mir zum Glück ganz gut. Das mächtige Tier leckt seine wunden Pfoten. Und dann sehe ich wie die Räuber mit ihren Schusswaffen zurückkehren. Ich stupse den Fremden an und knurre drohend in Richtung der Räuber. Das Tier hört auf seine Wunden zu lecken und läuft humpelnd davon. Ich hoffe dass er sich in Sicherheit bringt. Ich schreite zu den Räubern und als ich kurz vor ihnen bin brülle ich und greife an. Die Männer schießen auf mich. Was für Hohlköpfe! Die haben noch nie von den Baw-Hemet gehört sonst wüssten sie dass mit konventionellen Waffen gegen uns nichts auszurichten ist. Ich will die Kerle nicht töten aber vertreiben. Knurrend und fauchend verjage ich die Kerle. Ich schleiche noch bis zum Morgengrauen um das Lager weil ich Schiss habe dass die Räuber noch einmal zurück kommen. Am Morgen schleiche ich zurück ins Zelt und mummle mich wieder in meinen Schlafsack. Ich liege gerade bequem und habe die Augen geschlossen da krabbelt auch Sebastian ins Zelt. Ob der auf Toilette war? Hoffentlich hat er meine Abwesenheit nicht bemerkt. Er strahlt so viel Wärme aus! Das kommt mir gerade recht denn mir ist richtig kalt. Die Nacht in der eisigen Wüste steckt mir noch in den Knochen. Außerdem raubt mir die Wandlung richtig viel Energie. Die Kälte steckt tief in den Knochen. Ich rücke enger an Sebastian und der nimmt mich auf einmal in seine warmen Arme. Ich lehne mein kaltes Gesicht an seine warme Brust und ich atme seinen angenehmen Geruch ein. Dann bin ich eingeschlafen.
