Medaillon

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POV Raphael:

Meine Hände sind zittrig und eiskalt, als ich meinen Ferrari vor unserem... meinem Lieblingsitaliener parke. Genau hier haben ihre Eltern und ich uns verabredet. An dem Ort an dem ich ihre Eltern zum ersten Mal gesehen habe. Bei dem kleinen aber feinen Italiener in Berlin Mitte. Als ich aus dem Wagen steige steht Lou bereits neben mir. Sie greift nach meiner Hand und drückt sie kurz. „Alles gut. Ich bin für dich da", flüstert sie leise ehe ich ihr meine Hand, sanft, entziehe. Wir gehen rein. Sie sitzen schon da. Ich kann sie schon von weitem sehen. An dem Tisch. An dem Tisch an dem wir auch beim ersten Treffen saßen. An dem Tisch an dem ich Kira einen Antrag machen wollte. Geplant hatte ich es schon. Ring hat noch gefehlt. Und die Zeit. Als sie uns erblicken erheben sie sich von ihren Plätzen.

Kiras Mutter zieht mich sofort in ihre Arme als sie mich sieht. Ich lasse es nur betreten schweigend über mich ergehen. Ich erwidere die Umarmung nicht. Dafür habe ich keine Kraft. Meine Brust zieht sich schmerzhaft zusammen als ich in das Gesicht ihrer Mutter blicke, der sie so unfassbar ähnlich gesehen hat. Diese Ähnlichkeit war wirklich verblüffend. Kira war ein Ebenbild ihrer Mutter nur um ein paar Jahre jünger, 25 an der Zahl. Sie hatte dieselben blonden Haare, die auch ihre Mutter hat, mittlerweile wohl gefärbt. Außerdem hatte sie dieselben braunen Augen wie ihre Mutter sie hat. Bei der Ähnlichkeit zieht sich meine Brust noch enger zusammen. Es ist ein beklemmendes Gefühl. Als würde mir jemand die Luft zuschnüren. „Hallo Raphael", flüstert sie mir leise ins Ohr als sie sich von mir löst und Kiras Vater mir schließlich die Hand reicht. Beide lächeln. Ich kann nicht lächeln. Mir ist nicht zum Lächeln zu Mute. Mir ist kotzübel. „Hallo Justus, hallo Ariane", begrüße ich die beiden förmlich. „Das ist Lou", sage ich schließlich noch mit einer ausladenden Handbewegung auf meine Begleitung.

„Ach wie schön. Freut mich sehr Lou.", begrüßt Ariane sie überschwänglich. Sie hatte schon immer eine sehr offene, herzliche Art. Genau wie ihre Tochter. „Die Freude ist ganz meinerseits", erwidert Lou unsicher. Sie sieht genauso betreten aus wie ich. Nur ist es bei mir eine Achterbahn der Gefühle und sie weiß einfach nur nicht, wie sie die Situation einordnen soll. Mir ist immer noch speiübel und ich frage mich die ganze Zeit wie ich etwas essen soll während ich das Gefühl habe mich jeden Moment heftig übergeben zu müssen. „Es ist schön wieder jemanden an deiner Seite zu sehen", sagt Justus ganz unterwartet. Ich richte meinen Blick auf ihn. „Wir sind nicht zusammen", mache ich kurz und knapp klar. Ich will nicht weiter darüber reden und hoffe, dass das auch angekommen ist. „Oh ihr wärt aber ein schönes Paar" Ariane lächelt uns beide an und mustert uns. Dieses Lächeln. Kira hat genauso ausgesehen wenn sie gelächelt hat. Ich übergehe den Kommentar einfach und stecke meine Nase in die Speisekarte, die bereits am Tisch lag.

„Was darf ich zu trinken bringen?", fragt der Kellner uns. Er kennt mich. Ich bin häufiger hier. „Ah Raphael. Du bist auch mal wieder hier. Lange nicht gesehen." Ich nicke nur. Er arbeitet schon lange hier. Aber nicht lange genug um Kira zu kennen. Ich bestelle mir ein Soda Zitrone. Dann stecke ich meine Nase wieder in die Speisekarte. Ich habe auf nichts Appetit. Mir ist schlicht und ergreifend schlecht. Richtig schlecht. Als der Kellner jedoch wieder an den Tisch tritt und unsere Getränke bringt entscheide ich mich spontan für das Übliche. „Pasta all' Arrabbiata bitte", sage ich. Er nickt. „Und für deine zauberhafte Freundin? Was darf ich dir bringen?", fragt er mit einem Blick auf Lou. „Sie ist nicht meine Freundin", beeile ich mich ihm klar zu machen. Wieso denkt das bloß jeder? Als könnten sie alle Gedanken lesen und wüssten, dass ich sie geküsst habe. „Oh ah okay", stottert der Kellner etwas hilflos während er immer noch Lou ansieht. Nachdem alle bestellt haben kann ich mich nicht mal mehr hinter der Speisekarte verstecken. „Na wie geht es dir Raphael?", fragt Ariane mich. „Gut danke und euch?", erwidere ich. Eigentlich geht es mir beschissen und ich muss jeden Moment quer über den Tisch kotzen, aber das spare ich mir mal lieber zu sagen. „Uns geht es auch sehr gut. Danke der Nachfrage. Wir leben jetzt wie du weißt schon seit einiger Zeit in München. Der Tapetenwechsel hat uns gut getan. Justus hat eine bestehende Kanzlei übernehmen können. Ich habe mir inzwischen einen Traum erfüllt und neben der Mitarbeit in der Kanzlei verkaufe ich meine Backwaren", erklärt sie mir. Justus ist Jurist. Strafverteidiger. Ein ziemlich guter sogar. Als dieser musste er zwar ziemlich was mitmachen als er über meine Vergangenheit gehört hat, vor allem was die Drogen betroffen hat, aber er war stets freundlich zu mir, ist mir immer offen begegnet. So total untypisch für einen Strafverteidiger der bereits weiß, dass man der Freund der Tochter eine Drogenvergangenheit hat.

Raf Camora FF//  LouisianaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt