*90* / Triangle

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<Egal wie viel Uhr wir haben, aber jetzt ist es Zeit für den Eröffnungstanz! Die Gäste bitte schonmal raus auf den Hof und dann um die Tanzfläche dort. Liebe Gäste: lasst die Handys bitte hier liegen und bedient euch an den Knicklichtern und Wunderkerzen. Der Fotograf wird mit einigen eingeweihten Personen ein Video drehen und wir brauchen euch an den Wunderkerzen.> sagt unser DJ Justin (der Bruder von Marco) an und ich erhebe mich vom Schoß meines Mannes. Wir saßen eben bei meinen Eltern und da nur ein Stuhl frei war saß ich halt auf ihm. Ich nehme mir seine Hand und schauen den Gästen beim rausgehen zu.
Irgendwann bekommen wir ein Zeichen und gehen Hand in Hand raus. Es ist komisch dabei gefilmt zu werden. Es dämmert draußen bereits und der Himmel ist in einem wunderschönen Abendrot gefärbt. Verträumt schaue ich in den Himmel und grinse. Es wird ein perfekter Tanz werden. Und das vor einer so unglaublichen Kulisse.
Ich habe Flo mit Deadpool angesteckt und wir feiern die letzte Szene vom ersten Film. Da kann man nur Wham! zu sagen. Da wir uns nun irgendwann für ein Lied entscheiden mussten haben wir "Careless Whisper" von George Michael gewählt. Gemeinsam mit Milan und unserer Tanzlehrerin sowie Choreografin Luzy haben wir eine Rumba gestaltet und ich freue mich schon so unglaublich. Die Idee draußen zu tanzen stammt allerdings nicht von uns und kam wohl eben spotan von unseren Trauzeugen. Zum Glück war es eh geplant bei den ersten Takten auf die Tanzfläche zu gehen. Passt also. Ich sehe die schmunzelnden Gesichter unserer Freunde und mein Grinsen wird noch breiter. Wir sind wohl doch nicht so berechenbar wie alle immer sagen.
Der Tanz läuft super und ich bin so stolz auf Flo. Wir beenden ihn mit einem Kuss und ich bin einfach nur glücklich. Wir bekommen Applaus und ich flüster Flo etwas in sein Ohr <Hast du super gemacht. Bin stolz auf dich babe!> Ich bin wirklich mega stolz auf ihn. Er hat tanzen gehasst als wir zusammen kamen, doch das heute hat er gelebt. Wir warten, bis alle Wunderkerzen abgebrannt sind und gehen dann wieder rein. Allerdings rufe ich auf dem Weg nach Mimi. Es wird Zeit für das kurze Kleid. Jetzt wird richtig gefeiert!
Frisch umgezogen und nachgepudert gehe ich mit Mimi zurück in den Saal und wir bestellen uns neue Drinks. Es ist natürlich mein Lieblingscocktail aber heute ohne Alkohol. Irgendwie ist mir nicht danach. Der Sekt war schon zu viel. Es ist dennoch umwerfender als ich es mir jemals hätte erträumen können. Ich geselle mich zum Ärzte Tisch und Alex grinst mich zwinkernd an. Unbiologische Onkel zu haben ist schon premium. <Es hat sich gelohnt nie aufzugeben und immer wieder aufzustehen!> meint er und ich nicke zustimmend. Jeder Streit, jede Krise und jeder Gefühlsausbruch haben sich mehr als gelohnt. Mein Blick fällt auf Flo, wie er mit meinen Brüdern quatscht. Ich möchte gar nicht wissen, was die schon wieder planen. <Als ich nach Köln kam war meine Welt ein Chaos. Dann kamt ihr und habt einen Teil schon wieder aufgebaut. Nun ist sie wieder mehr als komplett und ich glaube mehrfach gesichert. Ich habe einen mega Job, tolle Kollegen, Freunde und Kollegen welche zu einer Familie wurden und diesen wundervollen Mann!> füge ich dem hinzu und grinse. Hätte es mir niemals erträumt, dass ich irgendwann mal heiraten würde. Okey gut mein pubertäres ich hätte auch niemals gedacht, dass ich jemals wieder glücklich sein würde...

*2 Tage später - der Fototermin*

Wir haben eben die Familien und Trauzeugenbilder auf dem Triangle gemacht und hatten ne Menge Spaß. Die Hochzeit war super und ich bin einfach nur happy. Während alle bis auf Papa, Leon und ich nach unten fahren räumen wir hier oben noch zu Ende auf. Allerdings sind wir eben fertig geworden und steigen in den Aufzug. Papa drückt den Knopf für das Erdgeschoss und leise schließen sich die Türen. Der Aufzug setzt sich in Bewegung und ich freue mich gleich wieder aus dem Kleid rauszukommen.
Ich hasse Aufzüge über so viele Etagen eh aber heute macht es noch weniger Spaß. Mit einem flauen Gefühl im Magen kralle ich mich an der Haltestange fest und konzentriere mich aufs Atmen. <Gehts dir gut Em?> fragt Leon als er das bemerkt und ich zucke mit den Schultern. <Aufzüge halt!> sage ich noch und dann stoppt der Aufzug ruckartig während zeitgleich das Licht erlischt. Wir waren minimum noch bei Etage 7. Wie viele Meter das wohl unter uns ist. <Was war das?> frage ich ängstlich und drücke mich in die Ecke. <Vermutlich nur ein Stromausfall.. Alles wird gut Emilia.. Aufzüge sind bei sowas gesichert.> versucht mein Bruder mich zu beruhigen doch es klappt halt nicht wirklich.
Die Notbeleuchtung geht an und ich rutsche weiter auf den Boden. Ich habe eine riesengroße Angst und ziehe meine Knie zur Brust. <Ich weiss, dass es beängstigend ist Em, aber versuch bitte ruhig zu atmen. Einen Asthmaanfall können wir hier nicht gut kontrollieren... Oder hast du dein Spray bei?> fragt Paps und ich schüttel den Kopf. Meine Handtasche mit dem Spray ist bei Flo und der schon unten. Papa drückt den Notfallknopf und hält nebenbei meine Hand. <Service Zentrale Meyer Aufzüge. Wo liegt das Problem?> fragt ein Herr über den Lautsprecher und Papa sagt <Hallo. Wir befinden uns im Aufzug im Köln Triangle.. Er ist steckengeblieben.> <Okey. Bitte versuchen Sie ruhig zu bleiben. Wie viele Personen sind momentan insgesamt im Fahrstuhl?> fragt er weiter und Papa meint <Wir sind zu dritt.> <Habe jetzt auch die Fehlermeldung und einen Techniker alarmiert... Wie geht es Ihnen und den anderen zwei Personen?> fragt er wieder und Papa schaut mich im Dämmerlicht an. <Mir und dem Bruder meiner Tochter gehts gut, aber meiner Tochter nicht. Ein RTW und ein NEF wären hier angebracht. Sagen Sie der Feuerwehr bitte, dass Emilia im Fahrstuhl ist.. Sie wissen dann auch was los ist... Verdammt Em was ist denn?> bittet Papa und ich beuge mich nun im Schneidersitz nach vorne um irgendwie atmen zu können.
Ich muss dringend aus diesem Kleid raus, denn ich kann kaum noch atmen. Keuchend halte ich mich irgendwie an diesem Griff oben fest und versuche nicht durchzudrehen. Leon kniet sich hektisch daneben ist aber komplett überfordert. <Luft fehlt.. Zu eng!> antworte ich weiterhin keuchend und man hört den Service Mitarbeiter im Hintergrund leise telefonieren. Papa quetscht sich ebenfalls neben mich und öffnet die Knöpfe vom Kleid in mühseliger Feinarbeit. <Du weisst wie es geht Maus..> sagt er dabei immer wiederholend und ich versuche echt ruhig zu bleiben. Die Angst und die Übelkeit machen es mir aber nicht wirklich einfacher. Meine Atmung ist immernoch viel zu schnell und viel zu flach. Es fühlt sich viel zu eingeengt an und mir wird langsam schwummerig.
Papa setzt sich hinter mich und probiert alles um mich zu beruhigen. Tatsächlich schaffen er und Leon es auch irgendwie. Dann sitzen wir bestimmt einige Minuten einfach nur da und warten ab. So lange, bis der Fahrstuhl sich wieder ein Stück nach unten bewegt und dann aber wieder stockt. Ich erschrecke mich mega und gerate sofort komplett in Panik. In meiner Panik Wolke höre ich Papa und Leon nur noch fluchen und merke wie Papa versucht mich zu halten. Er versucht mir irgendwie Sicherheit zu geben. Weinend und zitternd liege ich in seinem Arm auf dem kalten Boden des Aufzuges und das Atmen fällt mir immer schwerer. Ich möchte doch nur hier raus und dann zu Flo.
Dann geht endlich die Tür vom Aufzug auf und ich kann nach draußen sehen. <Hallo, ich bin einer der Techniker. Alleine bekommen mein Kollege und ich Sie nicht raus. Die Feuerwehr müsste aber jeden Augenblick eintreffen. Es kann nicht mehr allzu lange dauern.> sagt er und ich breche vollendst weinend in Papas Armen zusammen. <Sagen Sie den Kollegen der Feuerwehr bitte, dass die sich beeilen sollen.> bittet Papa und hält mich fester. Es vergehen wieder Minuten, bis ich Björn durch meine Tränen erkenne.
<Alex komm mal ran. Du musst sie beruhigen bevor wir sie sicher rausbekommen können.> meint er und dann sehe ich Alex. War ja klar. Er grinst mich kurz schief an und klettert mit Hilfe in den Aufzug. <Hey Kleine... Was machst du schon wieder für Sachen? Nur weil du die Hochzeit jetzt hinter dir hast heisst das nicht, dass du jetzt abkratzen darfst. Oder hab ich da auf eurer Hochzeit etwas falsch verstanden?> fragt er schmunzelnd den Kopf schüttelnd und nimmt dann vorsichtig mein Handgelenk. Wie gerne würde ich ihm jetzt meine Liebe zu ihm durch meinen Mittelfinger ausdrücken. <Sollen wir dich abschießen?> fragt er nachdem er sich einmal die Lunge angehört hat und ich schüttel den Kopf. Ich kann zwar kaum atmen, möchte aber nicht abgeschossen werden. Da ich momentan potentiell schwanger sein könnte gehe ich kein Risiko ein. Sie fragen aber auch nicht weiter nach und es kommt der erlösende Funkspruch.
Die Türen gehen zu und der Aufzug fährt bis zum Wunschgeschoss. Dort gehen die Türen wieder auf und ich atme halbwegs erleichtert ein. Naja sofern man das Atmung nennen kann. Dann ziehen Papa und Alex mich hoch und Alex zieht seine Jacke aus um sie mir zu geben. Papas Anzugjacke ist ja schon ne Weile unten. Dankbar ziehe ich sie über und gehe gestützt aus dem verdammten Aufzug raus. Ist das anstrengend. Fast direkt davor wartet die Trage auf der ich Platz nehmen muss. Laufen kann ich nämlich auch nicht wirklich gut.

Hier mal wieder ein Kapitel.. Habe 2 Prüfungen hinter mir und jetzt warten noch 6.. aber ich bin motiviert und zuversichtlich

habt ne schöne Restwoche

Ex hoc momento pendet aeternitas - omnia vincit amorWo Geschichten leben. Entdecke jetzt