Und so gingen die ersten Tage vorbei. Am Freitag hatten sie nur Zaubertränke, aber am Nachmittag fand der freiwillige Kurs für den Flugunterricht statt. Elyna, Josec, Narzissa und Rabastan hatten sich sofort dafür eingetragen, auch wenn Letzterer immer wieder beteuerte, dass er schon längst fliegen könne.
Am Freitag brachte Lucius Malfoy sie zu ihrem Unterricht in den Kerkern. Narzissa sprach in seiner Anwesenheit kein einziges Wort, aber sie wurde leicht rosa, als sein Blick einmal auf sie fiel. Elyna konnte darüber nur den Kopf schütteln.
Vor dem Klassenzimmer ließ der Malfoy die Erstklässler stehen und ging zu seinem eigenen Unterricht.
Dann kamen die Gryffindors. Bisher hatten die beiden verfeindeten Häuser nur Verteidigung gegen die Dunklen Künste zusammen gehabt. Das Fach war ein einziger Witz und der Lehrer total inkompetent. Schnell hatte sich herauskristallisiert, dass auch in diesem Jahrgang die Fehde fortleben würde.
"Na, Lestrange?", fragte Sirius Black, kaum dass die Gryffindors zum stehen gekommen waren. "Heute schon kleine Hufflepuffs gequält?"
"Wir lange hast du den Spruch wohl geübt?", schoss der Schwarzhaarige zurück und die Slytherins lachten. "So wie du aussiehst, stehst du doch mehrere Stunden vor dem Spiegel. Wie oft denkst du dabei an mich und fragst dich, wie meine Haare so natürlich gut aussehen können?" Avery prustete los und Josec stimmte ein.
"Kann ja nicht jeder so in den Unterricht kommen wie er aufsteht", meinte Potter mit abfälligem Blick auf Elyna.
Auf der Slytherinseite wurde es plötzlich ganz still. "Du wagst es, SIE zu beleidigen?", zischte Josec und die Gryffindors zuckten zusammen, als es im Kerker merklich kälter wurde.
Elyna nahm seine Hand und schaute ihm beruhigend in die Augen.
Ein Gryffindormädchen schien ihre Geste missverstanden zu haben und stellte sich plötzlich zwischen die beiden streitenden Seiten. "Hört auf!"
"Was willst du, du kleines Schlammblut?", fauchte Rabastan, dem die Wut immer noch ins Gesicht geschrieben stand.
Die Gryffindors sogen geschockt die Luft ein und das Mädchen hatte Tränen in den Augen. Elyna bemerkte die seltsame Reaktion von Severus, der aussah, als würde er zu ihr sprinten und sie trösten wollen.
In diesem Moment kam Professor Slughorn um die Ecke gewatschelt. Er bemerkte die Stimmung zwischen den Erstklässlern nicht, schloss die Tür auf und ließ sie fröhlich eintreten.
Elyna wurde sofort von Narzissa an einen der vorderen Tische gezogen und die beiden Jungs postierten sich schützend neben ihnen.
Rabastan warf immer wieder tödliche Blicke zu den Gryffindors und murmelte: "Irgendwann wird er mal allein auf dem Flur sein und dann hexe ich ihm die Pest auf den Hals."
"Lieber irgendetwas, das nicht so ansteckend ist", lächelte Elyna. Er beruhigte sich etwas.
Professor Slughorn verlas die Namensliste, erklärte ewig irgendetwas zu seinem Unterricht und schrieb schließlich ein Rezept an die Tafel.
Bevor Elyna aufstehen konnte, hielt Rabastan sie zurück. "Ich hole deine Zutaten gleich mit", murmelte er mit Blick auf Sirius Black.
Sie verdrehte die Augen, ließ ihn aber machen. In der Zwischenzeit fachte sie das Feuer unter ihrer aller Kessel an und wartete auf die Rückkehr ihrer Freunde. Sie stellten zum Glück nichts Dummes an und kamen schnell zurück.
Der Trank war nicht kompliziert, weswegen am Ende der Stunde ein perfekter Zaubertrank in ihrem Kessel brodelte. Bei Rabastan sah der Trank genauso gut aus, bei Josec und Narzissa war er nicht ganz so kräftig.
"Ein perfekter Trank", lobte auch Slughorn die beiden Slytherins und fügte hinzu: "Haben Sie am Samstag schon etwas vor? Nicht? Wunderbar! Kommen Sie gegen halb acht zu meinen Privaträumen, dann stelle ich Ihnen zukünftige Berühmtheiten vor!" Slughorn kicherte und ging zu den anderen Schülern. Elyna sah ihm verwundert nach und schaute dann Rabastan an.
"Er hat so einen seltsamen Slugclub mit Schülern, von denen er denkt, dass sie einmal großes bewirken können", er verdrehte die Augen. "Mein Bruder und Bella sind auch da."
"Gehst du hin?", fragte sie.
"Wahrscheinlich schon."
Elyna nickte, packte ihre Sachen zusammen und zu viert verließen sie den Raum. Lucius Malfoy wartete bereits auf sie und brachte sie in die Große Halle zum Mittagessen.
Plötzlich packte sie die Begeisterung. "Jo, wir lernen heute fliegen!", rief sie ihrem Bruder zu. Er nickte nur und lächelte.
Nach dem Essen brachten sie ihre Schulsachen weg und machten sich auf den Weg zum Quidditchfeld. Die Fluglehrerin Madam Hooch hatte sie dorthin bestellt, damit sie die Besen nicht alle zum Schloss hochschleppen musste.
Die Gryffindors kamen kurz nach ihnen an. Der Hass stand den beiden Erstklässlerparteien ins Gesicht geschrieben, aber da die Lehrerin bereits anwesend war, konnte keiner von ihnen auf die Vorfälle vom Vormittag reagieren.
Und so begann ihre erste Flugstunde.
"Guten Morgen. Sie stellen sich bitte jeder einzeln neben einen der Besen", begann Madam Hooch den Unterricht. Die Schüler kamen ihrer Aufforderung eilig nach. "Haben alle einen Besen? Gut. Strecken Sie nun Ihre rechte Hand über den Besen und rufen laut und deutlich 'Hoch!'"
Von überall her erklangen 'Hoch'-Rufe. Bei Josec und Rabastan klappte es gleich beim ersten Mal, Elyna musste zweimal rufen und bei Narzissa bewegte sich der Besen gar nicht. Je mehr Schüler es schafften, desto verzweifelter schien die Blonde zu werden. Schließlich flüstere Josec ihrem Besen leise "Hoch!" zu und er sprang Narzissa in die Hand. Dankbar sah sie den Jungen an.
Als auch der letzte - Peter Pettigrew, ein Gryffindor - es geschafft hatte, erklärte Madam Hooch ihnen, wie man korrekt auf den Besen aufstieg. Dabei lobte sie Rabastan und Josec, die wahre Naturtalente zu sein schienen und korrigierte bei den anderen Schülern freundlich das ein oder andere Detail.
"Als nächstes werdet ihr kurz vom Boden abheben, ein paar Sekunden in der Luft bleiben und dann sofort wieder herunterkommen, verstanden?" Alle nickten. "Gut. Um unnötige Konflikte zu vermeiden, beginnen bitte die Gryffindors."
Rabastan knirschte verärgert mit den Zähnen.
"Ich zähle bis drei. Eins, zwei, drei!"
James Potter und Sirius Black erhoben sich in die Luft als wäre es das leichteste der Welt. Bei den anderen Gryffindors wirkte die ganze Prozedur ein gutes Stück wackliger. Lily Evans und Peter Pettigrew kamen überhaupt nicht in die Luft. Madam Hooch befahl ihnen, wieder herunterzukommen und die Löwen kamen dem widerstrebend nach.
"So, jetzt die Slytherins", entschied die Lehrerin. "Eins, zwei, drei!"
Elyna stieß sich vom Boden ab und flog nach oben. Sie sah ihren Bruder und Rabastan, denen es spielend leicht gelang, ihre Besen unter Kontrolle zu halten, während Narzissa nur ein paar Zentimeter über dem Boden schwebte.
"Josec", flüsterte Elyna plötzlich.
Ihr Bruder sah zu ihr auf.
Sie stieg langsam nach oben ohne anzuhalten. "Jo, wie komme ich wieder runter?", fragte sie ängstlich. Sie versuchte, nicht in Panik zu geraten, damit wäre ihr nicht geholfen, aber die zunehmende Höhe setzte ihr doch ganz schön zu.
Madam Hooch brüllte von unten: "Miss Salwn, kommen Sie sofort wieder herunter!"
Elyna wurde wütend. "Was denken Sie eigentlich, was ich hier versuche?!", schnauzte sie zurück.
Josec lachte leise und kam mit Rabastan zu ihr hinaufgeflogen. "Ganz ruhig, Ly, wir sind ja hier", sagte er und hielt seinen Besen neben ihrem.
"Du musst den Stiel ein bisschen nach unten drücken", erklärte Rabastan. "Dabei bewegst du dich zwar auch vorwärts, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Wenn du runterfällst, fangen Josec und ich dich auf." Wie zum Beweis flog Josec etwas nach unten.
Elyna atmete tief durch und drückte ihren Besen nach unten. Dir passiert nichts, dir passiert nichts, versuchte sie sich einzureden. Sie spürte, dass sie nach vorne flog, aber gleichzeitig auch an Höhe verlor. Und plötzlich war es gar nicht mehr so schlimm. Sie merkte auf einmal, weshalb Rabastan so vom Fliegen geschwärmt hatte. Es war wunderbar!
Sie lachte leise und Rabastan stimmte mit ein.
Schneller als sie gedacht hätte, stand sie wieder mit beiden Beinen auf dem Boden.
"Alles in Ordnung bei Ihnen?", erkundigte sich Madam Hooch.
Elyna nickte.
Die Lehrerin mit den seltsamen gelben Augen wandte sich wieder der Klasse zu. "Die Gryffindors üben auf dieser Seite, die Slytherins dort drüben", erklärte sie. "Fliegt nicht zu hoch, macht keine Dummheiten und helft euch gegenseitig. Los geht's!"
Die Zwillinge und Rabastan gingen zu ihrer Gruppe zurück. Narzissa versicherte sich als erstes, dass es Elyna wirklich gut ging, dann übten sie weiter. Die beiden Jungs hatten für die ganze Slytheringruppe gute Tipps, sodass am Ende sogar Severus und Narzissa ein paar Meter fliegen konnten ohne runter zu fallen. Bei den Gryffindors sah das ganze schon schmerzhafter aus.
Am Ende der Stunde lobte Madam Hooch vor allem Rabastan und Josec bei den Slytherins und Potter und Black bei den Gryffindors. "Ich bin gespannt, wen von euch ich nächstes Jahr bei den Quidditchspielen in der jeweiligen Hausmannschaft begrüßen darf", schloss sie ihren Unterricht. "Auf Wiedersehen!"
Lachend und scherzend gingen die Slytherins wieder zum Schloss hoch. Plötzlich hörte Elyna von hinten die seltsam verstellte Stimme von Potter: "Oh, Hilfe, Liebster! Ich falle gleich runter!"
Sie drehte sich zu den Gryffindors um. "Willst du mir irgendetwas sagen, Potter?"
Er sah sie feindselig an. "Du bist so armselig. Mehr als um Hilfe schreien kannst du wohl nicht?"
"Besser als einen auf heldenmutig zu machen und sich fast das Genick zu brechen", erwiderte sie mit Blick auf Pettigrew.
"Er traut sich wenigstens was!", verteidigte nun auch Black die Gryffindorehre.
"Er sah eher so aus als hätte er sich eingemacht. Ist das nicht ein verdächtig dunkler Fleck auf seiner Hose?", spottete Elyna. Sie hatte es nur als Scherz gemeint, aber der kleine dickliche Junge hielt sich die Hände vor die Hose und lief knallrot an.
Die Slytherins lachten und wandten sich ab, um ins Schloss zurückzukehren.
"Na, warte!", rief Potter plötzlich. Elyna drehte sich um und sah wie er seinen Zauberstab zog.
"Zehn Punkte Abzug für Gryffindor!", rief da eine Stimme, der Vertrauensschüler von Slytherin war zu ihnen gestoßen. Mit einigen der Viertklässler, darunter Rodolphus und Lucius Malfoy.
Potter hielt immer noch seinen Zauberstab erhoben, zögerte jedoch.
"Wenn du den Stab nicht augenblicklich wegsteckst, ziehe ich Gryffindor weitere zwanzig Hauspunkte ab", zischte der Slytherinvertrauensschüler.
Potter funkelte Elyna wütend an, steckte seinen Zauberstab jedoch weg und stapfte mit seinen Freunden zum Schloss hoch.
"Alles in Ordnung?", fragte Rodolphus die Erstklässler und sie nickten einstimmig.
Elyna bedankte sich bei den Älteren und zusammen mit ihren Freunden ging sie zum Schloss hoch. Die Erstklässler hatten noch Hausaufgaben auf, die sie unbedingt heute noch erledigen wollten, damit sie am Wochenende entspannen konnten. Rabastan hatte den Zwillingen versprochen, ihnen Zauberschach beizubringen und Narzissa hatte gesagt, ihre Eltern würden ihr am Samstag Süßigkeiten von zu Hause schicken, und dass sie sie mit ihren drei Freunden teilen würde.
Elyna und Josec freuten sich schon auf die zwei freien Tage.
