Regulus Black stierte missmutig in seinen purpurroten Trank, dann schaute er noch einmal in sein Lehrbuch "Zaubertränke für Fortgeschrittene" und seufzte genervt. Dort stand eindeutig, dass man die verfluchte Schlafbohne in kleine Würfel schneiden sollte, damit der Trank eine leichte lila Färbung bekam. Aber aus einem Grund, den Regulus nicht nachvollziehen konnte, blieb sein Trank stur bei seinem bisherigen Purpurrot.
"Sev", jammerte er. Der Siebtklässler stand auf der anderen Seite des Tisches und rührte in seinem Versuch, Felix Felicis zu brauen, herum. Da es allerdings tatsächlich nur ein Versuch war und nicht besonders gelungen zu sein schien, ließ Severus Snape den Trank vor sich hin brodeln und kam um den Tisch herum zu dem Freund.
Ein Blick in den Kessel schien ihm zu genügen, denn augenblicklich nahm er eine weitere Schlafbohne zur Hand und zerdrückte sie mit einem silbernen Messer. Den daraus gewonnenen Saft träufelte er in den Trank bis dieser einen leichten Lila-Stich aufwies.
"Woher wusstest du das?", fragte Regulus erstaunt. Obwohl er den Älteren inzwischen seit sechs Jahren kannte, überraschte es ihn immer wieder, wie einfach Severus die Kunst der Zaubertrankbrauerei fiel. Regulus selbst war auch nicht gerade unbegabt - in seinem Jahrgang war er der Beste - aber er reichte längst nicht an seinen Freund heran.
Severus lächelte nur leicht und holte ein ziemlich ramponiertes Buch aus seiner Tasche, das er ihm entgegenhielt. "Das ist mein Buch vom letzten Jahr. Ich habe ein paar Anmerkungen hineingeschrieben, um die Tränke zu verbessern und wenn du willst... naja, du kannst das Buch haben, ich brauche es nicht mehr." Er wirkte ein wenig verlegen.
Regulus nahm das Buch zögernd an. "Aber du hilfst mir doch trotzdem noch, oder?", hakte er vorsichtig nach.
Der Ältere nickte. "Klar, wann immer du mich brauchst."
Regulus grinste und blätterte schnell in dem Buch zur richtigen Seite, damit Severus seine roten Wangen nicht sah. Er las die nächste Anweisung und war plötzlich sehr froh darüber, er hätte nämlich beinahe in die falsche Richtung gerührt.
Severus räumte derweil seinen Arbeitsplatz auf und machte sich Notizen. Sein heutiger Versuch war schief gegangen, aber solch ein Fehlschlag hatte ihn noch nie aufgehalten. Er zog lediglich seine Lehren daraus. Wenn ihm alles von vornherein gelingen würde, wäre es viel zu langweilig. Als er fertig mit allem war, Regulus jedoch noch immer an seinem Trank arbeitete, nahm Severus seine Hausaufgaben für Verwandlung hervor und begann, sich die wichtigsten Fakten aus dem Buch herauszuschreiben. Er mochte es, zusammen mit Regulus in einem Raum zu sein, die Stille zu genießen und sich einmal nicht wegen irgendetwas rechtfertigen zu müssen.
Seine Gedanken schweifen immer mehr ab, bis er schließlich über diesen einen Tag in den Sommerferien nachdachte. Rodolphus hatte Rabastan mit zum Dunklen Lord genommen und Rabastan hatte seinen Bruder gebeten, dass Severus mitkommen durfte. Die beiden Jungen waren hellauf begeistert gewesen von dem wohl mächtigsten Schwarzmagier ihrer Zeit. Rabastan hatte sich ihm sofort angeschlossen und trug inzwischen auch schon das Dunkle Mal. Severus war noch etwas Zeit gegeben worden, bis er sich entscheiden musste.
Er war nicht dumm. Natürlich war ihm klar, dass er nicht Nein sagen konnte, aber dass man ihm die Entscheidung überließ sollte wohl eher eine Geste sein, um Selbstbestimmung vorzugaukeln.
"Sev?", riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. Er fokussierte seinen Blick und sah direkt in die sturmgrauen Augen von Regulus, der sich vor ihn gekniet hatte. Scheinbar hatte er bereits mehrmals versucht, ihn anzusprechen.
"Entschuldigung, ich war in Gedanken", sagte Severus und schüttelte den Kopf um die Bilder von Regulus zu verbannen, der dort gerade ganz andere Dinge tat, als nur vor ihm zu hocken.
"Ich bin fertig mit meinem Trank", sagte der Jüngere gerade und erhob sich. "Wollen wir zurück in den Gemeinschaftsraum?"
Severus sah auf die Armbanduhr von Regulus, da er selbst beim Brauen keine trug. "Ich würde sagen, wie gehen in die Große Halle. Es gibt bestimmt schon Abendessen."
Regulus nickte zustimmend und so packten die beiden Jungen ihre Bücher zusammen und machten sich auf den Weg in die Große Halle.
Sie hatten kein Glück.
Noch bevor sie in die Eingangshalle kamen - dort, wo es Slytherins und Zeugen gegeben hätte - liefen sie nämlich den Rumtreibern in die Hände.
Der entspannte Gesichtsausdruck von Severus, den er stets nach den gemeinsamen Stunden mit Regulus im Zaubertränkeklassenzimmer trug, verschwand und machte Zorn und Hass Platz.
"Potter", knurrte er leise.
"Schniefelus", begrüßte der Gryffindor ihn. "Und die kleine Salwn-Schlampe ist auch dabei."
Severus drehte sich überrascht um. Tatsächlich kam Elyna gerade gut sichtbar den Gang entlang gelaufen, während Regulus im Schatten einer Säule stand und deshalb noch nicht von den Gryffindors bemerkt worden war. Severus bedeutete ihm unauffällig, dass er dort stehen bleiben sollte. Für ihn selbst und Elyna war es bereits zu spät.
