41. Schwangerschaft

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"Weißt du, was Narzissa von uns will?" Elyna lief gemächlich neben Rabastan her, hatte sich bei ihm eingehakt und sah ihn nun fragend an.
Er zuckte jedoch nur ratlos mit den Schultern. "Ich habe nicht einmal eine Vermutung", meinte er schief grinsend.
Elyna lächelte nur und wandte ihren Blick wieder dem riesigen Anwesen der Malfoys zu, das sich vor ihr erstreckte. Narzissa hatte ihr und Rabastan vor zwei Stunden einen Brief geschickt, in dem sie die beiden bat, zum Kaffeetrinken vorbei zu kommen. Elyna nahm an, dass auch Josec, Severus und Regulus eingeladen waren, wusste es jedoch nicht mit Sicherheit.
"Erstaunlich warm für eine Oktobernacht, oder?", fragte Rabastan auf einmal, den Blick skeptisch gen Himmel gerichtet.
Elyna runzelte die Stirn. "Eher ziemlich schwül. Wahrscheinlich gibt es nachher ein Gewitter, dann müssen wir per Flohnetzwerk zurück nach Hause", sagte sie mit leidendem Gesichtsausdruck.
Rabastan lächelte sie beruhigend an, wusste er doch, dass sie eine Abneigung gegen das Reisen über die Kamine hegte. "Vielleicht regnet es ja erst, wenn wir wieder weg sind."
Elyna warf noch einen Blick zu den dunklen Wolken hinauf und hoffte, dass ihr Ehemann recht hatte. Sie glaubte jedoch nicht daran.
Rabastan übernahm es, an die Tür zu klopfen, die beinahe sofort von einem Hauselfen geöffnet wurde. "Guten Tag, Mr und Mrs Lestrange", begrüßte Dobby sie leise.
Rabastan hatte nicht viel für Hauselfen übrig und ignorierte sie meistens. Dementsprechend schnell hatte er dem kleinen Diener der Malfoys seine Jacke in die Hand gedrückt und war bereits auf den Salon zugeeilt, während Elyna gerade erst über die Türschwelle trat.
"Hallo, Dobby", begrüßte sie ihren liebsten Hauselfen bei den Malfoys. In Lestrange Manor hatte sie natürlich auch ihre Favoriten.
Sie legte ohne Hast ihre Jacke und den Slytherinschal ab, den sie noch immer gerne trug, auch wenn sie nicht mehr nach Hogwarts ging. Dann machte auch sie sich auf den Weg in den Salon.
Regulus und Severus saßen bereits auf einem der Sofas, Lucius und Narzissa belegten ein anderes. Josec hatte es sich in einem Sessel bequem gemacht und Rabastan hielt seiner Ehefrau einen Platz auf der Couch frei.
Elyna beobachtete Narzissa aufmerksam, während sie sich neben Rabastan setzte. Die Freundin schien regelrecht zu strahlen, auch wenn es dafür keinen ersichtlichen Grund gab.
Kaum hatte Elyna sich hingesetzt, brachten zwei Hauselfen Kaffee, Tee und verschiedene Sorten Gebäck. Elyna kuschelte sich ein wenig näher an Rabastan heran, während sie Narzissa musterte und schließlich fragte: "Also, was ist los?"
Narzissa griff nach der Hand von Lucius und lächelte ihn glücklich an. Ihre andere Hand ruhte auf ihrem Bauch und in dem Moment, in dem Elyna ein Licht aufging, sagte Narzissa bereits: "Ich bin schwanger!"
Elyna sprang sofort auf und umarmte ihre Freundin. "Herzlichen Glückwunsch!"
Auch Rabastan, Reg, Sev und Josec gratulierten der Freundin. Elyna quetschte sich neben Narzissa auf das Sofa, woraufhin Lucius die Augen verdrehte und seufzend aufstand, um sich neben Rabastan zu setzen.
"Erzähl schon!", forderte Elyna ihre Freundin auf. "Seit wann weißt du es? Ist es ein Junge? Ein Mädchen? Wann wird es geboren?"
Narzissa lachte, ihre sturmgrauen Augen strahlten und schienen nie wieder damit aufhören zu wollen. "Nicht so viele Fragen auf einmal", bremste sie Elyna in ihrem Redefluss, antwortete jedoch: "Ich habe mich in den letzten Tagen nicht besonders gut gefühlt, musste morgens häufig brechen und war auch sonst nicht unbedingt die angenehmste Gesellschaft." Sie lächelte verlegen, als Elyna zustimmend nickte. Ja, die Blonde war in den letzten Tagen recht... unausstehlich gewesen. "Jedenfalls war ich heute morgen beim Arzt, aber der konnte auf Anhieb keine Krankheit feststellen. Er hat dann eine Weile überlegt und schließlich gefragt, wann ich das letzte Mal meine Regel hatte." Sie senkte an dieser Stelle ihre Stimme ein wenig, während die Männer peinlich berührt zur Decke starrten.
Verständlich. Dieses Thema wurde in Reinblut-Kreisen nicht angesprochen, allerdings redeten auch die Muggel nur selten über solche Dinge. Zwar war die Gesellschaft heutzutage viel toleranter als noch vor zehn Jahren, aber sie waren noch weit davon entfernt, über solche Themen offen miteinander zu reden. "Ich hab natürlich sofort gemerkt, worauf er anspielen wollte, aber dachte nicht, dass es so schnell geklappt hat. Lucius und ich haben es zwar versucht, aber nicht so früh schon mit Ergebnissen gerechnet. Jedenfalls hat der Arzt mir dann Blut abgenommen und mit einigen Zaubern tatsächlich feststellen können, dass ich schwanger bin!" An dieser Stelle lächelte Narzissa glücklich, hatte sogar ein paar Freudentränen in den Augen. Elyna umarmte die Blonde und freute sich mit ihr. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch nicht feststellen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, auf jeden Fall ist das Baby aber kerngesund! Es soll Anfang Juni zur Welt kommen." Elyna umarmte Narzissa gleich noch einmal.
"Hach, ich freue mich so für euch", grinste sie und warf einen Blick zu Lucius, der mit stolzgeschwellter Brust den beiden Frauen gegenüber saß. Dann schaute sie zu den übrigen Männern im Raum und wandte sich stirnrunzelnd wieder an Narzissa. "Habt ihr euch schon überlegt, wer der Pate werden soll?"
Narzissa nickte langsam. "Wir haben uns überlegt, dass wir gerne zwei Paten hätten. Immerhin befinden wir uns im Krieg und jeder der hier Anwesenden könnte morgen schon sterben - was wir natürlich nicht hoffen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn du seine Patin wirst, Ly", Narzissa sah der Schwarzhaarigen fest in die Augen.
"Ich?", fragte Elyna tatsächlich ein wenig überrascht. Natürlich waren sie und Narzissa schon ewig Freundinnen, allerdings hatte sie nie das Gefühl gehabt, dass Lucius sie besonders gut leiden konnte. Und immerhin ging es hier auch um sein Kind, seinen Erben.
Narzissa nickte überzeugt und als Elyna einen Blick zu Lucius warf, gab auch er seine erneute Zustimmung. Sie grinste und umarmte ihre Freundin ein weiteres Mal.
"Also machst du es?", hakte Narzissa vorsichtshalber nach.
Elyna lachte. "Ich kann ja schlecht Nein sagen, wenn ihr mich schon so lieb darum bittet." Außerdem hatte sie das starke Gefühl, dass sie sonst nie Patin werden würde. Während sie sich bereits ausmalte, wie sie mit einer kleinen Version von Narzissa und Lucius im Garten der Malfoys spielte, kam ihr ein Gedanke. "Wer ist denn der andere Pate?", fragte sie also.
Lucius räusperte sich und wandte sich Severus zu. "Wir hatten gehofft, du würdest dich dazu bereit erklären", sagte er lediglich. Elyna hätte beinahe genervt geseufzt. Männer konnten manchmal so wortkarg sein.
"Ich soll der zweite Pate werden?", fragte Severus überrascht.
Elyna verstand die Wahl der zukünftigen Eltern. Severus war ruhiger als Josec und Rabastan, stand mit beiden Beinen auf dem Boden. Außerdem war er ein talentierter Zauberer, der sich und die Seinen problemlos verteidigen konnte. Regulus hingegen war in letzter Zeit immer ziemlich durch den Wind, hatte häufig tiefe Augenringe und sah insgesamt nicht sonderlich gesund aus. Elyna machte sich ein wenig Sorgen um den Jüngeren, allerdings war sie auch der Meinung, dass er schon zu ihr kommen würde, wenn er über seine Probleme sprechen wollte.
"Ja, wir haben uns gedacht, dass ihr beide zusammen ein gutes Vobild für unser Kind seid", griff Narzissa die von Severus gestellte Frage auf. "Ihr vertretet nicht immer dieselben Ansichten und seid trotzdem ein Herz und eine Seele. Ihr würdet großartige Paten für unser Kind abgeben."
Elyna sah ihren besten Freund an und grinste breit, bevor sie sich wieder Narzissa zuwandte. "Dann müsst ihr euch aber damit abfinden, dass euer Kind sich seinen Paten mit meinem Kind teilen muss!"
Narzissa warf einen überraschten Blick auf Elynas Bauch und die Schwarzhaarige lachte. "Ich bin nicht schwanger, keine Sorge! Aber man weiß ja nie, was die Zukunft so bringt."
Severus räusperte sich. "Du willst, dass ich auch der Pate von deinem Kind werde?", fragte er sie skeptisch.
Elyna nickte. "Ja, mein Kind kann sich glücklich schätzen, wenn es so einen tollen Menschen wie dich zum Paten hat." Sie betonte es nicht, wusste aber trotzdem, dass Severus die Botschaft verstand. Sie hatte "mein Kind" gesagt, nicht "unser Kind". Severus wusste, dass sie und Rabastan nicht diese Gefühle füreinander hegten. Und er war schlau genug, zu verstehen, dass keiner der Anwesenden mit ihrer Partnerwahl einverstanden wäre. Er selbst war zwar auch nicht von Remus Lupin begeistert, allerdings fand er den ehemaligen Gryffindor immer noch erträglicher als Sirius oder Potter.
Schließlich nickte Severus. "Ich wäre gern der Pate von eurem Kind", sagte er an Lucius und Narzissa gewandt, bevor er zu Elyna sagte: "Und der von deinem."
Elyna lächelte ihn dankbar an, dann umarmte sie Narzissa noch einmal und tauschte mit Lucius die Plätze, sodass sie wieder neben Rabastan saß. Das Bedürfnis, ihrer Zwillingsseele nah zu sein, hatte sie ganz plötzlich und ohne ersichtlichen Grund überkommen.
Sie schmiegte sich an Rabastan und genoss die Geborgenheit, die er ihr vermittelte.

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