14. Hochzeit

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Es war ein sonniger Junimorgen, nur ein paar kleine Schäfchen-Wolken schwebten in der Ferne am Himmel. Elyna betrachtete staunend das riesige Anwesen, das sich in zweihundert Meter Entfernung vor ihr befand.
"So groß ist Rabastans Familie doch gar nicht, wozu brauchen sie so viele Zimmer?", fragte sie Josec, der neben ihr stand und auch ziemlich überwältigt schien.
Er blinzelte nur, als würde das Anwesen dadurch kleiner werden. Aber sie hatte ohnehin keine Antwort erwartet.
"Gefällt es euch?", fragte plötzlich eine Stimme hinter ihnen.
Elyna drehte sich um und fiel Rabastan um den Hals.
Lachend wirbelte er sie herum, bevor er sie sicher wieder auf dem Boden abstellte und auch ihren Bruder begrüßte.
"Es ist unglaublich", kam Elyna auf die Frage zurück.
Rabastan lächelte. "Du auch", meinte er nur und nahm ihre Hand, um sie auf das Anwesen zuzuziehen.
Elyna wurde leicht rot im Gesicht. Tatsächlich hatte sie sich für den heutigen Tag ein schickes grünes Kleid gekauft - zu einem Teil von Professor McGonagall nachträglich zu ihrem Geburtstag gesponsert. Es hatte breite Träger, einen angemessen tiefen Ausschnitt und lag bis zur Taille eng an. Dort befand sich ein schmaler, schwarzer Gürtel, der den Übergang von dem enganliegenden oberen Teil des Kleides zum locker fallenden unteren Teil kaschierte. Wenn sie sich schnell genug drehte flog der Rock so, dass es beinahe so aussah als würde sie fliegen. Ihre Füße steckten in schwarzen Schuhen mit minimalem Absatz, mehr hatte sie sich nicht zugetraut. Die Haare waren ihr inzwischen bis zu den Schultern gewachsen. Sie schnitt sie nicht mehr ab, seitdem Rabastan ihr gesagt hatte, dass er ihre längeren Haare mochte. Zum heutigen Tag hatte sie zwei vordere Strähnen nach hinten geflochten, sodass ihr ihre restlichen Haare nicht ins Gesicht fallen konnten.
Josec, der auf Elynas anderer Seite lief, trug einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und grüner Krawatte, die seine Augen betonte.
Elyna lächelte ihren Bruder kurz an, dann waren sie auf dem Gelände angekommen und Rabastan führte sie zu den ganzen Menschen, die auf der Wiese standen oder auf den Stühlen saßen, die extra für die Zeremonie aufgestellt worden waren.
Josec verdrückte sich schnell zu Regulus, während Rabastan Elyna auf ein älteres Ehepaar zuzog, das eine ungeheure Autorität ausstrahlte. "Es wird langsam mal Zeit, dass du meine Eltern kennen lernst", flüsterte Rabastan und sah sie aufmunternd an.
Jeder Protest wäre sinnlos gewesen, denn in diesem Moment kamen sie vor dem Ehepaar zum stehen.
"Mutter, Vater, das ist meine Verlobte Elyna Salwn", stellte er sie vor. "Elyna, das sind meine Eltern."
Sie reichte den beiden höflich die Hand. "Es freut mich, Sie kennen zu lernen, Mr und Mrs Lestrange", sagte sie freundlich mit einer Spur der slytherischen Arroganz, die man in ihrem Haus so gerne lehrte.
"Soso, du bist also Elyna", der Mann, von dem Rabastan seine schwarzen Haare und die markanten Gesichtszüge hatte, musterte sie eindringlich.
Sie drückte den Rücken noch ein wenig mehr durch und hielt seinem durchdringenden Blick stand.
"Ach, Fulcran, lass das Mädchen doch in Frieden", mischte sich nun die Frau ein, zog Elyna zu sich heran und begrüßte sie mit einem Küsschen rechts und links. Sie hatte hellbraune Haare und dunkle Augen und Elyna wurde plötzlich bewusst, woher Rabastan seine liebevollen Seiten hatte. "Nenn mich ruhig Irma, bloß keine falsche Scheu! Mein Mann ist am Anfang immer etwas still und verschlossen, aber das gibt sich mit der Zeit, mach dir da mal keine Sorgen!" Sie hakte sich bei Elyna ein und zog sie sanft aber bestimmt zu den Stühlen. "Du setzt dich zu uns, immerhin bist du schon fast ein Teil der Familie", plauderte sie fröhlich weiter.
Elyna sah sich ein wenig hilflos nach Rabastan um, aber der stand bei seinem Vater und lachte nur leise.
Irma erzählte munter weiter, während sie Elyna zu einem der vorderen Stühle bugsierte und sie anwies, dort Platz zu nehmen. Sie redete über alles mögliche, was Rabastan betraf - seine ersten Erfolge, seine Schuhgröße, sein Lieblingsgericht vor zehn Jahren, vor fünf Jahren und heute - und hörte erst auf, als alle Gäste saßen und die Musik ertönte.
Erleichtert über die Redepause wandte Elyna sich dem Brautpaar zu und staunte nicht schlecht. Rodolphus sah gut aus in seinem schwarzen Anzug und dem weißen Hemd, aber alle Blicke klebten an Bellatrix. Sie trug ein langes weißes Kleid, das eng am Körper anlag und ihre schlanke Figur betonte. Es hatte keine Träger, dafür aber lange hauchdünne Ärmel aus feinster Spitze. Vorne war der Ausschnitt sehr hoch gelegen, sodass man nichts unschickliches vermuten konnte, was Elyna verwunderte, immerhin kannte sie die Black schon einige Jahre. Dann schritt die Schwarzhaarige allerdings weiter nach vorne und Elyna sog scharf die Luft ein. Ihr ganzer Rücken war bis knapp über ihrem Po nur von einer dünnen Schicht Spitze bedeckt, sodass man sehr viel von ihrer makellos weißen Haut sehen konnte.
Kurz gesagt: Bellatrix sah wunderschön aus.
Die Zeremonie ging relativ schnell vonstatten. Elyna war nur überrascht, dass die beiden Ehepartner sich am Ende gegenseitig mit einem einfachen Fluch in die Handfläche schnitten und das Blut des anderen tranken. "Euer Blut hat sich vermischt", sprach der Mann, der die Trauung vollzog, "tauscht nun eure Ringe."
Die Ringe wurden angesteckt und Rodolphus küsste Bellatrix ein paar Sekunden zu lange, bevor die beiden sich voneinander lösten, sich verliebt anschauten und von ihren Gästen beklatscht wurden.
Mit einem Zauberstabwedeln waren die Stühle an die Seite geschwebt und eine große Tanzfläche erschien, dazu passende Musik wurde von einem kleinen Orchester live gespielt. Rabastan hielt Elyna eine Hand entgegen und verbeugte sich leicht. "Darf ich um diesen Tanz bitten?"
Elyna lächelte, nahm seine Hand an und ließ sich von ihm über die Tanzfläche führen. Für eine Weile gab es nur sie beide und die Musik.
Schließlich machten sie doch noch eine Pause und gratulierten dem Brautpaar, bevor sie etwas tranken und ein paar Häppchen aßen. Dann tanzten sie erneut.
Als bereits die Sonne unterging und den Himmel rot färbte, bemerkte Elyna Regulus, der an einem der Tische saß und etwas verloren wirkte. Ihr kam ein Gedanke.
"Rabastan?", fragte sie also.
"Ja?"
"Angenommen du würdest nicht mich heiraten wollen, sondern meinen Bruder", begann sie. "Würde das gehen?"
Er runzelte kurz die Stirn. "Das kommt darauf an, was du damit meinst."
"Naja, in der Muggelwelt sind Ehen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen verboten und auch solche Beziehungen gelten dort als verpönt."
"Ach ja?", machte er überrascht. "Nun, bei Zauberern ist es auch nicht gerade üblich, weil gleichgeschlechtliche Partner keine Kinder miteinander zeugen können, aber es ist durchaus möglich. Nimmt man Josec und mich als Beispiel, könnten wir ruhigen Gewissens heiraten, denn in meiner Familie ist Rodolphus der Erbe, weshalb ich nicht gezwungen wäre, Kinder in die Welt zu setzen."
Elyna legte den Kopf schief. "Es würde also nicht gehen, wenn DU der Erbe wärst?"
"Da Rodolphus und ich Brüder sind, also die männlichen Erben, wäre es gar nicht so abwegig. Ich könnte Josec heiraten, vorrausgesetzt Rodolphus heiratet eine Frau und ich verzichte auf mein Erbe, das ich ja an niemanden weitergeben kann."
"Es wäre dir also nicht möglich, wenn du ein Einzelkind wärst?"
Rabastan zögerte kurz. "Doch, es wäre möglich. Allerdings müssten wir dafür eine reinblütige Frau finden, die mein beziehungsweise Josecs Kind austrägt. Durch die Zauberei ist dieser Prozess einfacher als bei Muggeln - hab ich zumindest gehört. Die Frau, die unser Kind gebärt, müsste allerdings schriftlich festhalten, dass sie alle Ansprüche an das Kind abtritt. Heutzutage gibt es nicht mehr so viele reinblütige Familien, deswegen wird dieses Verfahren kaum noch angewandt."
Elyna nickte langsam. "Ich glaube, ich habe es verstanden", murmelte sie leise und sah noch einmal zu Regulus. Rabastan folgte ihrem Blick. "Weißt du, warum er so niedergeschlagen aussieht?", fragte sie den Schwarzhaarigen.
Rabastan senkte die Stimme und erzählte: "Sirius ist von zu Hause weggelaufen."
"Was?!" Elyna stolperte über ihre Füße und brauchte einige Takte, um in den Rhythmus zurückzufinden. Dann sah sie Rabastan auffordernd an und er sprach weiter.
"Genaues weiß ich auch nicht, aber er hatte wohl einen riesigen Streit mit seiner Mutter. Daraufhin hat er seine Sachen gepackt, ist aus dem Haus gelaufen und in einen Muggelbus gestiegen. Regulus hat er anscheinend noch gesagt, dass er zu den Potters geht. Seine Mutter hat daraufhin Sirius' Namen aus dem Stammbaum gebrannt."
Entsetzt starrte Elyna Rabastan an. "Wie geht es Regulus?", fragte sie dann.
"Bescheiden. Sirius hat sich ja schon früher vor seinen Verantwortungen gedrückt, aber das ist ein ganz neues Level der Rebellion. Regulus ist jetzt der Erbe der Familie Black und auf seinen Schultern ruhen nun alle Erwartungen seiner Eltern."
Elyna warf einen mitleidigen Blick zu Regulus, blieb allerdings bei Rabastan, denn sie hatte das Gefühl, der Jüngere würde nicht mit ihr sprechen wollen.
"Was tut man in so einer Situation?", fragte sie Rabastan.
Er zuckte mit den Schultern. "Da kann man nichts machen. So ist das Leben in einer Reinblut-Familie." Als er merkte, dass Elyna noch immer zutiefst erschüttert war, zog er sie näher an sich und schlang seine Arme um sie. Vorsichtig strich er ihr über die Haare und hauchte einen Kuss auf ihre Stirn. "Wenn er uns braucht, sind wir für ihn da. Wir sind immerhin seine Freunde und Regulus weiß, dass er immer zu uns kommen kann."
Elyna nickte und klammerte sich an den Schwarzhaarigen, als würde sie ihn nie wieder loslassen wollen.
Tatsächlich blieben die beiden den ganzen Abend über zusammen und ließen sich nicht einmal von Rabastans Mutter trennen, die unbedingt nochmal mit Elyna sprechen wollte.
Alles in allem war es ein wunderschöner Tag gewesen und Elyna war froh darüber, ihn mit den Menschen verbracht zu haben, die sie liebte.

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