"Kann ich mir deine Aufzeichnungen aus der letzten Stunde Geschichte mal angucken, Elyna?"
Die Schwarzhaarige sah von ihrem Verwandlungsaufsatz zu Lily auf und schob der Gryffindor ihre Geschichtsnotizen zu.
Sie saßen in der Bibliothek und machten gemeinsam Hausaufgaben. Es war bereits Ende März und ihre abschließenden Prüfungen rückten immer näher. Elyna lernte deshalb häufig mit Lily in der Bibliothek, denn Rabastan und Josec machten sich bisher kaum Gedanken über ihre UTZe. Sie hätten ja noch Zeit, sagten sie immer. Elyna war der Meinung, dass ein bisschen mehr lernen auch nicht schaden konnte.
Lily bedankte sich für die Notizen und sie arbeiteten still weiter.
Nach vielleicht einer halben Stunde stand die Rothaarige auf. "Bin gleich wieder da", murmelte sie zu Elyna, die lediglich nickte. Wahrscheinlich wollte sie sich ein Buch passend zum Thema suchen.
Als der Stuhl neben ihr bereits nach zwei Minuten erneut bewegt wurde, sah Elyna überrascht auf. So schnell war die Gryffindor doch sonst nicht?
Tatsächlich saß auch nicht Lily neben ihr, sondern Severus. "Ich soll dir von Rabastan ausrichten, dass das Quidditchtraining etwas länger dauert", erklärte er und holte einige Unterlagen aus seiner Tasche heraus. "Stört es dich, wenn ich meine Hausaufgaben für Zaubertränke hier mache?"
Elyna hob eine Augenbraue und legte nachdenklich den Kopf schief. "Mich nicht, aber-"
In diesem Moment hörte sie die Schritte. Lily bog keine Sekunde später um die Ecke und blieb abrupt stehen. Ihre Augen spiegelten zunächst Verblüffung, dann Sehnsucht und zuletzt Ärger wider. "Was willst du denn hier?!", fauchte sie unfreundlich, eine Eigenschaft, die sie nur sehr selten zeigte.
Severus sah zuerst so aus, als wolle er sich entschuldigen, doch bei ihren harten Worten schaltete er auf stur. "Ich verbringe Zeit mit meiner besten Freundin, ist das verboten?"
Lily schnaubte, kam näher und griff sich in einer einzigen fließenden Bewegung ihre Unterlagen, die auf dem Tisch verstreut lagen. Dabei schlug sie sie Severus wie unabsichtlich direkt ins Gesicht, bevor sie sich mit wehenden Haaren umdrehte und davonstürmte.
Elyna wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Sie erlaubte sich ein kleines Grinsen, als sie Severus' überrumpelten Gesichtsausdruck sah. Dann seufzte sie. "Ihr müsst ganz dringend miteinander reden", sagte sie.
"Wie denn? Sie ignoriert mich doch die ganze Zeit!", schnaubte Severus aufgebracht. Dann sackten plötzlich seine Schultern herab und eine unheimliche Traurigkeit machte sich auf seinem Gesicht breit. "Ich habe es verbockt, Ly, und zwar so richtig. Ich verstehe, warum sie nicht mehr mit mir reden will. Ich habe unverzeihliche Fehler gemacht, die es mir unmöglich machen, mich weiterhin als ihren "Freund" zu bezeichnen."
Elyna legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Früher warst du mal in sie verliebt, weißt du noch?"
Severus wurde nicht einmal mehr rot, sondern zuckte nur mit den Schultern. "Ja, aber das ist ewig her und war vor..."
"Vor Regulus", beendete Elyna seinen Satz.
Severus machte plötzlich einer überreifen Tomate Konkurrenz und fing an zu stottern. "I-Ich w-w-weiß nicht, w-was du meinst!"
Elyna lachte leise, um Madam Pince nicht aufzuregen. "Glaubst du, ich bin blind? Ihr seid so verknallt ineinander und einfach zu blöd, um das zu merken!"
Severus legte den Kopf auf den Tisch und sah Elyna von unten an. Er sagte nichts.
"Hey, wir sind doch Freunde", sagte die Schwarzhaarige nun deutlich sanfter. "Du kannst mit mir über alles reden, okay? Ich bin immer für dich da."
Severus nickte, sagte jedoch noch immer nichts.
Elyna strich ihm eine Weile einfach nur durch seine schwarzen Haare, die er in letzter Zeit häufiger wusch, weil Regulus ihm einmal gesagt hatte, dass er den Geruch seines Shampoos mochte.
"Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll", flüsterte er schließlich leise. "Mir ist klar, dass da irgendetwas ist - etwas wirklich bedeutsames - aber mein Gehirn weigert sich standhaft dagegen. Ich bin in einer anderen Welt aufgewachsen als Regulus, mir wurde von klein auf beigebracht, dass jegliche... romantische Beziehung zwischen zwei... zwischen zwei Männern abnormal und widernatürlich ist. Dieses Denken kann ich nicht von heute auf morgen abstellen", schloss er und Elyna lächelte mitfühlend. "Außerdem... was ist, wenn er... wenn er einfach nicht dasselbe fühlt, sondern nur... gute Freundschaft will? Ich würde alles kaputt machen, was wir uns über die Jahre aufgebaut haben."
Elyna war versucht, ihrem schwarzhaarigen Freund eine Kopfnuss zu verpassen. Wie konnte man nur so dämlich sein? Seufzend schüttelte sie den Kopf. "Ich schätze, du glaubst mir nicht, egal wie oft ich es dir sage, aber trotzdem: Regulus ist in dich verliebt! Je länger du wartest und ihm deine Gefühle verheimlichst, desto wahrscheinlicher ist es, dass er dich aufgibt. Rede einfach mal mit ihm und finde selbst heraus, was du ihm gegenüber fühlst und was von seiner Seite aus zu erwarten ist. Du kannst dich nicht ewig davor verstecken, Sev." Elyna atmete einmal tief durch und beruhigte sich wieder ein bisschen. "Wenn es dir zu schnell geht, weil dir andere Werte eingetrichtert wurden als Reg, dann sag es ihm. Ihr habt ein ganzes Leben lang Zeit und müsst nichts überstürzen. Erst recht nicht, wenn du dich unwohl dabei fühlst." Elyna wartete ab bis Severus nach einer Weile kurz nickte, um ihr mitzuteilen, dass er zumindest darüber nachdenken würde. Dann richtete sie sich gerader auf und verbannte jeden fürsorglichen Ton aus ihrer Stimme. "Okay, bevor du dich allerdings um Regulus kümmerst, solltest du zuerst einmal deinen Streit mit Lily aus der Welt schaffen. Es belastet dich nur und führt letztendlich zu nichts."
Serverus' Kopf schnellte in die Höhe, er öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch Elyna hob lediglich eine Hand und signalisierte ihm somit, dass sie keine Ausflüchte dulden würde. Ergeben schloss er den Mund wieder.
"Sei heute Abend gegen halb sechs in dem leeren Klassenzimmer, in dem du sonst immer mit Reg lernst. Um den Rest kümmere ich mich."
Der Schwarzhaarige nickte lediglich und damit war es beschlossen. Elyna lächelte den Freund noch einmal an, bevor sie ihre Unterlagen zusammensuchte, in die Tasche stopfte und die Bibliothek verließ.
Ihr Weg führte sie zum Gryffindorturm - Lily hatte ihr einmal gezeigt, wo er lag, nachdem sie stundenlang zusammen gelernt hatten und die Rothaarige ihr ein Buch ausleihen wollte. Natürlich kannte sie das Passwort nicht und noch vor kaum mehr als einem halben Jahr wäre es purer Wahnsinn für sie gewesen, auch nur in die Nähe einer solchen Horde Gryffindors zu gehen, ohne jeden Begleitschutz aus dem Haus der Schlangen. Doch die Duellierstunden mit ihren Freunden hatten sich mehr als nur ausgezahlt. Josec und Elyna waren inzwischen regelrecht berüchtigt für ihr Talent im Duellieren. Schon seit einer ganzen Weile hatte kein Gryffindor es mehr gewagt, auch nur schief in ihre Richtung zu sehen. Lediglich James Potter war der Meinung, aus der Reihe tanzen zu müssen. Seitdem jedoch Josec und Sirius irgendetwas am Laufen hatten, von dem die ganze Schule etwas ahnte, das aber niemand anzusprechen wagte, hielt Potter sich ziemlich zurück. Er war regelrecht still geworden und Elyna war sich nicht sicher, ob es die Ruhe vor den Sturm war oder vielleicht doch die reichlich verspätet eintreffendende Besserung.
Ihre Gedanken blieben noch einen Moment bei ihrem Bruder und seiner neuen Beziehung hängen. Josec und Sirius störte es nicht im geringsten, ihre Gefühle füreinander öffentlich zu zeigen. Sirius, weil es in der Zaubererwelt nicht so ungewöhnlich war, dass zwei Männer sich liebten, und Josec, weil er auf der Straße gelernt hatte, dass es bei Liebe nicht wichtig war, von wem sie kam. Liebe zwischen Eltern und Kindern, Liebe zwischen Freunden, Liebe auf romantischer Ebene zwischen zwei Menschen. Er hatte gelernt, dass es nicht darauf ankam, welches Geschlecht der andere hatte, immerhin mochte Josec Sirius ja nicht, weil er ein Junge war, sondern weil er Sirius war. Elyna hoffte, dass auch Severus bald verstehen würde, was Liebe bedeutete.
Die Schwarzhaarige verbannte alle Gedanken an ihren Bruder, Sirius und Severus aus ihrem Kopf, als sie in den Gang zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors einbog.
Sie hatte Glück. Sie stand nur etwa zehn Minuten auf dem Gang herum, dann kam ein kleiner Zweitklässler vorbei und starrte sie mit großen, angstgeweiteten Augen an.
Elyna versuchte sich an einem höflichen Lächeln, da ihr allerdings die ganzen Taten der Gryffindors bezüglich ihr und Severus noch deutlich vor Augen standen, wirkte es eher wie eine gruselige Grimasse. Der Zweitklässler wimmerte ängstlich.
Elyna gab das Lächeln auf. "Okay, Kleiner, du gehst jetzt in deinen Gemeinschaftsraum und suchst Lily Evans, die Schulsprecherin", befahl sie ihm. "Sag ihr, dass ich hier auf sie warte und dass sie sich bitteschön beeilen soll." Der Zweitklässler nickte total eingeschüchtert, bewegte sich allerdings nicht von der Stelle. "Worauf wartest du noch?", fauchte Elyna ein wenig ungestüm und der Kleine sprintete regelrecht zum Porträt der Fetten Dame, nannte ganz leise das Passwort und verschwand blitzschnell. Das Gemälde schloss sich wieder hinter ihm und Elyna stand erneut allein auf dem Gang.
Es dauerte nicht lange, da schwang das Porträt erneut beiseite und Lily kam heraus. "Was um alles in der Welt hast du mit dem Jungen gemacht?", fragte sie ziemlich unwirsch.
Elyna zuckte mit den Schultern. "Ich fürchte, ich muss mal wieder üben, wie man kleine Gryffindors anlächelt."
Lily blinzelte überrascht und schüttelte dann leicht grinsend den Kopf. "Also, was willst du denn jetzt?", fragte sie schließlich.
Elyna bedeutete der Rothaarigen, ihr zu folgen und lief langsam den Gang entlang. "Ich wollte mit dir über Severus sprechen."
Lily versteifte sich merklich, kehrte jedoch immerhin nicht um. "Was ist mit ihm?"
Elyna verdrehte die Augen. "Er hat im Eifer des Gefechts etwas zu dir gesagt, das ihm wirklich leid tut - und im Übrigen schon zwei Jahre her ist. Er möchte sich endlich mal bei dir entschuldigen und da du ihm immer die kalte Schulter zeigst, spiele ich ein wenig das kleine Helferlein."
Lily schnaubte. "Du kannst ihm gerne sagen, dass er sich seine Entschuldigung in den Arsch schieben kann. Was er damals gesagt hat, ist nicht zu verzeihen und-"
"Jetzt hör aber mal auf!", unterbrach Elyna sie barsch und blieb stehen. Sie versuchte, sich schnell wieder zu beruhigen, damit sie nicht irgendetwas sagte, das sie hinterher bereuen könnte. "Hör mal, Lily, ich verstehe ja, dass du verletzt bist, weil er dich so übel beleidigt hat. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung, denn Freunde sollten ganz schlicht und einfach nicht so übereinander reden. Aber hast du schonmal darüber nachgedacht, dass es vielleicht nicht nur seine Schuld ist?" Elyna machte eine kurze Pause, um Luft zu holen. "Du kennst ihn doch - ihn und seinen blöden Stolz. Kannst du dir nicht vorstellen, wie unglaublich du ihn damals blamiert hast? Nicht nur vor den Gryffindors, sondern auch vor seinen Freunden."
Lily blinzelte ein paar Mal. Sie schien über die Worte ihrer Freundin tatsächlich nachzudenken.
Elyna entschied sich, ihre Überlegungen weiter auszuführen, damit die Rothaarige nicht zu den falschen Schlüssen kam. "Du hast ihn vor den Gryffindors blamiert, weil du ein Mädchen und eine Gryffindor bist. Und du hast ihn vor den Slytherins blamiert, weil du ein Mädchen, eine Gryffindor und eine Muggelstämmige bist. Natürlich wollte er da beweisen, dass er sich auch allein verteidigen kann und natürlich war es völlig falsch von ihm, dich zu beleidigen, nur um seinen "guten" Ruf unter den Slytherins zu retten."
Sie standen sich auf dem Gang eine Weile gegenüber, doch als Lily noch immer nichts sagte, setzte Elyna sich langsam wieder in Bewegung. Die Gryffindor folgte ihr. "Ich weiß, dass in erster Linie Severus für euren "Streit" verantwortlich ist, aber so ganz unschuldig bist du in meinen Augen auch nicht. Außerdem ist die ganze Sache jetzt schon zwei Jahre her und ich finde, es wird Zeit für euch beide, endlich wieder nach vorn zu gucken - und zwar zusammen. Ihr seid schon so lange Freunde, willst du das wirklich aufgeben wegen eines dummen Streites? Ich sage ja nicht, dass du ihm sofort alles vergeben musst oder so, aber klärt das bitte wenigstens endlich, damit ihr euch nicht länger gegenseitig hinterherstarrt wie ein Welpe seiner Mutter." Damit öffnete Elyna die Tür zu dem leeren Zaubertränkeklassenzimmer und schubste Lily sanft hinein. Sie zwinkerte Severus zu und schloss die Tür ganz schnell hinter Lily, bevor sie auf dem Gang ihren Posten bezog, damit nicht noch jemand zufällig in den Raum hineinstürmte, während die beiden endlich ihren nicht ganz so kleinlichen Zwist beilegten.
Severus war in das leere Zaubertränkeklassenzimmer gegangen, kaum dass Elyna die Bibliothek verlassen hatte. Er hätte sich ohnehin nicht mehr konzentrieren können. Seine Gedanken kreisten zum einen natürlich um das bevorstehende Gespräch mit Lily, denn so wie er Elyna kannte, würde sie nicht nachgeben, bis sie die rothaarige Gryffindor überredet hätte, sich mit ihm zu treffen. Auf der anderen Seite schweiften seine Gedanken allerdings immer wieder zu Regulus ab und zu dem, was Elyna gesagt hatte.
Severus war nicht dumm, manchmal etwas schwer von Begriff, aber nicht dumm. Er wusste, dass er sich heillos in Regulus verliebt hatte und er wusste, dass er nicht ohne den Jüngeren leben konnte. Wenn Severus ihm sagte, welche Gefühle er für den Schwarzhaarigen hegte und dieser sie nicht erwiderte, würde ihre Freundschaft das nicht überstehen. Zwar machte es ihm Mut, dass Elyna glaubte, Regulus wäre in ihn verliebt, allerdings konnte sie sich ja auch irren und dann?
Severus seufzte. Dann saß er richtig in der Tinte.
Das Knarzen der sich öffnenden Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Als Severus aufblickte, sah er gerade noch, wie Elyna Lily in den Raum schubste und ihm zuzwinkerte, bevor sie die Tür wieder schloss. Sein Blick wanderte automatisch zu seiner Kindheitsfreundin hinüber.
Lily wirkte weniger wütend, sondern viel eher unsicher und das verwirrte Severus ungemein. Vorhin in der Bibliothek war sie eindeutig verärgert gewesen, aber jetzt schien sie sich nicht sicher zu sein, was sie fühlen sollte. Sie wanderte ziellos durch den Raum und fuhr mit ihren Fingern über die alten Holzpulte, in die die verschiedensten Zaubertränke ihre Spuren hineingeätzt hatten. Sie sah sich alles an, doch nie fiel ihr Blick dabei auf Severus.
Der Schwarzhaarige wurde mit jeder Sekunde verwirrter. Was bei Merlin hatte Elyna zu der Rothaarigen gesagt?
Schließlich setzte Lily sich hin, auf einen Stuhl, der gar nicht so weit von Severus entfernt stand.
Er beschloss, nun endlich etwas zu sagen. "Es tut mir leid", eröffnete er also das Gespräch. "Ich weiß, dass es unverzeihlich ist, was ich damals gesagt habe und ich bilde mir nicht ein, dass du es mir jemals vergeben kannst. Wir waren so lange Freunde, Lily, und ich habe dich furchtbar verletzt. Deswegen... ich wollte dir einfach nochmal sagen, dass es mir leid tut, denn ich glaube nicht, dass es reicht, wenn ich es nur ein einziges Mal sage. Ich wollte dich nicht verletzen und mir ist klar, dass ich es trotzdem getan habe." Severus hatte Lily bei seinen Worten angesehen, doch sie hielt den Kopf gesenkt. "Es tut mir leid", wiederholte er.
Es vergingen Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, bevor die Rothaarige den Kopf hob. Zu Severus' Erstaunen standen Tränen in ihren grünen Augen, von denen er nicht wusste, wo sie hergekommen waren. "Ich war so wütend auf dich, Sev", sagte sie leise und sah ihm direkt in seine schwarzen Seelenspiegel. "Nicht nur wegen deiner Worte, sondern viel mehr, weil du damit bewiesen hast, dass James richtig lag mit seiner Behauptung, man könne dir nicht trauen, weil du nunmal ein Slytherin bist. Ich war so unglaublich wütend, weil du mit diesem einen verfluchten Wort alles aufgegeben hast, was uns verbunden hat." Die Tränen liefen nun ungehindert über ihre Wangen und Severus sah ihnen hilflos dabei zu. "Ich habe damals deinen Stolz gekränkt und dich vor beinahe allen Menschen blamiert, die eine Rolle in deinem Leben gespielt haben und es immer noch tun. Das sehe ich ein und es tut mir leid. Aber es rechtfertigt nicht, dass du mir deswegen so unglaublich wehgetan hast. Du warst doch mein bester Freund!" Lily schluchzte nun haltlos und versuchte, ihren Tränenstrom mit dem Ärmel wegzuwischen, doch sie hörte einfach nicht auf zu weinen.
Schließlich sprang Severus auf, zögerte noch eine Millisekunde und ging dann auf sie zu. Er blieb vor Lily stehen und breitete einfach die Arme aus. Die Rothaarige zögerte nicht und stürzte sich auf ihn. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und schluchzte an seiner Schulter, während er sie fest an sich drückte. "Es tut mir leid, Lily. Es tut mir so unendlich leid", flüsterte er immer und immer wieder. Dabei stiegen ihm selbst die Tränen in die Augen, doch er konnte sie zurückkämpfen.
Schließlich beruhigte Lily sich wieder vollständig, doch Severus konnte nicht aufhören, sich zu entschuldigen. So viel hatte er falsch gemacht. So unglaublich viel!
Lily löste sich vorsichtig aus seinem festen Griff, ihre Augen waren leicht gerötet vom vielen Weinen, doch sie lächelte. Sanft legte sie ihm eine Hand auf die Wange und stoppte somit seinen Redefluss.
"Ist schon gut, Sev", sagte sie leise, aber bestimmt. "Ich vergebe dir."
