13. "Schlammblut!"

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Tatsächlich holten sich die Slytherins den Quidditchpokal viermal in Folge, was nicht unbedingt dazu beitrug, dass die anderen Häuser sie besser leiden konnten. Aber Elyna hatte sich inzwischen damit abgefunden. Sie entwickelte zudem einen immer größer werdenden Hass auf alles, was nicht Slytherin war. Bei Josec war dieser Vorgang ein gutes Stück schneller und intensiver abgelaufen.
Für die Zwillinge und ihre Freunde standen bald die ZAG-Prüfungen an, aber zuvor wurde der Sieg gegen die Gryffindors und der erneute Gewinn des Quidditchpokals gefeiert. Professor Slughorn ließ sich sogar eine Weile dazu hinreißen mit ihnen zu feiern, allerdings verschwand er schnell wieder, nachdem er einige Becher "Kürbissaft" getrunken hatte.
Elyna setzte sich nach einer Weile auf ein Sofa neben Bellatrix, die dieses Jahr überaus ruhig gewesen war. Rodolphus hatte ein Jahr zuvor seinen Abschluss gemacht, aber wehe dem, der Bellatrix darauf ansprach!
Sie saßen eine Weile schweigend nebeneinander, dann fragte Bellatrix: "Ihr macht dieses Jahr eure ZAGs, nicht wahr?"
Elyna nickte. "Du machst dieses Jahr deinen Abschluss", erwiderte sie. Bellatrix nickte, obwohl es keine Frage war. "Und dann heiratest du Rodolphus."
Die dunkelbraunen Augen der Black leuchteten auf als sie nickte. "Ja, in ein paar Wochen. Du und dein Bruder seid natürlich auch eingeladen."
Elyna blickte überrascht auf. So gut kannte sie Bellatrix und Rodolphus nun auch wieder nicht.
"Rabastan hat darum gebeten", erklärte die Siebtklässlerin, die ihren Blick richtig gedeutet hatte. "Er scheint dich wirklich sehr zu mögen."
Elyna warf einen liebevollen Blick zu dem Schwarzhaarigen, der sich gerade lachend mit ihrem Bruder unterhielt. "Ja, scheint so."
Bellatrix starrte eine Weile in das Feuer, das im Kamin loderte. "Rodolphus hat sich dem Dunklen Lord angeschlossen", sagte sie plötzlich. "Sobald wir verheiratet sind, werde auch ich zu den Todessern gehen."
Elyna runzelte die Stirn. "Weil ihr verheiratet seid oder aus Überzeugung?"
Bellatrix lachte. "Gute Frage." Sie schwieg eine Weile, dann schaute sie zu der Jüngeren hinüber. "Ich stimme mit den Ansichten des Dunklen Lords überein. Auch ich bin der Meinung, dass Schlammblüter und Muggel nicht mit Reinblütern gleichzustellen sind. Zauberei ist etwas Heiliges und das sollte nicht an diese Unwürdigen verschenkt werden. Außerdem geht es mir tierisch auf die Nerven, dass man keine Schwarze Magie mehr benutzen darf! Als ob das so schlimm ist! Nicht alle Zauber sind darauf ausgelegt, anderen weh zu tun. Sie sind nur etwas... radikaler."
Elyna hörte Bellatrix aufmerksam zu und unterbrach sie kein einziges Mal. Ihre Ansichten zu dem Thema behielt sie jedoch vorerst für sich, obwohl sie nicht glaubte, dass Bellatrix ihr diese übel nehmen würde.
"Um auf deine Frage zurück zu kommen: Nur weil man mit einem Todesser verheiratet ist, muss man noch längst nicht selbst zu einem werden. Lucius und Rabastan werden Zissy und dich schon davor bewahren." Bellatrix lächelte leicht. "Sie haben euch wirklich gern. Lucius zeigt das nicht so sehr, aber er ist total in meine Schwester verknallt - kein Wunder, wenn du mich fragst, sie wird immerhin recht häufig als hübschestes Mädchen der Schule bezeichnet. Ich hoffe, aus den beiden entwickelt sich noch etwas, wenn Zissy erstmal mit der Schule fertig ist. Und bei dir und Rabastan... nun ja, da mache ich mir keine Sorgen!" Sie lachte kurz auf, dann sah sie wieder ins Feuer und ihre Augen bekamen einen sehnsüchtigen Ausdruck. "Ich vermisse Rodolphus", flüsterte sie so leise, dass Elyna es beinahe nicht verstand.
Vorsichtig rückte sie näher an die Siebtklässlerin heran und strich ihr langsam über den Rücken. Dann stand sie auf und ging zu ihren Freunden zurück, denn sie spürte, dass Bellatrix momentan lieber allein sein wollte.

Zwei Wochen später hatten sie endlich die letzte ihrer ZAG-Prüfungen geschrieben.
Elyna streckte sich ausgiebig in der Eingangshalle, sodass Rabastan, Josec und Zissy ebenfalls stehen blieben, um auf sie zu warten.
"Gehen wir noch runter zum See?", fragte ihr Bruder und erhielt ein einstimmiges Nicken als Antwort.
"Hey, wie lief die Prüfung?" Regulus kam auf die kleine Gruppe zugeschlendert, ausnahmsweise ohne Barty Crouch.
"Leicht", sagte Elyna.
"Anstrengend", meinte Narzissa.
"Ziemlich beschissen", murrte Rabastan.
Josec lachte und nach einem kurzen Moment stimmten die anderen mit ein. Dann gingen sie zum See hinunter.
Es war ein warmer Tag und viele Schüler hielten sich draußen auf, um endlich von den Prüfungen zu entspannen oder sich einfach im Schwarzen See abzukühlen.
Elyna bemerkte eine Gruppe Gryffindors, darunter Sirius Black und James Potter. Der Wind trug ihr leise Gesprächsfetzen zu. Als sie das Wort "Schniefelus" hörte, wurde sie wütend und beschleunigte ihre Schritte. Nur am Rande nahm sie wahr, dass ihre Freunde ihr folgten.
Sie sah, dass Potter Severus mit einem Zauber in die Luft hängte und beschleunigte ihre Schritte. Aber bevor sie etwas tun konnte, kam bereits Lily Evans und verpasste dem schwarzhaarigen Gryffindor eine saftige Ohrfeige. "Was tust du da, Potter?", keifte sie ihn an. "Zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor!" Dann ließ sie Severus mit einem Schlenker ihres Zauberstabes wieder zu Boden, während Potter nur blöd in die Gegend starrte.
Als Lily Severus jedoch aufhelfen wollte, passierte es: "Ich brauche deine Hilfe nicht! Lass mich in Ruhe, Schlammblut!"
Elyna hielt für einige Augenblicke den Atem an, eilte aber noch immer auf die Truppe Gryffindors zu.
"Fein", hörte sie Lily sagen. "Dann kann ich ja jetzt gehen." Damit stürmte die Rothaarige davon. Elyna war sich sicher, in ihren Augen Tränen glitzern zu sehen.
"Du mieses, kleines-", fing Potter in diesem Moment an und hob die Faust als wolle er Severus schlagen. Weit kam er aber nicht, denn Elyna vergegenwärtigte sich in diesem Moment, dass sie eine Hexe war und rief laut: "Petrificus Totalus!"
Potter wurde steif wie ein Brett und kippte vornüber in den Dreck.
Genau da gehörst du hin, dachte Elyna, dann eilte sie auch schon auf ihren schwarzhaarigen Freund zu.
"Severus! Ist alles in Ordnung?"
Er sah sie an und sie konnte in seinen Augen lesen, dass er bereits bereute, was er zu Lily gesagt hatte. "Ich bin so ein Idiot", flüsterte er leise, sodass nur sie es hörte. Und Regulus, wie sich einen Moment später herausstellte, denn der Viertklässler hatte sich ebenfalls zu ihnen gehockt.
"Bist du nicht, Sev! Evans kriegt sich schon wieder ein, mach dir keine Sorgen!", versuchte er ihn zu beruhigen.
Elyna nickte und stand langsam auf. Neben ihr hatten Rabastan, Josec und Narzissa ihre Zauberstäbe erhoben, sodass Elyna es ihnen schnell gleichtat.
Ihnen gegenüber standen Black, Lupin, Pettigrew und der aus seiner Starre befreite - sehr wütende - Potter. An sich vier gegen vier, aber auch Regulus erhob sich nun langsam.
Potter warf ihnen einen letzten hasserfüllten Blick zu, dann verzogen sich die Gryffindors eilig.
Rabastan schaute kurz zu Severus, drückte Elynas Hand und ging ohne ein weiteres Wort mit Josec und Narzissa zum Schwarzen See. Elyna wusste, dass er Severus nicht besonders leiden konnte, aber er akzeptierte ihn, weil sie ihn mochte. Deshalb würde sie sich jetzt auch um ihn kümmern.
"Steh auf, Sev", bat sie den Schwarzhaarigen und nach kurzem Zögern kam er dem nach. Dabei verzog er schmerzerfüllt das Gesicht und stützte sich stark auf Regulus. "Was ist los?", fragte Elyna alarmiert.
Er schnaubte. "Bin nur mit dem Fuß umgeknickt. Bitte, Elyna, ich muss zu Lily!", flehte er sie an.
Kurz musterte sie ihn, dann schüttelte sie entschieden den Kopf. "Vergiss es. Regulus bringt dich in den Krankenflügel. Wenn du willst, kann ich mal nach ihr sehen", bot sie an, als sie das trotzige Funkeln in seinen Augen sah.
Zögerlich nickte er, dann humpelte er auf Regulus gestützt zum Schloss zurück. Elyna sah ihnen einige Augenblicke nach und fragte sich nicht zum ersten Mal, was das zwischen den beiden Slytherins war. Sie verstanden sich unglaublich gut und verbrachten viel Zeit miteinander. Besonders, seitdem Regulus bekannt gegeben hatte, dass er Zaubertränke brauen liebte. Sie hatten von Professor Slughorn eine Sondergenehmigung bekommen, sodass sie in ihren Freistunden das Zaubertränkeklassenzimmer nutzen konnten.
Mit einem Kopfschütteln versuchte Elyna, ihre Gedanken zu verdrängen und machte sich auf den Weg, Lily zu suchen.
Zum Glück war diese nicht im Gryffindorturm, sondern in der Bibliothek. An einem Tisch ganz hinten in der Ecke, geschützt vor neugierigen Blicken, weinte sie. Elyna setzte sich neben sie und strich ihr beruhigend über den Rücken.
Es dauerte eine ganze Weile bis die Rothaarige sich wieder einigermaßen im Griff hatte und keine Tränen mehr aus ihren grünen Augen kamen. "Wie konnte er nur so etwas sagen?", fragte sie flüsternd und mit gebrochener Stimme.
"Menschen machen dumme Dinge, wenn sie sich eingeengt fühlen", sagte Elyna und reichte der Gryffindor ein Taschentuch. "Ich weiß, das willst du gerade nicht unbedingt hören, aber Severus hat es nicht so gemeint. Er war in seinem Stolz gekränkt und als Slytherin konnte er nicht einfach nicht darauf reagieren."
Lily schnaubte. "Sein Stolz und dieses ganze Slytherin-Gehabe sind mir herzlich egal. Er ist mein Freund! Und Freunde beleidigt man nicht, schon gar nicht aufgrund ihres Blutstatus, der sowieso für den Arsch ist!"
Elyna war erstaunt über die recht ruppige Ausdrucksweise der Gryffindor, die diese normalerweise nicht an den Tag legte.
Lily seufzte. "Ich weiß ja, wie du zu Severus stehst und dass du nicht willst, dass wir streiten, weil ich 'sein Licht in der Dunkelheit' bin. So ganz genau verstehe ich zwar nicht, was das bedeuten soll, aber gut." Tatsächlich hatte Elyna schon den ein oder anderen Streit in den letzten paar Jahren zwischen den beiden geschlichtet, denn sie spürte, dass Severus die rothaarige Gryffindor brauchte. "Gib mir noch etwas Zeit", bat Lily. "Ich werde mich schon wieder beruhigen, aber momentan... kann ich ihn einfach nicht mehr ansehen."
Elyna nickte verständnisvoll. "Natürlich, nimm dir Zeit. Denk nur daran, wir leben nicht ewig! Und Sev wird auch nicht ewig warten." Damit stand sie auf, verabschiedete sich mit einem Nicken von der Gryffindor und verließ die Bibliothek, um endlich mit ihren Freunden am Schwarzen See zu entspannen. Sie hatte es sich wirklich verdient.

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