23. Der letzte Weihnachtsball

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"Trägst du deine Haare wieder offen oder darf ich sie dir dieses Mal flechten?"
Elyna sah ihre beste Freundin mit hochgezogenen Augenbrauen an.
"Was denn? Man wird ja wohl noch fragen dürfen", murrte Narzissa und legte die Haarklammern weg, die sie bereits in der Hand gehalten hatte. "Du hast so schöne Haare, Ly. Du solltest dieses Geschenk nicht verschwenden." Traurig sah sie auf ihre eigenen Haare hinab, die an den Spitzen schon wieder Spliss bildeten.
Elyna verdrehte nur die Augen und nahm die Bürste zur Hand, die Narzissa ihr vor die Nase hielt.
Ihre schwarzen Haare glänzten seidig und fielen ihr glatt bis zur Hüfte. Sie mochte es, wenn sie sich im Laufe des Tages ein wenig verfilzten und sie am Abend mit sanfter Gewalt die Knötchen herauslösen musste. Es gab ihr ein eigenartiges Gefühl von Freiheit. Früher hatte sie sich die Haare abgeschnitten, damit niemand auf den Gedanken kam, dass sie ein Mädchen war. Heute musste sie sich keine Sorgen mehr darüber machen und das war... schön.
Elyna bürstete sich die Haare und zog das schwarze Kleid an, das Narzissa ihr geliehen hatte. Dazu trug sie ein slytheringrünes Armband (ebenfalls von der Freundin) und eine silberne Kette mit einem kleinen Smaragd, die Rabastan ihr geschenkt hatte. Ihre Füße steckten in schwarzen Schuhen mit drei Zentimetern Absatz - mehr traute sie sich einfach nicht zu.
Narzissa zog sie vor den Spiegel und seufzte tief. "Du bist so hübsch", hauchte sie verträumt.
Das Kleid hatte breite Träger und einen Ausschnitt, der ihre Oberweite betonte. Es lag bis zur Taille eng an, dann fiel es in einem Faltenrock bis knapp über ihre Knie.
Elyna gab ihrer Freundin insgeheim Recht, doch sie selbst fand, dass Narzissa das Kleid viel besser stand. Die Blonde war das schönste Mädchen an der Schule - diese Meinung teilte Elyna mit vielen ihrer Mitschüler, in erster Linie allerdings mit den Jungs. Wäre Narzissa nicht mit einem der einflussreichsten Männer des Ministeriums verlobt, könnte sie vor lauter Verehrer kaum einen Schritt machen, ohne dass jemand ihr die Tasche trug. Tatsächlich übernahm diese Aufgabe meistens Rabastan - er war einfach ein vollendeter Gentleman.
"Das wird der letzte Weihnachtsball von Slughorn, zu dem du gehen kannst. Genieß es", riet Narzissa ihrer Freundin und zog sie aus dem Schlafsaal in Richtung Gemeinschaftsraum.
Rabastan wartete bereits auf sie und fing an zu strahlen, als er Elyna erblickte. Er verbeugte sich formvollendet vor ihr und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken, bevor er sie nochmal auf den Mund küsste - kurz und unschuldig. "Du siehst wunderschön aus", sagte er und sah sich mit einem Blick im Raum um, der jedem prophezeite, dass er diese Meinung bis aufs Blut verteidigen würde.
Elyna lachte. "Das sagst du doch immer!"
"Es stimmt ja auch immer", erwiderte er lediglich und reichte ihr seinen Arm, damit sie sich einhaken konnte.
Elyna warf Narzissa noch einen Blick zu und schaute dann zu einem der Sofas, die vor dem Kamin standen. Dort saßen Josec, Mulciber und Avery und unterhielten sich angeregt. Severus und Regulus saßen ebenfalls daneben - verdächtig nah beieinander, wie Elyna fand.
Gemeinsam mit Rabastan legte sie den altbekannten Weg zurück, den sie inzwischen seit sieben Jahren zu jedem Weihnachten zusammen mit ihm gegangen war.
"Das ist unser letzter Weihnachtsball bei Slughorn", sprach sie ihre Gedanken aus und lief automatisch etwas langsamer.
Rabastan hob fragend eine Augenbraue.
"Erfüllt dich das etwa nicht mit einer gewissen... Melancholie?"
Der Schwarzhaarige zuckte lediglich mit den Schultern. "Ich bin da nicht so sentimental. Du konntest die jährlichen Veranstaltungen von Slughorn doch bisher auch nie besonders leiden?"
Elyna runzelte die Stirn. "Schon, aber nun, da ich mich bald nicht mehr darüber beschweren kann, finde ich es irgendwie schade."
Rabastan verdrehte lächelnd die Augen, seine Hand umschloss ihre mit einem festen Griff, der gleichzeitig unglaubliche Wärme ausstrahlte. "Alles geht irgendwann einmal vorbei, Ly. Unsere Kindheit, unsere Schulzeit und unser Erwachsenenleben. Irgendwann sind wir alte Rentner und lassen uns von unseren Kindern und unseren Enkelkindern erzählen, wie Hogwarts sich verändert hat." Er war stehen geblieben und legte nun seine andere Hand auf ihre Wange. "Wir werden in unseren Schaukelstühlen auf unserer Veranda sitzen und uns an unsere Schulzeit erinnern. An all die Stunden, die wir zusammen verbracht haben, an die Duellierabende, die Hausaufgaben, die Quidditchspiele. Wir werden einfach glücklich sein, dass wir ein so schönes Leben hatten."
Elyna küsste den Schwarzhaarigen kurz auf die weichen Lippen, dann legte sie ihre Stirn an seine. "Versprichst du es mir?"
Er sah sie fragend an.
"Versprichst du mir, dass wir immer zusammen sein werden? Auch wenn der Tod uns zu trennen versucht?" In ihrer Stimme schwang eine Verzweiflung mit, von der sie bisher nicht gewusst hatte, dass sie da war.
Sie hatte ihren Zwillingsbruder verloren, sie würde nicht auch noch ihre Zwillingsseele verlieren.
Rabastan lächelte und zog sie in eine feste Umarmung. "Ich verspreche es. Niemand wird uns jemals trennen."
Elyna lächelte, während sie sich an ihn drückte und seinen Geruch einatmete, der für sie Freiheit und Heimat bedeutete.

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