Als sie sich Hogwarts näherten, verschwanden die beiden Mädchen auf die Toilette, um sich ihre Umhänge anzuziehen, während die Jungs im Abteil blieben.
Zu viert verließen sie den Zug und befanden sich in einer riesigen Menge an Schülern.
"Erstklässler zu mir! Zu mir!", brüllte da eine Stimme und ein gigantischer Mann winkte die jüngsten Schüler mit einer seiner riesigen Pranken zu sich.
"Hagrid", erkannte Elyna auf den ersten Blick. Sie hatten den Wildhüter während ihres Aufenthalts in Hogwarts schon kennengelernt. Er hatte sie mehrmals zum Tee eingeladen, aber seine seltsamen Felsenkekse schmeckten nicht einmal den Zwillingen, die schon viel schlimmeres gegessen hatten. Hagrid konnte einfach nicht backen.
Die vier Erstklässler versammelten sich mit ihren neuen Mitschülern um den Halbriesen und legten die Köpfe in den Nacken, um ihm ins Gesicht sehen zu können.
"Alle da? Gut, dann geht's jetzt los." Hagrid drehte sich um und marschierte los. Die Schüler mussten allesamt rennen, um mit ihm Schritt halten zu können. Narzissa meckerte leise vor sich hin, hörte aber bald damit auf, weil sie nicht den Atem dafür übrig hatte.
Als sie um eine Ecke bogen, hörte man von überall her nur "Ah" und "Oh" oder "Wow", denn das Schloss war in Sichtweite gekommen. Elyna musste gestehen, dass es bei Dunkelheit mit den vielen erleuchteten Fenstern noch mystischer wirkte als ohnehin schon.
Am Schwarzen See hielt Hagrid schließlich an. "So, immer vier Mann nehmen ein Boot", erklärte er und beschlagnahmte selbst ein ganzes Boot für sich allein. "Und beeilt euch ein bisschen, es sieht aus als würde es gleich anfangen zu regnen."
In dem Chaos, das nach seinen Worten ausbrach, verlor Elyna ihren Bruder aus den Augen und landete in einem Boot mit drei fremden Jungen.
"Ich bin Sirius Black", stellte der erste sich vor und zwinkerte ihr spitzbübisch zu. "Das sind James Potter und Remus Lupin."
Sie nickte. "Ich bin Elyna Salwn. Bist du mit Narzissa Black verwandt?", fragte sie dann neugierig, während sich die Boote langsam in Bewegung setzten.
Er verzog das Gesicht. "Meine Cousine. Totale Reinblüter-Fanatikerin, genau wie ihre Schwester Bellatrix. Woher kennst du sie?"
"Wir saßen im Zug zusammen in einem Abteil", erklärte sie.
Sirius stieß ein Schnauben aus und wandte den Blick wieder nach vorne.
"Nimm es nicht so schwer", flüsterte da plötzlich der Junge, der als Remus vorgestellt worden war. "Er mag diesen Teil seiner Familie einfach nicht."
Sie zuckte mit den Schultern. "Ich schon."
Dann sah auch sie wieder nach vorne und Schweigen legte sich über das kleine Boot.
Es fing an zu nieseln.
Als sie endlich die andere Seite des Sees erreicht hatten, sprang Elyna als erste aus dem Boot und lief zu ihren Bruder, Rabastan und Narzissa.
"Wo warst du denn?", flüsterte Josec ihr zu.
"Ich hab euch vorhin verloren und bin in einem Boot mit dem Cousin von Narzissa gelandet."
Bei diesen Worten verzog die Blonde das Gesicht. "Er war doch hoffentlich nicht unhöflich?"
Elyna lächelte schief. "Nur ein bisschen."
"Ja, das sieht ihm ähnlich", meinte Rabastan und grinste.
"Kennen sich alle Reinblüter untereinander?", fragte Josec verwundert.
"Es gibt verschiedene Veranstaltungen, zu denen nur die 'Unantastbaren Achtundzwanzig' eingeladen sind", erklärte der Schwarzhaarige. "Die Blacks gehören dazu, ebenso wie die Lestranges und die Malfoys. Deswegen kennen sich die meisten reinblütigen Kinder schon von klein auf."
Elyna nickte verstehend und wollte gerade noch etwas fragen als die ganzen Erstklässler, die Hagrid zum Schloss hinauf gefolgt waren, anhielten. Vor ihnen stand Professor McGonagall. Sie ließ sich mit keiner Faser anmerken, dass sie die Zwillinge kannte.
"Ich übernehme ab hier", sagte sie und Hagrid verabschiedete sich. "Ich werde euch gleich in die Große Halle führen", sie deutete auf ein Portal hinter ihr, "und dort werdet ihr vom Sprechenden Hut in die vier Häuser eingeteilt. Es gibt Hufflepuff, Ravenclaw, Gryffindor und Slytherin. Während ihr hier in Hogwarts seid, wird euer Haus gleichzeitig eure Familie sein. Macht eurer neuen Familie keine Schande!", ermahnte sie abschließend, dann drehte sie sich um und schritt auf das Portal zu. Die Erstklässler folgten ihr eingeschüchtert.
Die Große Halle war tatsächlich riesig, mit gutem Blick auf den regnerischen Himmel, der durch einen Zauber an der Decke zu sehen war. Elyna und Josec kannten die Halle zwar schon, aber so voll war sie bisher noch nie gewesen.
Die Erstklässler versammelten sich vor dem Lehrertisch und besahen sich verdutzt den schäbigen Hut auf dem dreibeinigen Stuhl. Plötzlich öffnete sich ein schmaler Riss an der Krempe des Hutes und er fing an zu singen:
