33. Abschlussball

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Elyna drehte sich bewundernd vor dem Spiegel hin und her. Man konnte sagen, was man wollte, aber sie sah am heutigen Abend einfach umwerfend aus! Ihr Abschlussballkleid war slytheringrün und der obere Teil bestand aus feinster Seide. Es besaß einen angemessen tiefen V-Ausschnitt und die Träger waren zunächst breit, liefen sich aber nach oben hin aus bis sie beinahe so dünn waren wie Spaghetti-Träger. Bis zur Taille lag das Kleid eng an, danach fiel es in einem wunderschönen Faltenrock bis zu ihren Knöcheln. Schultern, Arme, Dekolleté und Hals waren von einem hauchdünnen Stoff bedeckt, auf dem sich kunstvolle Spitze umeinander rang. Dieser Stoff bedeckte auch den oberen Teil des Kleides und endete an der Taille. Dort befand sich zusätzlich ein schmales schwarzes Band, das in einer kleinen Schleife vor ihrem Körper endete und beide Teile des Kleides voneinander trennte. Auch am Saum des Rockes befand sich Spitze, allerdings nur vereinzelt und unauffällig. Elyna lächelte leicht als sie den langen Schlitz im Rock betrachtete, der ihr bis zur Mitte des Oberschenkels reichte. Etwas gewagt, aber man lebte nur einmal.
Zu dem Kleid trug sie schwarze Schuhe mit wenig Absatz, damit sie Rabastan nicht überragen würde. Ihre schwarzen Haare, die ihr inzwischen bis zur Hüfte reichten, hatte sie mit einem Zauber zu leichten Locken gedreht und hochgesteckt. Damit das Ganze nicht so streng aussah, hatte sie zwei Strähnen vorne aus der Frisur gezogen, sodass diese nun ihr Gesicht umschmeichelten.
Narzissa hatte sich um das Make-Up gekümmert. Elyna hatte zwar darauf bestanden, nur wenig Schminke zu tragen, doch Narzissa hatte sich nicht davon abbringen lassen, Elynas Augen mit slytheringrünem Lidschatten und schwarzem Eyeliner zu betonen. Ihre Wimpern hatte die Blonde zusätzlich mit einem Hauch von Mascara hervorgehoben.
Elyna fand das Make-Up tatsächlich ziemlich schön, doch es war ihr viel zu aufwendig und sie konnte absolut nicht nachvollziehen, weshalb manche Mädchen dafür eine Stunde früher aufstanden.
"Du siehst wunderschön aus", sagte plötzlich eine Stimme hinter Elyna. Ertappt wirbelte die Schwarzhaarige herum und sah sich Narzissa gegenüber. "Du auch", erwiderte sie lediglich und lächelte.
Narzissa trug ein schwarzes Kleid, das knapp oberhalb ihrer Knie endete. Es hatte breite Träger und war bis zur Taille mit kleinen kunstvollen Perlen besetzt, die die Funktion von Spitze übernahmen. Ihr Ausschnitt war gerade tief genug, damit man die silberne Kette mit dem Kristallanhänger sehen konnte, die Lucius ihr zu Weihnachten geschenkt hatte. Narzissa trug sie mit einem Stolz, der vielleicht ein wenig überflüssig war, aber Elyna verstand dadurch, wie glücklich die Blonde über das Geschenk war.
Das schwarze Kleid lag eng an und wurde erst ab der Hüfte etwas lockerer. Um die Taille war ein breites silbernes Band geschlungen, dass mit dunklen Verzierungen übersät war. Zu dem Kleid trug sie schwarze Schuhe mit hohem Absatz, sodass sie fast so groß war wie Elyna. Ihre Haare hatte sie zu einer komplizierten Flechtfrisur hochgesteckt, doch Elyna hatte einzelne Strähnen etwas gelockert, weil ihre Feundin sonst zu sehr wie Professor McGonagall aussah. Ihr Make-Up war dezent gehalten. So hatte sie ihre Augen mithilfe von Eyeliner und Mascara betont sowie mit einem Lidschatten, der von schwarz zu silber überlief und somit das sturmgraue black'sche Erbe hervorhob.
Elyna fand, dass sie beide heute umwerfend aussahen. Passend für den Abschlussball.
"Wollen wir?", fragte Elyna ihre Freundin und hielt ihr spaßeshalber den Arm hin.
Lachend hakte Narzissa sich bei ihr ein und zog sie aus dem Schlafsaal hinaus. Die anderen drei Mädchen standen noch im Bad, würden ihnen allerdings vermutlich bald folgen.
Gemeinsam machten die beiden Freundinnen sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum, in dem ihre Freunde bereits auf sie warteten.
"Wow", war alles, was Rabastan hervorbrachte. Er stand in einem schwarzen Anzug vor dem Kamin und sah seine Verlobte mit großen Augen an. Schließlich besann er sich auf seine guten Manieren, kam zu ihnen und verbeugte sich höflich vor Elyna. Dabei nahm er ihre Hand und hauchte einen Kuss darauf. "Du bist wunderschön", flüsterte er ihr ins Ohr und küsste sie kurz.
Elyna strahlte ihn an und war gleichzeitig total verlegen.
Josec zwinkerte ihr zu und warf dann einen ungeduldigen Blick auf seine Uhr. Neben ihm standen Severus und Regulus, die noch immer Narzissa anstarrten. Die Blonde würde mit ihrem Cousin zum Ball gehen, da er sonst nicht hin durfte. Severus hatte das Mädchen aus Elynas Schlafsaal, dessen Namen sie sich nicht merken konnte, gefragt und weil sie anscheinend keine Lust hatte, alleine zu gehen, hatte sie ihm zugesagt.
"Können wir dann endlich?", fragte Josec ungeduldig.
Elyna verdrehte lächelnd die Augen. "Er wird schon auf dich warten", grinste sie mit einem Augenbrauenwackeln.
Josec lief rot an und schüttelte wütend über sich selbst den Kopf. Dann warf er noch einen Blick zur Uhr und schien unheimlich erleichtert, als endlich Elynas Schlafsaalgenossin zu ihnen stieß. Nun konnten sie los.
Elyna zog ihren Bruder den ganzen Weg zur Großen Halle auf, weil er immer nervöser wurde. Schließlich hörte sie allerdings damit auf, denn seine Gesichtsfarbe wirkte echt nicht mehr gesund. "Jo?", fragte sie ein wenig besorgt, als sie gerade die Eingangshalle durchquerten. "Geht es dir gut?"
Josec nickte, schüttelte den Kopf und nickte wieder. Plötzlich trat ein Strahlen in seine Augen und er lief etwas schneller. Elyna musste sich nicht umsehen, um zu wissen, dass Sirius Black die Eingangshalle betreten hatte. Lächelnd sah sie ihrem Bruder dabei zu, wie er den Gryffindor begrüßte und ihn anschließend von seinen Freunden weg- und in die Große Halle hineinzog. Zurück blieben ein griesgrämiger James Potter mit einer wunderschönen Lily Evans in einem hübschen roten Kleid, ein verdutzter Peter Pettigrew ohne Begleitung und ein lachender Remus Lupin, dessen moosgrüne Augen strahlten. Elynas Herz klopfte schneller bei seinem Anblick, doch als eine Ravenclawsechstklässlerin den Werwolf mit einem schüchternen Kuss auf die Wange begrüßte, bekam sie für einige Augenblicke keine Luft mehr. Erst als die beiden in der Großen Halle verschwunden waren, konnte sie wieder ordentlich atmen. Sie versteckte ihre Gefühle in einer Kiste und schob sie in die hinterste Ecke ihrer Gedanken, bevor sie ihren Blick zu Rabastan wandte und ihn anlächelte.
Er lächelte zurück, hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen und zog sie dann sanft mit sich in die Große Halle. Ihre Freunde folgten ihnen eilig.
Die Haustische waren weggezaubert worden, stattdessen standen kleine runde Tische überall verstreut. Die Halle war sehr farbenfroh gestaltet und es gab keinen Fleck, an dem keine Blume stand oder durch die Luft flog. Elyna schnaubte abfällig. Wollten die Lehrer vielleicht über den Krieg hinwegtäuschen, der draußen in der wirklichen Welt stattfand?
Rabastan schien ebenso begeistert wie Elyna und zog sie zu einem Tisch, der vergleichsweise wenige Blumen zu bieten hatte. Elyna setzte sich hin und legte eine Hand auf die Tischplatte. Im nächsten Moment verbrannten die ganzen kleinen Blümchen und ließen nur ihre Asche zurück. "Schon besser", murmelte sie und wandte ihre Aufmerksamkeit zum Lehrerpodium, denn Professor Dumbledore war aufgestanden und breitete die Arme aus. "Meine lieben Siebtklässler!", rief er. "Nun habt ihre eure Abschlussprüfungen hinter euch gebracht und betretet bald die große weite Welt. Ihr werdet in einen Krieg hineingezogen, der nicht der eure ist und müsst euch entscheiden, welche Seite ihr unterstützt. Wenn es nach mir ginge, würde ich euch diese Bürde gerne abnehmen, aber das kann ich leider nicht. Lord Voldemort wird immer stärker und ohne den Sieg über ihn, kann unsere Welt keinen Frieden finden. Zweifellos wird er auch an euch herantreten und versuchen, euch von sich zu überzeugen. Doch hört meinen Rat: Voldemort ist nichts wichtiger als Macht und bevor er nicht alle Macht besitzt, die diese Welt zu bieten hat, wird dieser Krieg nicht enden." Dumbledore sah den Siebtklässlern ernst in die Augen, doch sein Blick schweifte nur kurz in die Ecke der Slytherins.
Elyna knurrte leise. Natürlich, für den alten Schulleiter waren sie alle längst Todesser und keiner von ihnen verdiente Rettung aus der Dunkelheit.
Rabastan legte seine Hand auf ihre und als sie ihm in die Augen sah, konnte sie darin dieselbe Wut sehen, die auch in ihr brodelte.
"Nun, lasst euch von mir altem Narr nicht den Abend verderben", rief Dumbledore nun und lachte sie an. "Genießt euren Abschlussball und das leckere Essen!" Damit klatschte er in die Hände und vor jedem der Schüler erschien eine Speisekarte.
Elyna besah sich überrascht die Karte und sah dann zu ihrem Verlobten. "Und jetzt?"
Rabastan grinste sie an und tippte mit seinem Zauberstab auf eine der Speisen. Plötzlich tauchte vor ihm ein Teller mit dem gewünschten Essen auf und Elyna nickte verstehend. Sie suchte sich nun selbst etwas aus, tippte mit dem Zauberstab darauf und fragte sich, wie dieser seltsame Zauber wohl funktionierte.
Die Slytherins achteten nicht weiter auf die Ansprache von Dumbledore und unterhielten sich lieber über angenehmere Themen. Regulus und Rabastan verfielen rasch in eine Diskussion über Quidditch, immerhin würde der Jüngere im nächsten Jahr der Kapitän der Quidditchmannschaft von Slytherin werden.
Severus redete mit Narzissa über etwas, das Lucius Malfoy anscheinend gesagt hatte, und Elyna sah sich nach ihrem Bruder um. Josec saß zusammen mit Sirius alleine an einem der Tische. Sie schienen sich prächtig zu amüsieren und ignorierten gekonnt die Blicke der anderen Schüler. Sirius' Freunde inklusive deren Begleitung belegten einen Tisch in der Gryffindorecke. Elyna wünschte sich, sie hätte nicht nach Remus gesucht, doch es war zu spät. Er saß neben der Ravenclawsechstklässlerin und sie lachte über einen Witz, den er erzählt hatte. Seine Augen funkelten und seine Lippen verzogen sich zu einem wunderschönen Lächeln. Elynas Herz schmolz, brach und klebte sich selbst wieder zusammen, bevor es erneut zerbarst.
"Alles okay?", fragte das Mädchen aus ihrem Schlafsaal, dessen Namen sie sich nicht merken konnte.
Elyna lächelte sie beruhigend an und nickte. "Ja, alles in Ordnung." Sie zwang sich, zurück auf ihren Teller zu sehen und ihre gewünschte Speise zu essen. Doch eigentlich war ihr jeglicher Appetit vergangen und sie hätte am liebsten alles ausgekotzt.
Als sich schließlich die ersten Paare auf die Tanzfläche wagten, hatte Elyna noch immer fast nichts von ihrem Essen gegessen. Plötzlich legte Rabastan seine Hand auf ihre und lächelte sie warm an. "Wollen wir tanzen?", fragte er und zog sie bereits auf die Füße, ohne ihre Erwiderung abzuwarten. Elyna hätte ohnehin nicht Nein gesagt. Sie liebte es, gemeinsam mit Rabastan über die Tanzfläche zu schweben und all ihre Sorgen zu vergessen.
"Nun, was ist los mit dir?", fragte Rabastan nach dem fünften oder sechsten Lied.
Elyna war so überrascht von der Frage, dass sie beinahe aus dem Takt gekommen wäre. Doch sie fing sich recht schnell wieder und sah ihren Verlobten überrascht an.
"Was?", lachte er. "Denkst du, ich merke nicht, wenn dir etwas auf dem Herzen liegt? Wir sind Zwillingsseelen, falls du das vergessen haben solltest."
Elyna lächelte verlegen und wandte den Blick ab. Die Musik wurde schneller und sie nutzte den Tanz, um ihre Gedanken zu ordnen, bevor sie sich wieder bei einem langsameren Lied Rabastan gegenübersah.
"Also?", hakte er nach.
Elyna holte tief Luft. "Ich hab dir doch erzählt, dass ich mich vielleicht verliebt habe?"
Rabastan nickte lediglich.
"Naja, ich fürchte, ich habe ihm etwas erzählt, das... jedenfalls war er noch nicht bereit, es zu wissen und jetzt ist es ein wenig kompliziert zwischen uns. Ich kann es auch irgendwie nachvollziehen, immerhin war diese Information ziemlich heftig, aber... Naja, ich habe mir wohl gewünscht, er könnte darüber hinwegsehen."
Rabastan sah sie eine Weile einfach nur an, während ihre Füße die gewohnte Schrittfolge tanzten und sie über die Tanzfläche schwebten. "Wenn er dasselbe empfindet wie du, dann wird er sich damit abfinden müssen. Liebe ist doch bekanntlich stärker als alle Geheimnisse oder Offenbarungen. Er wird schon noch verstehen, dass Informationen über dich oder dein Umfeld nicht ausmachen, wer du bist."
Elyna nickte nachdenklich und sah über Rabastans Schulter zu Remus hinüber. Er trank gerade ein Glas Wasser, sein Blick fixierte sie mit einer solchen Intensität, dass Elyna leicht rot wurde und während sie den Blick des Werwolfs erwiderte, fiel ihr auf, dass die Ravenclawsechstklässlerin nicht mehr neben ihm saß. Ein angenehmes Kribbeln machten sich in ihrem Bauch breit.
"Vielleicht hast du recht", murmelte sie und wandte ihren Blick schnell vom Remus ab.
Rabastan lächelte sie an und zog sie ein Stück näher an sich. "Muss ja auch mal vorkommen", grinste er.
Elyna lachte und vollführte eine komplizierte Drehung, doch plötzlich hörte die Musik auf zu spielen. Überrascht sah sich die Schwarzhaarige um und als sie ihren Bruder erblickte, grinste sie wie ein Honigkuchenpferd.

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