Ilvy
Ich wusste nicht, wie es Mila ging, aber für mich gingen die letzten beiden Stunden verdammt schleppend herum. Es lag nicht daran, dass beide Englisch waren. Und auch nicht daran, dass Gally mich durchgehend mit Entschuldigungen zulaberte und ich den ganzen Ärger bekam. Sondern daran, dass ich mir verdammte Sorgen um meine Schwester machte. Da ich wieder, wie in Deutsch, ganz woanders als sie saß, konnte ich sie nicht sehen.
"Hast du mal ein Wörterbuch für mich?", fragte Gally. "Ne aber ein keines Grammatik Heft. Da steht auch einiges drin, Dummkopf.", zischte ich. Ich griff nach dem Heft und überlegte noch eine Weile, ob ich es ihm überhaupt geben sollte. Gerade, als er wieder den Mund aufmachte, reichte ich es ihm schwungvoll. Ein bisschen zu schwungvoll. Ich hatte vorgehabt, es vor ihm auf den Tisch zu klatschen, aber es landete volle Kanne in seinem Gesicht. Und dann auch noch auf der sowieso schon kaputten Nase. "Oh Gott Gally das tut mir echt Leid! Das war keine Absicht!", rief ich. Ein paar Leute lachten. "Ich schätze, ich habs verdient.", sagte er und zuckte die Schultern.
"Naja, es heißt ja, dass man auf Büchern schlafen soll, um den Inhalt in den Kopf zu bekommen. Das war jetzt die härtere Methode für alle Faulen. Du solltest mir dankbar sein.", sagte ich und lächelte ein wenig. Er blätterte schnell durch das Heft und dann schoss sein Finger in die Höhe und der Lehrer nahm ihn sofort dran, da er der einzige war, der sich meldete. "The answer is: unpredictable.", sagte er in verdammt schlechtem Englisch, das vermutlich noch immer besser war als meins. "Correct", verkündete der Lehrer. "Siehst du. Hat funktioniert.", sagte ich und rutschte auf meinem Stuhl hin und her. Unpredictable. Unvorhersehbar. Ja, das passte eindeutig auf unsere Situation. Scheinbar dachte er das Gleiche. "Das ist ab jetzt unser Wort.", sagte er leise und lächelte mich gutmütig an. Das sollte also der Junge gewesen sein, der meiner Schwester so brutal wehgetan hatte? Ich traue meinen Augen nicht. Ich wollte etwas erwidern, wusste aber nicht, was. Zum Glück klingelte es in diesem Moment. Und das hieß: für den Rest des Tages Gally-frei.
Als wir an der Bushaltestelle standen, legte Mila ihren Kopf auf meine Schulter und wir anderen redeten ganz leise, sodass ihre Kopfschmerzen nicht noch schlimmer wurden. Wenn das überhaupt möglich war. Zum Glück redete niemand mehr über Sport, denn sonst hätte ich Gally womöglich doch noch erwürgt. Irgendwann klinkte ich mich dann aus dem Gespräch aus und legte die Arme um meine Schwester. Sie musste wirklich nach Hause. Als hätte ers gewusst, bog in dem Moment der Bus um die Ecke. Ich schulterte meine Tasche und hängte mir Milas an den Trägern über den Arm. "Aber du musst nicht-" "Doch, Schwesterherz ich muss." Sie schaute zwar immer noch widerwillig drein, fand sich aber scheinbar damit ab. Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden und liefen zum Bus. Natürlich hatten wir genau an so einem Tag einen alten, verdammt laut klappernden Bus und zu allem Überfluss mussten wir auch noch stehen.
Mila legte ihren Kopf wieder auf meine Schulter und kniff die Augen zusammen. Mir kam es so vor, als ob die Fahrt ewig dauerte, obwohl es vielleicht zehn Minuten waren. Zum Glück wohnten wir nicht weit von der Haltestelle entfernt und waren nach weiteren drei Minuten zu Hause.
Ich schloss die Tür auf und schickte Mila sofort nach oben. Ich sagte ihr, dass ich ihr später was zu essen bringen würde und ihre Hausaufgaben auch machen würde. Dankbar ging sie ins Bett und ich beschloss, ihr etwas Zeit zu lassen, damit sie ein wenig schlafen konnte. Aber ich brachte ihr noch schnell ein Glas Wasser und eine Kopfschmerztablette nach oben.
Danach ging ich ins Wohnzimmer und sah, dass der Anrufbeantworter blinkte. Es war eine Nachricht von unserer Mutter. "Heeey meine Süßen! Ich hoffe ihr hattet einen guten Start. Wartet später nicht auf mich. Ich muss noch einkaufen und treffe mich dann mit ein paar Kollegen. Bis morgen dann!" Ich glaubte nicht, dass wir sie morgen zu Gesicht bekommen würden. Aber wir kamen auch ganz gut alleine klar. Rücklinks ließ ich mich aufs Sofa plumpsen und schaltete den Fernseher ein. Alles, was ich wollte, war ein bisschen Zeit für mich.
Aber natürlich bekam ich diese nicht. Denn es klingelte an der Tür. Ich vermutete, dass es der Postbote war, der ein Paket für die Nachbarn hatte, die im Urlaub waren. Bevor ich die Tür ganz offen hatte, fing ich an zu sprechen. "Wir nehmen die Pakete der... GALLY?!" Ich erschrak, als ich die Tür ganz auf hatte und Gally mir entgegenlächelte. "Äh...ja hi." "Was willst du hier?!" "Ich hab doch gesagt, ich will es erklären." "Lass mich raten... Deine Freunde haben dich dazu angestiftet, weil sie gedacht haben, dass du uns zu sehr magst." Ich hatte keine Lust auf ein Gespräch mit Gally. "So einfach ist es nicht. Bitte, lass es mich erklären." Ich seufzte und ging aus dem Weg, um ihn durchzulassen. Vorbildlich zog er sich die Schuhe aus und hängte die Jacke an den Haken. Ich schloss die Tür und ging voraus ins Wohnzimmer. Er setzte sich auf das Sofa aber ich blieb in der Tür stehen. "Erzähl.", forderte ich. "Also eigentlich ist es doch so einfach. Du hattest Recht." Ich dachte, ich höre nicht richtig. "Bist du bescheuert? Dann raus aus unserem Haus!", rief ich mit gesenkter Stimme, um meine Schwester nicht zu wecken, falls sie schlief.
"Ilvy was... Oh hey Gally.", sagte sie plötzlich hinter mir. "Oh. Hab ich dich geweckt?", fragte ich. "Nein. Ich wollte mir noch was zu trinken holen. Alles gut." "Aber du hättest doch rufen können.", sagte ich. Sie zuckte die Schultern. Gally räusperte sich. "Mir tut es wirklich aufrichtig Leid, dass das passiert ist. Ich bin sicher, Ilvy erklärt dir später alles. Aber ich glaube, du solltest dich weiter ausruhen."
Mila nickte und fuhr zusammen, als es erneut an der Tür klingelte. Die Klingel war nicht sonderlich laut aber bei Kopfschmerzen war jedes Geräusch zu viel. Bevor ich fragen konnte, ob ich gehen solle wandte Mila sich zur Tür. Gally und ich lauschten gespannt. Wir hörten, wie die Tür aufging und dann hörten wir sie quietschen. "Neeewt was machst du denn hier?", jubelte sie. "Dich besuchen, was sonst?" Ich lugte aus dem Zimmer in den Flur und sah gerade noch, wie er ihr einen Kuss auf die Wange schmuggelte. Jungs waren zu süß, wenn sie sich sorgen machten. "Komm, wir gehen ins Wohnzimmer.", sagte Mila. Auch Newt zog sich Jacke und Schuhe aus. Gally griff sich meinen Arm und wollte mich zu ihm aufs Sofa ziehen aber ich schaffte es, auf dem Weg dahin zu stolpern, verlor das Gleichgewicht und landete mit den Armen um seinen Hals auf seinem Schoß. So war das sicher nicht gedacht. Genau in dem Moment kamen Newt und Mila rein. "Stören wir?", fragte sie und ließ sich auf einen Sessel fallen. Newt setzte sich auf den Sessel gegenüber von Mila und ich rettete mich auf die Armlehne von Milas Sessel. "Awww er mag dich.", sagte sie etwas zu laut und er wurde rot. "Son Quark. Wir kennen uns doch erst einen Tag. Und er ist ein Arsch. Aber Newt und du... Da läuft doch was." "Schwachsinn. Hast du mitbekommen, wie Gallys Augen geleuchtet haben, als er vorhin deinen Namen gesagt hat oder wie er dich im Unterricht angafft?" Ich schüttelte den Kopf. "Hallo? Wir sind anwesend?", bemerkte Gally im Namen beider Jungen. Mila grinste und schaltete die Lautstärke des Fernsehers wieder ein, da ich sie vorher ausgemacht hatte. Wir schauten noch eine ganze Weile zu viert irgendwelche Gerichtssendungen und ich wanderte wieder aufs Sofa. Aber mit Sicherheitsabstand. Irgendwann verzogen Mila und Newt sich dann auch, unter dem Vorwand, dass die Kopfschmerzen wieder schlimmer wurden und er ihr Essen machen wollte, und ließen mich mit Gally allein. Na danke.
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Ein ganz normales Leben?
RandomWas wäre, wenn die Maze Runner ganz normale Schüler wären, die ein noch normaleres Leben führen würden und es den Brand, ANGST und das Labyrinth nie gegeben hätte? Mila und Ilvy kommen neu zu ihnen in die Klasse und haben zuerst ein Problem, sich i...
