Kapitel 18

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Ilvy

Der Tag ging ungewöhnlich schnell rum. Und zu meiner großen Überraschung auch ohne weitere Probleme. Nur einmal, als sich Gally in der Pause mit zu uns in den Kreis stellte, obwohl ich ihm gesagt hatte, dass das eine dumme Idee war, hatte ich das Gefühl gehabt, dass die anderen mich gerne ermorden würden. Deswegen hatte ich gebetet, dass er die Klappe hielt. Meine Gebete wurden wohl zur Abwechslung mal erhört, denn er stand die ganze Zeit nur da, jetzt wieder in seiner Jacke, und wickelte meine Haare um seine Finger, und ließ sie dann in leichten Wellen wieder fallen. Was genau er davon hatte, wusste ich auch nicht. Zu meiner Verwunderung redeten die anderen in unserem Kreis einfach weiter und starrten uns nicht an. Allerdings ließen sie mich auch nicht an ihren Gesprächen teilhaben.

Ab und an flog ein fetter Schneeball gehen Gally und ich dachte die ganze Zeit, er würde weggehen und dem Werfer was erzählen. Aber er war wie hypnotisiert von meinen Haaren und bekam es nicht einmal mit. Ich hörte, wie Newt Mila ins Kino einlud. Sie antwortete ganz gelassen aber sie zappelte hin und her. Da war aber jemand aufgeregt. Am Ende stellte sich heraus, dass noch ein paar andere Leute mit wollten und es scheinbar eine Art Doppeldate werden sollte. Und um ehrlich zu sein, war ich froh, dass sie mich nicht einluden.

Der Tag ging sehr schnell rum. Ehe ich mich versah, stand ich schon in unserer Gruppe an der Bushaltestelle. Der Bus fuhr gerade auf den riesigen Platz und Mila und ich wollten los, um noch einen Sitzplatz zu ergattern. Die anderen nahmen alle einen anderen Bus oder gingen zu Fuß nach Hause. Aber da hielt mich jemand am Arm fest und ich wäre fast nach hingefallen, hätte er mich nicht aufgefangen. Ich sah ihn mit einem Blick an, der sagte, dass ich es eilig hatte und er nickte. "Ich hab mitbekommen, dass deine Schwester heute weggeht und wollte fragen, ob ich vielleicht nachher bei dir vorbei kommen könnte. Zu einem Filmeabend. Ist ja jetzt Wochenende." Ich überlegte kurz. Ein Filmeabend unter Freunden. Ich fand nichts, was dagegen sprach und bejahte. Dann drehte ich mich um und rannte zum Bus in der Hoffnung, dass Mila mir einen Platz frei hielt. Natürlich tat sie es.

Aber sie saß nicht alleine da. Newt saß neben ihr und seine Hand hatte ihren Platz ihrem Bein gefunden. Als sie mich sahen wanken sie und ich setzte mich ihnen gegenüber in den Vierer. Zum Glück fuhren sie rückwärts.

"Was machst du hier?", fragte ich. "Es scheint, als hätte deine Schwester ganz akute Styling und Outfit Probleme, die gelöst werden müssen." Er lachte und sie wurde rot. Natürlich stimmte das nicht. Sie wusste immer sofort, was sie anziehen wollte und was man kombinieren konnte, ohne, dass es gruselig aussah. Sie hatte gelogen, um ihn länger für sich zu haben. Neue Stadt, neue Schwester. "Und? Was machst du später so ganz alleine?", fragte sie mich. "Filme gucken und die Ruhe genießen." Dafür erntete ich einen Schlag gegen den Oberarm. "Ich bin hier nicht die, die laut ist.", sagte sie. "Wer kommt denn noch mit?", fragte ich. Diesmal wurde Newt rot, während sie antwortete. "Thomas, Brenda und vielleicht Teresa." Als ob. Irgendetwas sagte mir, dass er ihr dann später erzählen würde, dass doch niemand mitkam, weil sie 'doch etwas anderes geplant hatten' und schwups waren sie allein. Der einzige, der was geplant hatte, war Newt. Aber ich fand es wirklich süß und deswegen sagte ich nichts.

Zu Hause angekommen, quetschten wir uns zu dritt an unseren viel zu kleinen Esstisch und überlegten, was wir essen könnten. "Nudeln?", schlug ich vor. Die waren einfach zu machen und gingen schnell. Die beiden bejahten und ich schickte sie hoch, weil ich keine Lust hatte, dass mir jemand beim kochen auf die Finger schaute. Und so hatte jeder was davon. Oben hörte ich sie lachen und machte die Tür zu, um nicht abgelenkt zu werden. Ich musste mal in Ruhe nachdenken. Und natürlich, wie sollte es anders sein, dachte ich über Gally nach.

Auf der einen Seite, war er total nett und bemüht und hatte sich sorgen um Mila gemacht, nachdem diese ganze Geschichte in Sport passiert war. Und heute morgen hatte er sich Sorgen um mich gemacht und mir seine Jacke gegeben. Und was das für ihn jetzt für Konsequenzen hatte, wollte ich mir gar nicht vorstellen. Andererseits wäre das in Sport nicht passiert, wenn er nicht so geil auf seinen angeblich hart erarbeiteten Ruf wäre. Ich konnte ihn überhaupt nicht einschätzen. Eine dieser beiden Rollen war gespielt. Aber welche es auch war, ich mochte ihn. Sogar sehr.

Bevor ich rufen konnte, standen die beiden schon im Raum und fragten, ob das Essen fertig war. Ich nickte und Mila holte Teller und Besteck. Ich verriet Newt, wo Gläser waren und er stellte sie auf den Tisch. Jetzt noch das Essen auftun und fertig. Das Essen verlief still und am Ende waren unsere Lippen orange von der Soße. Nachdem wir unsere Gesichter davon befreit hatten gingen Newt und Mila wieder hoch und ließen mich mit dem Abwasch allein. Aber es machte mir nichts aus, denn somit war ich beschäftigt und musste nicht weiter nachdenken.

Als ich fertig war ging ich ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher ein. Der Anrufbeantworter blinkte aber ich wusste, wer darauf gesprochen hatte. Meine Mutter. Sie würde wieder spät nach Hause kommen und wir würden sie nicht zu Gesicht bekommen. Mich störte das nicht. So konnte ich die Sachen dann machen, wann immer ich es wollte und Freunde einladen oder weggehen, wenn ich wollte.

Die Zeit verging und plötzlich standen Newt und Mila vor den Fernseher und verdeckten meine Sicht. "Wir sind dann mal weg.", verkündete sie. "Wann kommst du wieder?", fragte ich. "Weiß noch nicht." "Wenn sie müde ist, schläft sie bei mir okay?", bemerkte Newt. "Oder aber  du schläfst bei uns und ich weiß meine Schwester in Sicherheit.", betonte ich. Er nickte. "Man Ilvy, du bist so peinlich. Aber okay dann schläft er halt hier" Sie sah ein wenig erleichtert aus. Ich musste mir die Bemerkung mit den getrennten Betten wirklich verkneifen. Sie gingen und ich plumpste zurück aufs Sofa und wartete auf meine Verabredung. Ich wollte nicht, dass es ein Date war.

Ein ganz normales Leben?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt