Kapitel 3

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Ilvy

Die Schulleiterin war eine etwas ältere Frau, die ihre Haare zu einem strengen Zopf zusammen gerafft hatte. Sie setzte sich auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches in einen großen weißen Sessel. Insgesamt war der Raum eher schlicht weiß gehalten und außer dem Schreibtisch und einem kleinen Schrank, ebenfalls weiß, war nichts vorhanden. Wie futuristisch. Scheinbar dachte Mila das selbe, denn sie musterte den Raum mit großen Augen und sah mich dann enttäuscht an. 

Frau Paige räusperte sich und lenkte somit unserere Aufmerksamkeit auf sich. "Wie ihr sicher wisst, bin ich die Schulleiterin Ava Paige."  Wir nickten stumm, um sie nicht zu unterbrechen. "Ich habe eurem Lehrer bereits Bescheid gegeben, dass ihr etwas später kommen werdet. Eure erste Stunde ist...ähm, Moment..." Sie öffnete eine Schublade, doch bevor sie das, wonach sie suchte, gefunden hatte, antwortete ich leise: "Deutsch bei Ratt- äh ich meine Herrn Janson." Verwirrt blickte sie mich an. "Wir hatten gerade ein Treffen mit ein paar Klassenkameraden. Sie haben uns gesagt, dass wir her kommen sollen." Ich konnte das Klicken in ihrem Kopf förmlich hören. "Ja genau. Das habe ich in der Käferklingen-Kamera gesehen." "Käferklingen?", fragte Mila. "So nennen wir unsere Überwachungskameras. Sie sind nicht befestigt, sondern bewegen sich frei über das Gelände. So wie Käfer. Und Klingen... Naja sie sind sehr scharfkantig. Also bitte nicht anfassen." Frau Paige lächelte. 

"Aber nun genug davon. Mal sehen.. ja also euer Klassenraum ist die erste Tür links im Erdgeschoss. Einfach immer der Nase nach. Verzeiht, aber eure Klasse besteht fast nur aus Sportlern und den... naja typischen Mädchen die sich an ihre muskelbepackten Arme hängen, nur um gut auszusehen, wenn ihr versteht." Oh ja. Wir verstanden sehr gut. Mit denen hatten wir auch schon Bekanntschaft gemacht. Ich sage nur: klumpige Wimperntusche, durch die man die Augen schon fast gar nicht mehr erkennen konnte. Frau Paige nickte, so, als ob sie meine Gedanken gehört hatte. Ich hätte allerdings nie damit gerechnet, von einer seriösen Person wie einer Schulleitung solch eine Beschreibung ihrer Schüler zu hören zu bekommen. "In dem Raum hängt immer eine Wolke aus Schweißgeruch und Haarspray. Tut mir bitte den Gefallen und legt euch nicht mit denen an. Ihr könnt nur verlieren. Die Sportler verteidigen ihre Mädchen bis zum letzten Mann. Aber weiter im Programm. Euer Klassensprecher ist Gally. Wendet euch an ihn, wenn ihr Probleme habt. Aber denke, dass ihr wenn überhaupt, welche mit ihm haben werdet." Klang ja vielversprechend. "Okay. Ich glaube, das wars. Wenn noch Fragen aufkommen sollten, könnt ihr mich eigentlich immer hier antreffen. Oder ihr redet mit dem stellvertretendem Schulleiter. Bitte scheut keine Fragen, wir sind für euch zuständig." Sie stand auf und ging Richtung Tür. Wir folgten ihr stumm. "Dann noch mal herzlich Willkommen an unserer Schule." Sie öffnete die Tür und wir gingen raus, drehten uns aber nochmal zu ihr um. "Vielen Dank Frau Paige. Wir sind zuversichtlich, dass wir eine schöne Zeit an dieser Schule haben werden.", sagte ich. Mila nickte zustimmend. "Einen schönen ersten Tag und viel Spaß in Rattenmanns Deutschunterricht." Damit schloss Ava Paige die Tür leise, aber bestimmt. Mila und ich wandten uns zum gehen. 

"Hat sie gerade Rattenmann gesagt?", fragte Mila ungläubich, als wir außer Hörweite waren. Ich nickte lachend. Hatte ich mich doch nicht verhört. Plötzlich ging eine Tür auf und ein leicht genervter, alter und sehr hässlicher Mann trat auf den Flur und blickte uns wütend an. "Und was veranlasst die Damen dazu, hier draußen herumzubölken, statt im Unterricht zu sitzen?" Ich musste mir ein Lachen verkneifen. Mila hatte mal wieder ihren typischen Mut. "Erstmal, bölken wir nicht. Und dann sind wir neu hier und suchen unsere Klasse. Es tut uns leid, wenn wir ihren Unterricht gestört haben." Ich staunte immer wieder über meine Schwester. "Seid ihr Mila und Ilmy?" "Ilvy.", verbesserte ich. Der Mann riss die Tür noch weiter auf und bellte in die Klasse. "Alle mal herhören! Neue Mitschüler! Also Klappe, aufstehen und vorstellen." Was für ein Ton. Waren wir bei der Marine gelandet? Er deutete uns, den Raum zu betreten. Ich schob Mila vor mir durch die Tür. Kaum war sie hindurch, hörte ich wie ihr ein Typ hinterherpfiff. Schnell betrat ich den Raum und sah gerade noch, wie einer aus der letzten Reihe seine Lippen aus der Pfeipf-position zurück in die normale brachte. Aber nur, um gleich danach mir auch noch hinterherpfeifen zu wollen. Ich warf ihm einen warnenden Blick zu. Niemand pfiff meiner Schwester ungestraft hinterher. Sie war doch kein Hund! Als er merkte, dass ich ihn anstarrte, starrte er zurück. Er hatte wirklich ein Gesicht zum reinschlagen. Wir starrten eine Weile um die Wette, aber als die ersten Schüler aufstanden, wurde er abgelenkt und senkte den Blick. Gewonnen!

Nacheinander feuerten die anderen nun ihre Namen auf uns ab. "Frypan, Chuck, Ben, Alby..." leicht überfordert Blickte ich meine Schwester an, aber sie sah genauso hilflos aus, wie ich. "Teresa", ich blickte auf. Endlich jemand, den wir kannten. "Aris, Thomas, Brenda, Minho, Newt." Noch mehr bekannte Gesichter. Und ein freier Platz. Neben Newt. "Winston, Gally." Gally? Schnell blickte ich umher, um zu sehen, wer das war. Und mein Blick trauf auf das breit grinsende bitte-hau-mir-eine-rein Gesicht von meinem Starrwettbewerb. Bitte nicht! DAS sollte der berüchtigte Klassensprecher sein, von den alle Welt sprach? Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Aber Schulleiterin Paige hatte ja gesagt, dass es Stress mit ihm geben würde. Und auch Minho hatte vohin so etwas angedeutet. Wir druchforsteten die Reihen nach leeren Plätzen. Mila wurde sofort knallrot, als sie den freien Platz neben Newt entdeckte, der ihr schüchtern zulächelte. Rattenmann underbrach uns. "Also, da hinten, neben Newt, da ist noch ein Platz. Mila, meine liebe, sei doch so freundlich und nimm dort platz." Sie sah so aus, als wollte sie mal wieder etwas unüberlegtes sagen und deshalb deutete ich ihr, es nicht zu tun. "Ja, Sir", sagte sie. Mein Blick streifte umher und ich sah, dass es keinen Platz mehr gab, der in ihrer Nähe war. Oder überhaupt irgendeinen. Einige Jungs beanspruchten je einen Doppeltisch für sich alleine und ich hatte erwartet, dass Herr Janson, zwei an einen Tisch setzte, um für mich oder bestenfalls uns Platz  zu machen. Aber scheinbar war das nicht der Fall. Würde ich mir wohl mit einem der Jungen einen Platz teilen müssen. Ich sah wie mir ein blonder, mit genau so strahlend blauen Augen wie ich sie hatte, freundlich zugrinste. Doch was Janson dann sagte, ließ mich jegliche Fassung verlieren.

"Ilvy, ich möchte das du dich neben Gally setzt"

Ein ganz normales Leben?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt