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„...Dies war keine Lösung. Deine Mutter war schwanger. Sie hatte Cemre im Bauch. Nurullah wollte diese Verlobung nicht mehr. Aber sein Vater und dein Opa. Sie haben gewartet bis Cemre geboren wurde. Jahrelang hat deine Mutter unglücklich Cemre großgezogen. Eines Tages entführte dein Vater deine Mutter. Sie lebten 2Monate zusammen in Belgien. Nurullah hatte sie nicht gefunden. Sie war Schwanger. Dein Vater zog Cemre mit Liebe auf. Doch eines Tages fand er die beiden." sie stoppte. Ihr Gesicht war verheult. Mahir schaute wütend um sich rum. Er war auf 180. Seine Adern stachen überall raus.
„Wo ist er?" sagte ich verzweifelt. Meine Augen brannten. Ich wollte nicht weinen. Ich wollte Mahir nicht noch mehr zerstören. Er schaute verzweifelt zu mir.
„Er lebte in Potsdam." sagte sie. Potsdam.
„Danke Oma." sagte er und wir standen auf. Wir bewegten uns Richtung Tür. Sie schaute uns traurig an. Sie wollte nicht das wir gehen. Sie wollte ihren Enkel nicht verlieren. Sie hatte recht. Er war jahrelang nicht bei ihr. Ich umarmte sie fest. Ich zog ihren süßlichen Oma Duft in mich.
„Ich werde ihn zwingen wieder zu kommen." flüsterte ich in ihr Ohr. Sie lächelte. Ihre Augen die voller Tränen waren, lachten plötzlich innerlich.
Wir lösten uns. Sie hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Ihre Freude war ihr wortwörtlich ins Gesicht geschrieben.
„Wenn du sie nicht zur glücklichsten Frau machst, klemme ich dich mit deinen Ohren an die Wand." sagte sie mit ihrem gebrochenen Deutsch. Ich lachte laut auf. Ich sah nach rechts. Mahir schaute mich an. Er schaute mich mit voller Liebe an. Seine Blicke lagen auf mir. Mein ganzer Körper füllte sich mich Hoffnung. Hoffnung wieder alles normal zu erleben. Ich wollte nicht irgendwelche Rätsel lösen. Ich wollte nicht sehen, wie Menschen zwei Gesichter haben. Ich wollte wieder in meine Kindheit. Ich wollte leben. Ich wollte frei sein. Ich wollte schon immer so frei sein.
Er hielt mir seine Hand hin. Er lächelte mich an. Er schaute mich mit seinen wunderschönen Augen an. Seine hellgrünen Augen trafen auf meine dunkelgrünen Augen. Wie am Anfang. Wir liefen zusammen die Straßen runter. Wir liefen zu seinem Auto. Er öffnete mir meine Tür und ich stieg ein. Er fuhr mit 180 auf die Autobahn. Wir waren schnell. Doch die Schnelle machte uns nichts aus. Unser Herz raste. Wir hatten Angst. Wir hatten eine Adresse in die Hand gedrückt bekommen von der Oma. Stimmte sie? Erinnerte sie sich vielleicht falsch? Was erwartete uns dort? Was könnte passieren? Hatten wir das Leben nicht durchgespielt. Was könnte uns noch mehr verletzen? Wir hatten uns verloren beinahe. Ich schaute zu Mahir. Seine Adern waren gespannt. Sein Atem war laut. Seine Hand auf dem Lenkrad zitterte. Ich lehnte mein Kopf an das Fenster. Ich schaute raus. Jedes Auto hatte mehrere Menschen drin. Jeder hatte seine eigene Geschichte. Jeder hatte seine eigenen Probleme. Jeder in diesen Autos hatte ein Grund für seine Tränen. Die Kinder wurden gelehrt, um ihre eigene Geschichte zu leben. Sie werden erzogen und dann ins Feuer geworfen. Sie werden in die Liebe geworfen. Liebe, wird in jedem Film so schön dargestellt. War es doch so schön?

Wir waren angekommen. Eine Straße oder eher eine Gasse. Dunkle, kalt und düster. War es das was uns erwartet?

Endloser Albtraum Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt