Ein kalter Wind fuhr durch mein weiches Fell. Ich lief geradeaus, dann links und weiter Richtung Stadt. Es war kühler geworden, und der Mond warf ein pfahles Licht auf die Schnee bedeckten Dächer. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren. Der Wolf gewann die Oberhand. Ich hatte Angst, das spürte ich erst jetzt. Wo ich allein durch die ruhigen, dunklen Straßen lief, die nur der Mond erhellte. Der Staat war zu geizig um vernünftige Straßenlaternen zu kaufen, was mich nicht weiter störte, da ich die Dunkelheit eigentlich mochte. Nur jetzt nicht.
Meine Ohren spitzen sich, ich hörte meine Samtpfoten auf dem eiskalten Asphalt, den Wind, der durch die Bäume rauschte und die Fußspuren im Schnee zudeckte. Ein Uhu heuelte in der Ferne. Ich sah mich, mit zu Schlitzen verängten Augen um.
Es schien niemand mehr wach zu sein, ich war angekommen und langsam lief ich die Steinstufen hinauf zur Eingangstür, sie war weiß und hatte ein rundes Bullauge.
Ich war da, aber wie sollte ich reinkommen? Wenn ich an der Tür kratzte, wie eine Katze, würden sie mich bemerken. Vielleicht war hinten ein Fenster offen, naja eher unwahrscheinlich im Winter. Es gab eine Glastür aber Ryan hatte einen Basballschläger in seinem Zimmer und wenn er mich hörte, kam er damit runter und ich hatte verloren. Meine Beine trieben mich dazu einfach zu laufen, sie waren schon dazu bereit los zu stürmen, doch ich hielt sie zurück. Jetzt wo ich schon mal hier war, kam ich schon irgendwie ins Haus. Ich überlegte. Das Klofenster! Ryans Mom hatte die Angewohnheit abends, vor dem Schlafen gehen, das Toilettenfenster zu öffnen. Es war zwar ziemlich klein aber mir Glück konnte ich mich dadurch quetschen.
Ich schlich um das Haus herum, die Gästetoilette war hinten. Ich hatte Glück! Seine Mom hatte es offen gelassen, bevor sie zu ihrem Seminar geflogen war.
Ryans Eltern arbeiteten ziemlich viel und jetzt war er garantiert allein, seine Mutter musste zu irgendeinem Seminar in Paris, sie war Modedisignerin und traf sich dort mit den berühmtesten Disignern, der Welt. Sein Vater arbeitete immer Nachts, als Arzt im Krankenhaus.
Warum wollte ich ihm eigentlich etwas tun? Er hatte...mich belogen! Dafür würde ich mich rächen, obwohl niemand gesagt hat, dass er wirklich wegen einem anderen Mädchen krank war. Stimmt, ich war sehr überstürzt los gelaufen, ohne zu überlegen. Am besten ging ich jetzt nach Hause, aber dafür, dass er mich belogen hatte und gar nicht krank war, trat ich die Glasscheibe der Wohnzimmertür ein. Eine Sirene heuelte auf. Shit! Ich hatte vergessen, dass die ihr ganzes Haus mit Alarmanlagen gesichert hatten, weil sie viele wertvolle Gemälde in den Zimmern hängen hatten.
Dir Polizei war in spätestens zehn Minuten da und ich musste schnell weg, zum einen, weil sie mich, einen Wolf, wohl erschießen würden und zum anderen, weil das geheule für meine empfindlichen Ohren viel zu laut war.
Winselnd lief ich die kleine Strecke bis zum nahe gelegenen Wald. Ich sah wie die hellen Polizeilichter in der Ferne aufblinkten und hörte ihre ohrenbetäubend, laute Sirenen. Erst jetzt spürte ich, wie langsam die Kraft aus meinen Knochen sickerte und mich müde und träge machte. Das Mondlicht wirkte nicht mehr so hell und auch ich verlor meine Wolfskräfte, vorher hatte ich da nicht so drauf geachtet aber kurz bevor ich mich verwandelte ließ mein guter Geruchssinn nach, ich hörte schlechte und auch meine Augen wurden in der Dunkelheit schlechter.
Langsam trabte ich zu mir 'nach Hause' und als ich vor dem alten knorrigen Baum stand spürte ich schon die Übelkeit in mir hoch kommen. Schnell hüpfte ich hoch, durch meine zerbrochene Scheibe nach innen, was ich dafür als Ausrede benutzte konnte ich mir auch morgen noch ausdenken.
Und so viel ich ausgelaugt in mein Bett, von der Verwandlung bekam ich schon fast nichts mehr mit, denn ich war schon halb eingeschlafen. Ich sah nur noch schwarz bevor ich in einen tiefen Schlaf fiel.
Ich träumte etwas seltsames.
"Evie!", rief eine betörende Stimme. Es war nicht Ryans aber irgendwie schon. Er kam auf mich zu und umarmte mich aber es fühlte sich nicht richtig an. Plötzlich löste er sich in hundert Fledermäuse auf, die auseinander stoben und weg flatterten. Ich fiel, immer tiefer in die Unendlosigkeit. Es wurde hell, die Sonne brannte auf mich nieder. Ich stand im Sand, knöchel tief war ich eingesunken. Ein gellender Schrei durchbrach die tiefe Stille. Ich befand mich in einem kleinen Raum, eine Frau hing an den Händen gefesselt von der Decke. Ich wollte etwas sagen, doch aus meinem Mund rieselte nur Sand. Ich erstickte förmlich an ihm. Die Frau schrie weiter und weiter, dann war es still. Totenstill. Ich sah mich um, ich war in einem großen, leeren Saal gelandet, es war die Art Raum, in der man nicht gerne war. Es erinnerte mich an einen Ballsaal, der noch nie benutzt wurde und seinen darein Zweck nicht erfüllte. Ich machte einen Schritt und dann brachen die Fliesen unter meinen Füßen weg, ich sah neongrünes Licht, in das ich fiel. Schmerzhaft landete mein Traum-Ich unsanft auf einem harten Stuhl, eine Man beugte sich mit einem Stethoskop über mich. Er bewegte seinen Mund, doch es kam kein Ton raus, sondern nur ein Windhauch, der über meine nackten Arme strich und mir Gänsehaut bereitete. Ich lag auf so einem komischen Metallbett, gefesselte, unbeholfen. Um meinen Oberkörper war ein grüner Kittel, mit weißen Rädern.
Ich schloss kurz die Augen. Ich spürte etwas kaltes auf meinem Hals, es war scharf, ein Messer lag auf meinem ungeschützten Hals, es hatte einen schwarzen Messinggriff. Dann wachte ich von einem knarschendem Geräusch auf.Vor mir stand Mira, ihre Augen waren fest geschlossen, sie hob ihre Hand, in ihrer kleinen Hand lag ein Messer. Sie leiß ihre kleine Hand herunterschnellen, zielsicher hatte sie das Messer auf meinen Hals gerichtet. Mir wurde schwarz vor Augen.
Es ist zwar keine Meisterleistung aber wenigstens hat es ein spannendes Ende, oder? In den nächsten Kapiteln geht es wahrscheinlich noch mehr um die beiden als um Mira und ihre Heilung aber das kommt noch :)
Hel, euer Gummibärchen ♡ ♥ ♡
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Und alles ist anders
WerewolfEvelyn und Mira, die beiden Geschwister, leben mit ihren Eltern in London. Eigentlich ist alles perfekt, doch es gibt ein Problem; Mira ist Todkrank, sie macht unzählige Therapien aber es bringt nichts, Evelyn ist am verzweifelt. Mira selbst scheint...