Kapitel 21

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POV: Joanna

Ich durfte ihn nicht küssen! Mich nicht auf ihn einlassen! Nach dem Kuss sind die zwei Mädchen weggegangen, danach bin ich auch weg gerannt. Nun saß ich in irgendeiner Ecke und wusste nicht, wo ich jetzt hin musste. Die Tränen konnte ich bis jetzt gut aufhalten. Ich konnte nicht einfach jemanden fragen, weil hier irgendwie niemand mehr war.

,,Hey, Joanna!", rief jemand hinter mir und lief mit eiligen Schritten auf mich zu. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu sehen, dass es Dave war.

Er setzte sich neben mich und fragte: ,,Oh nein, hast du geweint?" Ich schüttelte den Kopf. Meiner Stimme vertraute ich nicht. ,,Wenn du es wirklich so schlimm findest, mich zu küssen, dann hättest du es auch nicht machen müssen." Das war nicht so schlimm, irgendwie hab ich auch Dylan geküsst. Ohne Gefühle. Aber bei diesem Kuss war es ... anders. Und es fühlte sich richtig an. Aber es war falsch.

Ich nickte kurz. ,,So können wir nicht in den Unterricht. Du gehst jetzt erstmal auf das Klo und wäschst dir das Gesicht. Dann überlegen wir, ob wir überhaupt in den Unterricht gehen. Okay?" Wieder nickte ich. Dann stand ich auf und ging durch die Tür, auf die Dave zeigte.

Ach du scheiße! Wie seh ich denn aus? Als ob ich stundenlang geheult habe! Jetzt verstand ich, was Dave meinte...

POV: Dave

Ich konnte sie nicht finden! Ich suchte sie schon fast zehn Minuten. ,,Hey!", rief ich, nachdem ich ein Mädchen in einer Ecke entdeckte. Ich würde sie fragen, ob sie Joanna gesehen hat. Aber warum saß sie da, während sie eigentlich im Unterricht sein sollte? Vielleicht hat sie ja eine Freistunde...

Ich lief eilig auf das Mädchen zu und war überrascht. ,,Joanna?", fragte ich kurz nach. Aber eigentlich war es ja klar.

,,Oh nein.", sagte ich während ich mich neben sie setzte. ,,Hast du geweint?" Die Frage war rhetorisch, doch sie schüttelte den Kopf. Sie sollte mich jetzt eigentlich nicht anlügen, aber ich wollte auch nicht diskutieren.

Aber warum weinte sie? Doch nicht wegen dem Kuss von gerade eben? Aber etwas logischeres fiel mir nicht ein. Sie ist danach weg gerannt. ,,Wenn du es wirklich so schlimm findest, mich zu küssen, dann hättest du es auch nicht machen müssen.", erklärte ich ihr. Wie gesagt, ich wusste nicht, woran es sonst liegen könnte, dass sie vor mir weg gerannt ist. Außer ich würde schlecht küssen. Aber da wäre sie die einzige, die das finden würde.

Sie nickte darauf kurz. ,,So können wir nicht in den Unterricht. Du gehst jetzt erstmal auf das Klo und wäschst dir das Gesicht. Dann überlegen wir, ob wir überhaupt in den Unterricht gehen. Okay?", erklärte ich ihr vorsichtig. Sie nickte wieder und ich zeigte ihr das Klo.

Wir waren schon eine viertel Stunde zu spät. Bis sie sich ihr Gesicht gewaschen und neues Make-up aufgelegt hat dauert es noch etwa fünf Minuten, dann müssen wir zum anderen Klassenzimmer laufen, und das dauert wieder knapp fünf Minuten. Also sind wir dann grob eine halbe Stunde zu spät. Das würde sich nicht mehr so wirklich lohnen.

Als Joanna fertig war, erklärte ich ihr meine Berechnungen. Ihr ging es anscheinend wieder besser, denn sie antwortete: ,,Ich habe nicht gedacht, dass du so gut in Mathe bist!" Ich war kurz wütend, aber dann bemerkte ich, dass sie jetzt wieder gut drauf war. Und es war ja auch nur als Spaß gedacht. Also alles gut!

,,Tja. Ich kann dich halt dauernd auf's Neue überraschen." - ,,Ja." Okay, das war nicht unbedingt der beste Satz, den ich hätte sagen können, denn sie hatte diesen traurigen Gesichtsausdruck, den ich an ihr überhaupt nicht mochte.

POV: Joanna

,,Tja. Ich kann dich halt dauernd auf's Neue überraschen." Ich erinnerte mich an den Tag in der Turnhalle, an dem meine Abschiedsfeier stattfinden sollte. Als er jemanden erschossen hat. Als ich zusammengebrochen war. An den Tag, an dem ich nach ein paar Tagen erst wieder aufgewacht bin. Als ich herausgefunden habe, dass der andere tot ist. Dass er entsorgt wurde. Damit niemand Probleme mit der Polizei bekam. An den Tag, an dem ich nach L.A. geflogen bin. Mit meiner Mam. Sie hatte dort einen neuen Freund. Dieser hatte zwei nette Söhne. Ich hatte sie sofort in mein Herz geschlossen. Und ihre Freunde auch. Selbst Dylan. Ich erinnerte mich, wie wir alle ausgesperrt waren und die Polizei kam, weil wir in unser Haus einbrechen wollten. Es hat Spaß gemacht. Dann heute früh. Als ich Jamie sah, wie er sich mit Dave prügelte. Dave! Er war hier! Ich hatte Angst vor ihm. Er hat mich mit einer Pistole bedroht! Und jetzt habe ich ihn geküsst.

Ich antwortete mit einem kurzen Ja, schluckte kurz den Kloß im Hals herunter und lief weiter. Ich wollte nicht schon wieder weinen.

Dave kam hinterher: ,,Joanna. Wir müssen nicht in den Unterricht. Er ist eh gleich aus." - ,,Ich schwänze keinen Unterricht!", erklärte ich ihm. Ich weiß, dass das kindisch war, aber ich kann nicht an meinem ersten Schultag schwänzen.

,,Dazu ist es nun zu spät. Du hast schon knapp eine halbe Stunde geschwänzt." - ,,Schau! Dann muss ich ja nicht noch mehr schwänzen! Heute ist mein erster Schultag hier, da möchte ich nicht negativ auffallen! Warum kennen dich der Rektor schon?" - ,,Okay, das beantworte ich dir, wenn wir uns da auf die Bank setzen und wir jetzt schwänzen. So, und schwänzen tun wir, weil der Lehrer, den wir jetzt haben, es eh noch nicht bemerkt hat, dass wir fehlen. Weil wir ja neu sind und uns erstmal melden sollen. Wenn wir uns aber jetzt bei ihm melden, bemerkt er, dass wir zu spät sind." - ,,Ja, ok. Meinetwegen. Und jetzt erzählst du mir, warum dich der Rektor schon kennt." - ,,Ok, Joanna, das ist ganz leicht.", lachte er, antwortete dann aber doch: ,,Ich war früher schon mal hier. Meine Mutter lebt hier. Mein Vater in Deutschland. Und ich bin halt hier her gezogen." Ich nickte kurz. Er ist also von Deutschland nach L.A. gezogen. Das war wirklich einfach.

POV: Dave

Sie nickte kurz, war aber in Gedanken versunken. Ich genoss einfach die Stille. Es war für mich nicht unangenehm.

,,Warum erzählst du nicht weiter?", fragte sie mich. Ich war überrascht. Warum sollte ich noch weiter erzählen? ,,Was denn?" - ,,Irgendwas. Deine Lebensgeschichte meinetwegen." - ,,Ehm, ja, ok. Also früher lebte ich in Australien. Bin da halt aufgewachsen und so. Und als ich vier war, bin ich mit meiner Mutter hierher gezogen, weil sich meine Eltern getrennt haben. Vor ein paar Jahren bin ich dann nach Deutschland gezogen, weil meine Mam keinen Bock mehr auf mich hatte. Da hab' ich dann das Badboy-Image bekommen. Aber das weißt du ja. Ja, dann hab' ich halt beschlossen, dass ich wieder nach L.A. will, weil Deutschland, naja, da hat ich halt ein paar Vorstrafen und durfte eigentlich nichts illegales mehr machen. Da hab ich schon beschlossen, dass ich das wahrscheinlich nicht schaffte und, dass ich in die USA will. So eine Woche vor der Abreise wollte ich mir das letzte Mal noch ein paar Drogen besorgen." Ich machte eine kurze Pause. Joanna hat ihre Augen geschlossen und, als sie bemerkte, dass ich nicht weiterredete, schaute sie mich verwundert an. ,,Das war an deiner Überraschungsparty." Sie war nicht überrascht, aber ein bisschen ... geschockt?

Anschließend fragte ich sie nach ihrer Lebensgeschichte. Natürlich nur, wenn sie wollte. ,,Ich war auch in Australien. Dann war meine Mutter schwanger und wir zogen nach Deutschland. Vor etwa einem Jahr haben sich meine Eltern getrennt und nun hat meine Mam einen Neuen. Da ich schon immer in die USA wollte, bin ich mit." Joanna lächelte leicht. ,,Und dein Bruder?" - ,,Der ist in Deutschland. Bei unserem Vater. Er kann kein Englisch." Erst jetzt fiel mir auf, dass wir fast das ganze Gespräch auf Deutsch geführt haben. Einige Schüler, die an uns vorbei liefen, schauten uns komisch an. Als wären wir Außerirdische...

,,Ich glaube, wir haben jetzt Pause. Kommst du mit in die Cafeteria? Dort wartet bestimmt Luke auf dich." Er war nicht übel, aber er war der Freund von Joanna! Doch sie lächelte leicht, als ich seinen Namen aussprach.

POV: Joanna

,,Ich glaube, wir haben jetzt Pause. Kommst du mit in die Cafeteria? Dort wartet bestimmt Luke auf dich." Den letzten Satz sagte er leise, aber ich hörte ihn trotzdem. Mir ist gerade aufgefallen, dass uns manche Schüler im Vorbeigehen komisch mustern. Das lag doch nicht etwa daran, dass wir auf deutsch sprachen? Ich musste bei dem Gedanken an Luke kurz lächeln. Dave verzog dabei sein Gesicht leicht. Wir standen auf und gingen in die Cafeteria.

POV: Luke

Wir haben extra einen Platz für Jo freigehalten und warteten jetzt auf sie. Jake nickte kurz in richtung Tür. Ah, da war sie ja. Aber ... mit Dave?! Sie entdeckte mich und kam an unseren Tisch. Ich konnte nicht verstehen, warum sie dort mit Dave stand. ,,Dave?!", fragte ich, als sie neben mir saß.

Dream About A Bad BoyGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt